So ganz generell zu den fehlenden Erfahrungen und dazu, einen Zweithund zu einem kranken Ersthund, der das nicht kennt und jetzt gerade eben ordentlich traumatisiert wurde, sowohl körperlich, als auch psychisch:
Sammle erstmal Erfahrungen mit vielen verschiedenen Hunden. Das kann wie schon geschrieben das Kennenlernen und Einholen von Informationen über Rassen sein, Gassigänger im Tierheim - es gibt da wirklich viele Möglichkeiten. Da wird gerne mit den Augen gerollt und infrage gestellt, wer denn so ein Bohei macht. Aber es geht um Lebewesen. Es geht darum, möglichst ein Hundeleben lang zusammenzupassen. Dafür ist es eben nicht zu viel verlangt, sich vorher umfassend damit zu beschäftigen, damit man nicht direkt die nächste Bruchlandung hinlegt und es wieder andere ausbaden lässt.
Lad dir immer mal Besuch mit Hunden ein. Damit Lily und deine Katze sich daran gewöhnen können, dass es nicht jedes Mal in Todesangst endet. Geh mit anderen Hundehaltern spazieren. Betreu mal Hunde von anderen für ein paar Stunden oder Tage. Damit du auch siehst, wie sich das wirklich im Alltag mit zwei Hunden gestaltet. Hundeerfahrung sammeln ohne eigenen Hund ist möglich. Man muss es nur wollen.
Rassewahl sollte jetzt aktuell noch überhaupt nicht auf deiner Liste stehen. Da gibt es zig wichtigere Schritte vorher. Zum Beispiel die Betreuung. Was machst du, wenn deine Oma mal ausfällt? Hast du dann Ersatz, der sofort kann? Was kannst du wirklich leisten? Mit welchem Typ Hund kommst du wirklich klar? Wer passt so richtig wirklich in euer Leben? Womit kannst du leben? Womit nicht?
Das kristallisiert sich nicht durch Bilder und Videos anschauen oder das Lesen von Beschreibungen heraus. Die Dinger klingen eh immer wieder Werbetexte.
Das findest du nur beim praktischen Kennenlernen und Erfahrungen sammeln raus.
Ich hatte zum Beispiel erst letztes Jahr eine sehr junge Frau: Hund war schon immer ihr Traum. Eltern haben es nicht erlaubt. Also sollte schnellstmöglich einer einziehen. Nur welcher? Hat von mir einen bekommen, holt sich dieses Jahr den Zweiten dazu. Die hat sich aber auch gedreht und gewendet, hat mit offenen Karten gespielt und ehrlich gesagt: Das biete ich, das will ich, da fehlt es mir, Erfahrungen hab ich nicht. Die hat sie im Crash-Kurs bekommen. Unter anderem auf dem Hundeplatz. Wo sie feststellte, dass die Hunde, die ihr optisch und von der Beschreibung gefallen, zu 0,0 Prozent zu ihr passen. Dieses Live-Erleben braucht es ganz oft einfach, damit man die langfristig passende Entscheidung trifft.