Ich hoffe es ist okay wenn ich ein bisschen drauf antworte aber du stellst hier genau die gleichen Fragen die ich damals im Kopf hatte als ich das positive Training noch für totalen Schwachsinn hielt :)
Das ist NUR meine Erfahrung mit meinem Begleithund deshalb schreib ich vorsichtshalber mal OT dazu da es hier ja generell um ne antwort zum pos Training geht
Was tust du, wenn dein Hund weder verfressen (Kekse) noch verspielt(Spiele) und dazu mega eigenständig (kommt ohne dich klar) ist?
Ruby ist so ein Typ. Mega selbstbewusst, mega eigenständig, die würde am Liebsten ohne mich Gassi gehen. Also arbeite ich mit viel Bedürfnisbefriedigung und werde mit Kooperation belohnt wenns drauf ankommt.
Es gibt mehr Belohnungen als Spieli und Leckerli :) für Ruby zb sind das Umweltbelohnungen (schnüffeln, glotzen,...)
Das ist so ein Ding mit dem ich täglich konfrontiert werde, weil halt pos Training ständig immer nur mit "wir werfen fröhlich Kekse" gleichgesetzt wird. Aber es ist in meinen Augen vieeel komplexer (und ich hätte diese Art des Trainings nie kennengelernt wenn Strafe bei meinem Hund je zu irgendwas geführt hätte...)
Man kann einem Hund übrigens auch beibringen/drauf konditionierem draußen Kekse toll zu finden, gibt ja auch Hunde die haben zu Beginn kein Bock auf UO oder oder, da arbeitet man dann zuerst mal an der Motivation.
ist es egoistisch einen Jagdhund der jagen will in das Weltbild als reinen Familienhund zu quetschen und ihm das jagen zu verbieten?
Definitiv, Bedürfnisbefriedigung ist ein großer Faktor im R+ Training (nein das heißt natürlich nicht dass ich meinen Hund einfach so Rehe hetzen lasse und dass gewisse Jagdhundrassen nur in Jägerhände gehören ist ja eh klar)
Ich meine letztendlich sind wir uns wohl alle einig, dass Hunde genauso Individuen sind
Ja, aber die Lerngesetze gelten für alle Säugetierhirne gleich
das es da immer theoretisch anders ginge wenn man sich nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse beruft aber keinerlei praktische Erfahrungen mit der Materie hat und es deshalb schlicht nicht beurteilen kann.
Da muss ich kurz einwerfen: absolute Zustimmung! Da maße ich mir gar nix an. Deshalb versuche ich mich hier weitestgehend rauszuhalten und möchte nur mit den gängigen Vorurteilen übers pos Training etwas aufklären, da ich eben früher ganz genauso dachte.
Ja Pustekuchen!!! Die Hündin hatte gar keine Jagdabsicht. Sie hat die Verhaltenskette
Aber das ist doch kein Argument gegen das positive Training ☺️ sondern einfach ein faszinierendes Beispiel wie verdammt gut es funktioniert und worauf mal als Mensch dabei achten muss:)
Ich hatte letztens n ganzes Seminar zu dem Thema, da ging es darum dass alles was verstärkt wird auch das vorangegangene Verhalten mitverstärkt. Auch beim Shapen zb, der Hund lernt die "Fehler" natürlich immer mit. Deshalb ist Luring manchmal gar nicht so unsinnig.
Wirklich total spannend das ganze, und viel mehr als stumpf Leckerli in den Hund rein.
Beim Rückruf bspw würden wir das "aufladen" nennen. Also den Rückruf dann nutzen wenn der Hund eh grad herkommt (wie beim Welpen), dadurch verstärke ich das vorangegangene Geschehen. Nicht immer nur einsetzen wenn der Hund gerade unerwünschtes Verhalten zeigt, und wenn es mal sein musste (Rückruf bei Jagdverhalten bspw) danach wieder "aufladen".
Dass das alles immer wie ausm Lehrbuch im realen Leben funktioniert, nein, aber es ist total hilfreich sich mit den Mechanismen vertraut zu machen. Wie lernen Hunde? Was passiert da eigentlich genau im Hirn? Wie entstehen (unerwünschte) Verhaltensketten und wie kann ich das vermeiden?
Übrigens können beim Strafen genauso Fehlverknüpfung entstehen und das halte ich bei manchen Hundetypen für viel fataler ... dessen sollte man sich einfach bewusst sein.