Beiträge von Schäferterrier

    Also unsere Themen sind in erster Linie stressbedingt. Wer weiß, vllt führt dieser Overload an Stress nun auch dazu, dass er beim nächsten Training dann völlig relaxt ist. Keine Ahnung, ob das lerntheoretisch möglich ist.

    Ich hab speziell mit HSHs wirklich null Erfahrung, aber habe hier selbst einen Hund mit Stress-Thema sitzen und wir haben in den letzten Jahren auch viel über Gewöhnung gearbeitet.

    Das Ding mit der Gewöhnung ist halt, dass man seinen Hund nicht wirklich an Stress als solchen gewöhnen kann. Was man aber tun kann, ist, einen Hund an bestimmte Situationen gewöhnen. Die Krux daran ist allerdings, dass Hunde so unglaublich situationsbezogen lernen. Heißt, einen Hund immer wieder in stressige Situationen zu bringen und die dann mit mindestens genauso gestresstem Hund wieder zu verlassen, bringt überhaupt nichts und gleich gar keine Gewöhnung an die jeweilige Situation. Das einzige, was Hund dabei lernt, ist, dass eben diese Situation ganz viel Stress bedeutet.

    Wenn man Gewöhnung üben möchte, muss man schauen, dass der Hund sich in der Situation entspannt. Nur dann findet ein sinnvoller und langfristiger Lerneffekt statt. Dazu gibt es verschiedene Methoden: Manche arbeiten tatsächlich mit einem Stress-Overload und bleiben so lange in der stressigen Situation, bis Hund sich entspannt (oder aufgibt, je nachdem, wie man es sieht und wie kompetent sowas durchgeführt wird). Mein Weg ist aber z.B. eher die sanfte Gewöhnung. Ich schaue, dass ich meinen Hund so kleinschrittig an Situationen heran führe, dass er es noch leisten kann, nach anfänglicher Aufregung von selbst zu entspannen. Dadurch tritt dann tatsächlich sowas wie eine Gewöhnung ein, weil Hund die jeweilige Situation nicht mehr mit Stress, sondern mit der nachfolgenden Entspannung verknüpft.

    Wenn es dir nicht um den Schein geht, sondern darum, dass dein Hund lernt, Situationen in der Stadt/in der Gruppe entspannt zu meistern, dann hätte ich das Training deshalb tatsächlich spätestens dann abgebrochen, als dein Timur selbst angezeigt hat, dass es ihm zu viel ist und du bemerkt hast, dass da in der Situation gerade kein Lern- bzw. Gewöhnungs-Effekt in Gang kommt. Ist dann zwar ärgerlich, aber es bringt euch doch beiden nichts, wenn du nicht das trainierst, was du trainieren wolltest und dein Hund auch nichts Sinnvolles dabei lernt.

    Ob bei euch generell Bedarf besteht, den Umgang mit läufigen Hündinnen zu trainieren (bzw. ob es den Aufwand wert ist), musst du wissen. Ich für meinen Teil finde es aber nicht so ungewöhnlich/behandlungswürdig, dass ein intakter Rüde in Anwesenheit bestimmter läufiger Hündinnen auch mal arg gestresst ist. Und erst recht sehe ich da kein zwangsläufiges Defizit in der Erziehung und Führung, dafür ist das Thema Sexualstress einfach viel zu individuell.

    Genau daher meine Frage , es ist ja nicht immer möglich einen Bogen zu gehen oder auszuweichen.

    Daher wollte ich mich einfach mal umhören wie es andere so machen / gemacht haben (gerade in Situationen in denen es nicht möglich ist einen Bogen zu gehen)

    Bei meinem Rüden steckt ne etwas andere Motivation hinter dem Pöbeln, der ist einfach sehr kontrollierend und territorial und kann das an der Leine nicht so ausleben, wie er gern hätte. Und intakte Rüden findet er ganz generell ziemlich sch... . Aber wir sind inzwischen auf einem ähnlichen Stand wie ihr und waren auch erst heute in so einer Situation, wie du sie beschreibst: Enger Waldweg, seitlich arg abschüssig und um ne Kurve kamen uns recht unerwartet zwei Hunde entgegen.

    Meine Lösung in solchen Fällen: Umdrehen und zurück laufen, bis wir eine Chance zum Ausweichen finden. Ist zwar nervig, aber mir persönlich immer noch lieber als in eine Situation zu gehen, in der der Kerl pöbelt. Zumindest meiner hatte nämlich ganz schnell raus, dass man mit Keifen, Bellen und in die Leine springen wunderbar andere Hunde & Menschen vertreiben kann, auf die man keinen Bock hat (also jeden :pfeif: ). Den selbstbelohnenden Effekt wieder rauszukriegen ist verdammt schwierig und jedes Mal, wo er doch wieder pöbelt, wirft uns im Training deutlich zurück.

    Es gibt deshalb echt ganz wenige Situationen, in denen ich entscheide, dass wir da jetzt durch müssen, auch wenn die Distanz zu klein ist. In solchen Momenten setze ich den Zwerg am Rand ab, sichere ihn entsprechend und er kriegt den geöffneten Leckerlie-Beutel unter die Schnauze gehalten. Da darf er sich dann nach Herzenslust bedienen, während der andere Hund durchläuft. Klappt immerhin in 1 von 2 Fällen, weil er echt verdammt verfressen ist und beim Inhalieren vom Futterbeutel alles um ihn rum ausblendet. Lernen tut er dabei natürlich nichts wirklich Sinnvolles, aber ich bin inzwischen Team "Besser nichts Sinnvolles als was Schlechtes" :ka:

    Dass es bei "anerkannten Tierschutzorgas" anders wäre, kann ich mir nicht vorstellen.

    Vielleicht bin ich da zu naiv, aber ich glaube tatsächlich, dass es bei TS-Organisationen anders wäre. Der Käufer-Pool ist nämlich ein ganz anderer. Menschen, die gezielt im Tierschutz nach einem Hund suchen, haben (so erlebe ich es zumindest) zu einem sehr großen Teil echtes Interesse daran, was Gutes zu tun. Ob aus den richtigen oder falschen Beweggründen sei mal dahingestellt, aber grundsätzlich besteht da in den meisten Fällen durchaus ein gewisses Interesse am Tierwohl. Weil hätten sie das nicht, könnten sie ja genauso zum Hinterhof-Vermehrer gehen und sich den Stress mit Selbstauskunft, Bewerbungsgespräch, Vorkontrolle, Nachkontrolle usw. sparen. Das nimmt man ja nicht auf sich, wenn man einfach nur schnell und günstig nen Hund will und es einem eigentlich egal ist, wo er her kommt.

    Die Leute, denen es wichtig ist, informieren sich ohnehin.

    Die aktuelle Problematik ist für mich, dass es bislang eben gar keine verlässliche Informationsquelle für "gute" Auslandsvereine gibt. Selbst mit Erfahrung und einem kritischen Blick auf die Organisationen kann man von außen kaum beurteilen, wie gut die jeweiligen Auslandsorganisationen tatsächlich sind. Die können ja viel schreiben, man ist nicht vor Ort. Und vieles beläuft sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda, das läuft dann vielleicht x mal gut und dann doch mal schlecht, weil Erfahrungen anderer Einzelpersonen eben nur bedingt verlässlich sind.

    Die Interessenten für Auslandshunde haben also (im Gegensatz zum Rassehund-Käufer) nicht mal die Chance, sich aktiv für oder gegen eine gewisse Qualitätssicherung zu entscheiden, weil es bislang schlicht und ergreifend keine gibt.

    Auch diese "Prüfungs-Organisation" wäre ja wieder mit ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern besetzt. :ka:

    Ja, das stimmt. Allerdings wird man für eine nachhaltige Verbesserung wohl immer zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen benötigen. Da halte ich die Gründung einer unabhängigen Organisation für sehr viel eher durchführbar als die nötigen Ressourcen aus den bestehenden Tierheimen und Tierschutzvereinen abzuzwacken.

    Je nach aktuellem Vorstand wird das dann mal strenger, mal lockerer beurteilt.

    Dafür braucht es eben die besagten Richtlinien. Die müssen halt vorher klar, transparent und verbindlich festgemacht werden, sodass die Verbraucher sehen, was inwiefern geprüft wird, um so ein Siegel zu erhalten. Funktioniert ja bei manch anderen Gütesiegeln auch...

    Solange es keine gesetzlichen Rahmen gibt (und selbst dann) ist der Spielraum viel zu groß. Sieht man doch an den ganzen Zuchtverbänden.

    Bei meinem Gedankengang geht es ja gerade nicht um eine umfassende Regulierung. Das halte ich nämlich tatsächlich für nicht durchführbar. Vielmehr sollen die potentiellen Käufer dabei unterstützt werden, unter all den zweifelhaften TS-Orgas eine gute Organisation zu finden. Hilfe zur Selbsthilfe quasi. Weil wenn man die schlechten Organisationen nicht regulieren kann, kann man ja wenigstens die guten Organisationen hervorheben und unterstützen.

    Und wenn die Teilnahme freiwillig ist, dann regelt das sowieso der Preis. Nicht umsonst kaufen so viele ihre Welpen beim Hinterhofzüchter, statt aus einer VDH-Zucht.

    Der Preis kann bei der Vergabe eines Gütesiegels ja durchaus mit bedacht werden.

    Bisschen OT

    Wobei ich auch nicht den Eindruck habe, dass VDH-Welpen allein wegen dem VDH-Label so viel teurer als Hinterhof-Welpen sind (wenn sie es denn überhaupt sind, inzwischen werden Letztere ja oft sogar deutlich teurer gehandelt). Bei einem VDH-Welpen steckt ja auch deutlich mehr Geld in der Auswahl und Untersuchung der Elterntiere sowie einer guten Aufzucht und umfassenden Sozialisierung als wenn ich in meinem Hinterhof mal kurz Hund x auf Hund y springen lasse.

    Letztendlich glaube ich aber, dass sehr viele Menschen bereit werden, etwas mehr zu zahlen, wenn sie dafür wüssten, dass die jeweilige Organisation vertrauensvoll ist.

    Ganz spontan: Eine Organisation für die Prüfung und Zertifizierung von Organisationen wär vielleicht mal ne Überlegung wert.

    Also quasi eine Stelle, die Organisationen anhand klarer und transparenter Leitlinien prüft und dann ein Siegel an Organisationen vergibt, die diese Leitlinien erfüllen. Das wäre zumindest ein guter Anhaltspunkt für potentielle Käufer, dass mal jemand "drüber geschaut" hat.

    Die Teilnahme der Organisationen kann dann ja immer noch auf freiwilliger Basis erfolgen, aber gerade die Organisationen, die sich wirklich Mühe geben und gute Arbeit leisten, würden davon ja eigentlich nur profitieren.

    Ich glaube, es ist tatsächlich ein Problem, dass viele Leute einen einfachen Hund ohne Baustellen wollen, dem man höchstens ein paar Kommandos beibringen muss, und das liefern halt die allerwenigsten TS-Hunde (zumindest, die ich kenne).

    Wobei sich da bei mir wieder der Kreis zum "den richtigen Hund finden" schließt. Selbst die Leute, die grundsätzlich bereit sind, einen Hund mit Baustellen aufzunehmen, sind ja in der Regel nicht für jede x-beliebige Baustelle offen. Ich wäre zum Beispiel durchaus bereit, irgendwann wieder einen Hund mit Baustellen aus dem (inländischen) Tierschutz aufzunehmen - wenn es ein "perfect match" ist, der Hund meinen Anforderungen und Wünschen entspricht und ich mit genau den Baustellen kann. Weil es bringt doch nichts, einfach nur irgendeinen Hund mit Baustellen aus dem TS aufzunehmen, der gar nicht zu mir passt, nur weil ich grundsätzlich offen für Hunde mit Baustellen bin. Damit werden weder Hund noch ich glücklich und das ist in meinen Augen dann auch am Tierschutz-Gedanken vorbei.

    Nur, find mal eine junge, gesunde, selbstbewusste, arbeitswillige, aktive und mit Rüden verträgliche Hündin zwischen 15 und 35 Kilo, die von mir aus ne Leinenaggression, ein starkes Territorialverhalten, Probleme mit fremden Menschen oder Schwierigkeiten mit Frustrationstoleranz und Impulskontrolle, aber bitte auf gar keinen Fall ne Ressourcenaggression, Probleme beim Alleinbleiben oder einen starken Jagdtrieb hat. Das gleich halt tatsächlich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen und ich glaube, da würde ein zentrales Vermittlungs-System die Suche enorm erleichtern. Weil ich bin mir sicher, solche Hündinnen gibt es irgendwo, aber sie zu finden ist halt enorm schwierig.

    Allerdings sehe ich schon auch, dass so ein zentrales System quasi nicht umsetzbar ist.

    Wie genau verhindert man denn, dass Welpe hängenbleibt, auf die Leine tritt oder ein Bein in eine Schlaufe gerät?


    Also ganz ernst gemeint. Das Halsband ist da echt meine geringste Sorge.

    Wenn du sie immer in der Luft gespannt hältst und rechtzeitig nachfasst, sollte das eigentlich nicht passieren. Dann ist es quasi wie ne Flexi, die verhakt sich ja auch nicht. Man muss halt teils echt schnell mit dem Nachfassen sein, aber das ist Übungssache.

    Wobei ich aus genau dem Grund recht schnell auf die richtige Flexi umgestiegen bin. Das ständige Nachfassen war mir mit der Zeit einfach zu doof. Und der Hund wurde trotzdem wunderbar leinenführig.

    Man muss einfach unterscheiden zwischen seriösem Auslandstierschutz, unseriösem Auslandstierschutz und innerdeutschem Tierschutz (= Tierheimen).

    Ja, die deutschen Tierheime sind überlastet und ja, da trägt der Auslandstierschutz seinen Teil dazu bei. Es sind viele Auslandshunde als Dauerinsassen im Tierheim.

    Aber in der Regel sind das gerade nicht die Auslandshunde, die das Tierheim selbst (über die enge Kooperation mit einem seriösen TS-Verein) importiert hat, sondern die Auslandshunde, die von einer unseriösen Orga an überforderte Privatpersonen vermittelt wurden. Dass ein deutsches Tierheim über eine kompetente und seriöse Organisation gut vermittelbare Auslandshunde importiert, hat doch nichts damit zu tun, dass unseriöse Organisationen für einen Anstieg der Dauerinsassen im Tierheim sorgen.

    Dann sollte man aber auch so ehrlich sein, und dazu stehen, dass man Hundehandel betreibt, um Geld einzunehmen.

    ... dass man Hundhandel betreiben muss, um Geld einzunehmen, das man für die Versorgung anderer Tiere dringend benötigt. Ich kenne zumindest kein TH, dass sich den Stress mit Auslandskooperationen antun würde, wenn die finanzielle Lage nicht so prekär wäre. Weil Arbeit haben die meisten TH ja sowieso schon mehr als genug.

    Letztlich frage ich mich (ich kanns nicht beweisen) ob es da nicht genauso mal eben extra produzierten Welpen gibt, wie der Vermehrerwurf aus Deutschland...

    Da die TH, die ich kenne, nur Auslandshunde von langjährigen und gut bekannten Kooperationspartnern aufnehmen, schätze ich diese Chance als sehr gering ein. Die wenden sich ja nicht an irgendeine x-beliebige Auslandsorga, um deren Hunde zu übernehmen.

    Evtl wäre es Vernünftig die ehemaligen Besitzer da in die Pflicht zu nehmen. Da kommt nun sicher, dann setzen sie die Hunde aus, dem könnte man mit der erwähnten Registrierungspflicht entgegen wirken. [...]

    Das alles würde auch weiter dazu führen das Menschen sich vor der Anschaffung Gedanken machen.

    Das Traurige ist, dass solche Maßnahmen wohl viel eher dazu führen würden, dass die Tiere frühzeitig eingeschläfert oder anderweitig entsorgt werden. Wer nicht zahlen will, findet andere Wege.

    Zumal erschreckend viele Besitzer es sich tatsächlich nicht leisten können, das nötige Geld für eine Behandlung aufzubringen, und dann wird's schon schwierig mit dem in-die-Pflicht-nehmen.

    Die Liste kann ich gefühlt bis in die Unendlichkeit fortsetzen. Und das alles bei Leuten die ich kenne!

    Sorry mein Mitgefühl für die überfüllten Tierheime hält sich ziemlich in Grenzen!

    Ich würde von einem TH, das übertriebene Vermittlungskriterien hat, nicht auf alle schließen.

    In der Regel arbeiten im TH Menschen, denen das Wohl ihrer Tiere wirklich wichtig ist und die jedem einzelnen ihrer Schützlinge ein tolles neues Zuhause wünschen. Weil wenn man den Job nicht aus Tierliebe macht, dann macht man ihn nicht lange.

    Aber es ist natürlich ein Unterschied, für was für einen Hund ich mich interessiere. Wenn ich einen netten, kleinen Begleithund will, hab ich mit z.B. 5 Stunden täglich außer Haus eher schlechte Karten, weil es unter den vielen Bewerbern sicher einen gibt, der (noch) bessere Voraussetzungen bietet. Interessiere ich mich aber für einen Langzeitinsassen mit diversen Beißvorfällen, habe die entsprechende Erfahrung und ein passendes Lebensumfeld für so einen Hund, dann wird es demselben TH wohl eher schnurzpiepegal sein, dass der Hund täglich 5 Stunden allein sein muss - weil sie froh sind, dass überhaupt jemand Kompetentes bereit ist, sich diesem Hund anzunehmen.