Beiträge von Schäferterrier

    Er lässt sich sein ganzes Leben schon super ins Körbchen schicken. Kommt dann aber kein Leckerchen innerhalb kurzer Zeit, geht er halt wieder raus 🙄 natürlich fliegen Leckerchen rein in kurzen Abständen. Aber mehr als eine Minute schafft er nicht.

    Er hat schon immer Bausellen. Aber vor unserem Sohn hat er sich gut mit Hausleine zur Räson bringen lassen. War eine Tür zu, hat er vielleicht 1 Minute gebellt und sich dann gefügt und hingelegt.

    Das klingt für mich ehrlich gesagt nicht nach „lief vorher (mit kleineren Baustellen) ganz gut“, sondern mehr so, als wäre da schon immer einiges schief gelaufen.

    Wenn ein Hund es mit +10 Jahren nicht schafft, eine Platzzuweisung länger als eine Minute zu akzeptieren, er regelmäßig mit einer Hausleine zur Ruhe gebracht werden muss und wenn er allein gelassen wird, erstmal eine Minute Frust rausbellt, dann stimmt da meiner Meinung nach eh schon was ganz gewaltig nicht. Dass es für euch noch in einem Rahmen war, der gut zu managen war, bedeutet nicht, dass der Hund keinen irren Stress hatte.

    Und ja, natürlich hast du recht, das sind ganz rassetypische Themen und irgendwo muss man akzeptieren, dass ein Aussie nunmal kein Molosser ist. Aber das heißt nicht, dass man diese Themen in all ihren Auswüchsen akzeptieren muss.

    Ich hab hier zum Beispiel auch einen Hund sitzen, der Hibbeligkeit, Unruhe, schnelles Anschalten und Kontrollverhalten rassetypisch einfach mitbringt. Tendenziell sogar ne gute Schippe mehr als der typische Aussie. Hätte ich den gelassen, wie er wollte, und nur gemanaged, weils halt „rassetypisch“ ist, dann hätte ich jetzt ein hohldrehendes Minimonster zuhause. Aber auch der konnte (musste) lernen, dass daheim Ruhe und Entspannung angesagt ist und dass man die Kontrolle abgeben kann.

    Allerdings muss ich auch sagen: Ich habe da von kleinauf gegengearbeitet. Euer Hund ist nun schon 14 Jahre alt und konnte sein Verhalten lange etablieren. Ob und wie viel davon in absehbarer Zeit realistisch betrachtet tatsächlich noch aufzufangen ist, hm…

    Ich glaube, ich würde mir an eurer Stelle zumindest einmal einen wirklich kompetenten Trainer ins Haus holen und den um eine realistische Einschätzung bitten, was da mit welchem Aufwand noch machbar ist. Notfalls auch von weiter weg, geht ja erstmal nur um eine Einschätzung. Und dann wirklich mal überlegen, ob ihr das mit Baby und allem drum und dran leisten könnt und wollt. Und je nach Entwicklungsaussichten auch, ob es für den Hund überhaupt fair ist, ihn in dieser Situation zu belassen, oder ob es nicht besser wäre, ihm einen ruhig(er)en Lebensabend in einer Familie ohne Kinder zu gönnen.

    Konnte der Hund denn vor der Verhaltensänderung wirklich problemlos mit geschlossenen Türen und sowas umgehen? Oder wurde das nie wirklich trainiert/war nicht gebraucht/ging halt schon irgendwie und jetzt, wo ihr es braucht, wird es zum Problem und verschlimmert sich?

    Falls die Verhaltensänderung wirklich plötzlich kam, würde ich den Hund, falls nicht schon geschehen, als erstes mal rundum medizinisch durchchecken. Also mit Blutbild und allem drum und dran. Unruhe und eine niedrige Frustrationstoleranz kann neben Schmerzen ja auch durch ganz viele andere Krankheiten entstehen.

    Schilddrüse fällt mir da so spontan ein, gerade bei nem älteren Hund.
    Oder Allergien. Häufig sind da Nahrungsmittel der Übeltäter, aber wie beim Mensch können es z.B. auch Umweltallergien (Pollen, Milben etc.) sein. Oder eine Kombination aus beidem. Auch Duftstoffe, ein neues Waschmittel und so können da Auslöser sein.

    Wenn für ein Schilddrüsenprofil eh Blut abgenommen wird, dann lohnt es sich meiner Meinung nach, zumindest mal nen Bluttest auf Allergien mitzumachen.

    Darüber hinaus schließe ich mich den anderen an: Tagesprogramm runterfahren, Regeln & Grenzen zum Umgang mit Hund & Baby aufstellen, auch mal zeitweise mit einer Platzzuweisung arbeiten, wenn er nicht zur Ruhe kommt, ist bestimmt nicht verkehrt.

    Ich glaube, hier herrscht ein kleiner Irrglaube, deshalb als allererstes: Dass etwas funktioniert, heißt nicht automatisch, dass es auch gut ist.

    Das, was ihr da gerade praktiziert, ist keine Erziehung, sondern das Vermeiden von Erziehung. Klar funktioniert das (erstmal) - aber der Hund lernt halt nichts dabei.

    Erziehung ist anstrengend, Erziehung dauert und ist nichts, was der Hund von heute auf morgen lernt. Aber es ist wichtig!

    Weißt du, ich kenne aus dem Tierschutz so Labradore, die nie wirklich erzogen wurden. Die werden gerne mit 1,5 bis 2 Jahren abgegeben, wenn die Pubertät so richtig einschlägt und da nichts ist, auf das man erzieherisch wirklich zurückgreifen kann, um das abzufedern. Und das ist gerade beim Labbi, auch wenn der gerne mal als „super einfach“ verschrien wird, ein ganz großes Problem. Denn ja, die Rasse neigt meiner Erfahrung nach aufgrund der eingebauten Distanzlosigkeit tatsächlich dazu, körperliche Korrekturen nicht gut anzunehmen. Und das ist, je älter der Hund wird, immer problematischer.

    Gerade wenn ich Dilute-Gen lese, frage ich mich außerdem, wie die tatsächlichen Aufzuchtbedingungen der Welpen waren. Da wird bei Besuchen viel vorgegaukelt. Gerade wenn der Hund in eurem normalen Lebensumfeld so gestresst und aufgedreht ist und gleichzeitig so gut zur Ruhe kommt, wenn er isoliert gehalten wird, drängt sich mir da der Verdacht auf, dass die Aufzucht hinter verschlossenen Türen ebenso isoliert erfolgt ist.

    In dem Fall wäre es nicht weiter verwunderlich, dass der Hund mehr Schwierigkeiten damit hat, zur Ruhe zu kommen, als der Durchschnittswelpe. Das auszubaden ist nochmal ne andere Nummer als bei einem Hund, der das häusliche Leben mit all seinen Reizen schon kennt. Aber genau dann wäre es umso wichtiger, den Kleinen jetzt sofort so viel wie möglich an eurem Leben teilhaben zu lassen. Auch wenn es ihn erstmal stresst. Auch wenn es für euch erstmal super anstrengend ist. Aber die Erfahrungen, die er jetzt nicht macht, sind später noch viel schwieriger aufzuholen.

    Du steckst total in deinen Horror-Szenarien fest, das wollte ich dir mit dem zitieren deiner eigenen Aussagen zeigen.

    Das sind keine Horror-Szenarien, sondern die Realität. Gottseidank hat es immer „nur“ mich selbst erwischt, aber dabei soll es auch bitte bleiben.

    Gleichzeitig hast du hinterfragt, ob ich tatsächlich in der Lage bin eine Hundepersönlichkeit einzuschätzen, während du von deiner Fähigkeit dies zu tun ziemlich überzeugt bist.

    Ich bin von davon überzeugt, die Persönlichkeit meines Hundes einschätzen zu können. Du scheinst davon überzeugt zu sein, die Persönlichkeit fremder Hunde einschätzen zu können. Das ist ein markanter Unterschied.

    Ich sage, ich weiß aus Erfahrung, weil es tatsächlich schon zu mehreren Vorfällen kam, dass mein Hund nicht ohne ist - und du sagst, ohne den Hund oder mich zu kennen, dass ich in Horroszenarien feststecke, weil ich den Hund anständig sichere? Sorry, das finde ich wirklich mehr als schräg. Ich bin hier dann mal raus…

    Beantworte ich mit:

    Ich bin verwirrt. Verstehe ich dich komplett falsch oder meinst du tatsächlich, es wäre besser, meinen Hund mit dem Wissen, dass er unter bestimmten Umständen gefährlich für seine Umwelt wird, in Situationen, in denen eben diese Umstände jederzeit auftreten können, ungesichert zu lassen, weil „wird schon nichts passieren“? Weil der Hund seine Freiheiten leben soll?

    Das sehe ich komplett anders.

    Mein Hund hat täglich Freilauf, in der Regel ohne Maulkorb, im übersichtlichen und ländlichen Gebiet. Der darf seine Hundezeit haben und genießen, rennen, schwimmen, schnüffeln, spielen, Leckerlies jagen, mit Artgenossen raufen und so weiter. Das ist ein Privileg, das ich ihm weiterhin, so lange wie möglich, bieten möchte - und das kann ich nur sicherstellen, wenn ich ihn in engen oder städtischen Situationen prophylaktisch absichere.

    Ein Maulkorb bedeutet nicht nur Schutz für die Umwelt, sondern oft auch Freiheiten für den Hund.

    Klar kann man das nun gut oder schlecht finden, dass der Gesetzgeber da so einen Druck ausübt. Ich bin auch kein Fan von pauschalem „hat gebissen = Auflagen“, sondern wünsche mir in vielen Fällen mehr Verständnis dafür, dass ein Hund nunmal ein Hund ist und der naturgemäß auch mal beißen kann, ohne dass er gleich als „böse“ oder „gestört“ abgestempelt wird und lebenslange Leinen- und Maulkorbpflicht bekommt.

    Aber eine Lockerung dieser starren Regelungen ist nur möglich, wenn die Leute flächendeckend verantwortungsbewusst genug werden, ihren Hund auch mal von sich aus proaktiv abzusichern. Solange immer noch genug Hunde herumlaufen, die mit deutlichen Vorzeichen (!) ungesichert beißen, schwer beschädigen oder gar töten, werden die Rufe nach mehr Regeln und/oder einem Hundeführerschein immer lauter. Weil ja, wenn Hunde, bei denen bereits bekannt ist, dass sie gefährlich für die Umwelt werden können, nicht gesichert werden und dann zubeißen, dann sind die Halter in aller Regel nicht kompetent genug, um diesen Hund zu führen.

    Verstehe mich nicht falsch, Maulkörbe haben ihre Daseinsberechtigung, nichtsdestotrotz sehe ich so verdammt viele Maulkörbe in GANZ NORMALEN Situation, in denen nicht ein einziger Hund diesen "braucht". Nur, weil irgendein Mensch so disconnected ist von seiner Fähigkeit Stimmungen wahrzunehmen, und er deshalb regelrecht abhängig davon ist, zu wissen, dass der Hund vor ihm mit 100%iger Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage ist sein Maul so zu nutzen, wie es ihm möglich ist. Pure Angst ist das.

    Woher kommt denn deine Einschätzung, ob ein bestimmter Hund in einer bestimmten Situation einen Maulkorb braucht oder nicht?

    Mein Hund trägt auch in scheinbar „ganz normalen“ Situationen oft Maulkorb, obwohl er mit der Situation an sich gar kein Problem hat. Wenn man das sieht, könnte man auch denken, ich sei ne panikgetriebene Übermutti. Was man halt nicht sieht, ist, dass der Hund, wenn er sich plötzlich verletzt und Schmerzen hat, wahllos auf alles losgeht, was ihm zu nahe kommt. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern erlebte Tatsache.

    Nun könnte man es natürlich als irrationale Angst bezeichnen, diesem Hund nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass er sich trotz aller Vorsicht die Rute einklemmt, ne Scherbe eintritt oder ne Kralle einreißt und dann grad jemand blöd daneben steht prophylaktisch nen Maulkorb anzuziehen. Ich nenne es eher ein gesundes Verantwortungsbewusstsein.

    Zumal mein Hund sich keineswegs „mit so einem dämlichen Maulkorb begnügen“ muss, der zieht den sogar sehr gern an. Netter Nebeneffekt von gutem Medical Training, dass er sich mit Maulkorb in der Regel sicherer fühlt als ohne.

    Ich finde es sogar ziemlich gut, dass immer mehr Maulkorb-Hunde unterwegs sind und der Maulkorb somit zunehmend entstigmatisiert wird. Würde jeder Hund, der einen Maulkorb bräuchte, auch einen tragen, wären die Forderungen nach strengeren Regulierungen und nem Hundeführerschein wahrscheinlich deutlich leiser.

    Woher hat der Züchter die Glaskugel, um "wesensfest" im Bezug auf Nervenstärke in jeder Trieb- und Lebenslage für das gesamte spätere Hundeleben zu sehen?

    Nervenstärke wird in erster Linie von den Aktivitäten im präfrontalen Cortex des Hundes geprägt.

    Eine Grundstruktur wird da im Wesentlichen schon angeboren, heißt Vererbung spielt eine ganz zentrale Rolle. Wenn beide Elterntiere da gut aufgestellt sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Nachkommen eine ebenso gut aufgebaute Grundstruktur erben.

    Großen Einfluss hat dann natürlich auch noch die erste Zeit beim Züchter, weil sich da das Hirn in großen Teilen vernetzt. Wenn da die passenden Erfahrungen gemacht werden, kann sich die geerbte Grundstruktur weiter positiv entwickeln.

    Natürlich ist das Gehirn bis zum Ende der Junghundphase trotzdem noch nicht „fertig“ und bei mieser Haltung kann noch einiges vergeigt werden, aber die wichtigsten Grundsteine werden trotzdem durch Genetik und die erste Zeit beim Züchter gelegt. Wenn der Hund da eine solide Grundstruktur des präfrontalen Cortex erworben hat, ist die halt da. Wenn die von Anfang an marode ist, kann man da, egal wie fleißig man dran arbeitet, nicht wirklich drauf aufbauen.

    In diesem Sinne kann ein Züchter durch eine entsprechende Auswahl der Elterntiere und gute Haltungs- und Aufzuchtbedingungen in erheblichem Maß beeinflussen, wie nervenstark seine Welpen werden. Eine Garantie gibts natürlich trotzdem nicht, aber die gibts bei Tieren ja nie, das sollte jedem klar sein.

    Dann gibts also keine wesensfesten Mischlinge?

    Naja, für mich ist „wesensfest“ tatsächlich auch ein typischer Begriff aus der Zucht.

    Nicht, weil Mischlinge pauschal nicht wesensfest sein können, sondern weil ich es super schwierig zu beurteilen finde, ob ein Mischling nun wesensfest ist oder nicht - eben weil Wesensfestigkeit je nach Hundetyp und Rasseanteilen für mich ganz unterschiedlich aussehen kann.

    Gerade bei Hunden mit unbekannten Elterntieren: Wie soll ich da beurteilen, ob der Hund tatsächlich überdurchschnittlich temperamentvoll und kernig ist oder einfach „nur“ ein ganz normaler Terrier-Mix? Wie soll ich wissen, ob der Hund tatsächlich ungewöhnlich reizoffen und sensibel ist oder „nur“ ein ganz durchschnittlicher Hüte-Spezialist?

    Klar, wenn die Elterntiere bekannt sind und die jeweiligen Rassen nicht allzu weit voneinander entfernt sind, kann man das etwas besser beurteilen. Aber bei vielen Mischlingen fehlt dieser Referenzwert, welches Verhalten erwartbar ist, eben.

    Wobei ich auch nicht finde, dass man jedem Hund unbedingt Wesensfestigkeit zuschreiben muss, damit es ein toller Hund ist. Ein Mali-Border-Mix, der total stoisch durch die Weltgeschichte schlappt, mit nichts und niemandem ein Problem hat, die Gelassenheit von nem HSH an den Tag legt und alles mit sich machen lässt, ist meiner Meinung nach absolut nicht wesensfest, sondern völlig aus der Norm - und trotzdem kann’s für viele Leute ein toller Hund sein.