Ich kannte die Rasse bis vor 6 Jahren (leider) überhaupt nicht. Ich bin auf der Suche nach einem aktiven Familienhund im Netz auf die Kooiker gestoßen. Wir wollten keinen 30 kg-Hund und keinen unter Kniehöhe, dazu sollte er langhaarig sein, aber keinen Plüsch haben und nach Möglichkeit Schlapp- oder Kippohren. Und ja - ich gebe es zu - wir haben durchaus auch (nicht nur) nach der Optik ausgesucht. Wenn ich mir einen Hund anschaffe, möchte ich auch einen, der mir gefällt. Und dann beim Surfen und Suchen auf den Holländer gestoßen. Optik genau unser Beuteschema, Rassebeschreibungen studiert und auch diese haben sich für uns toll angehört. Wir sind viel draußen in der Natur unterwegs und wollten einen bewegungsfreudigen Begleiter. Dazu 12 – 14 kg, tolles Gewicht, auch für die (großen) Kinder gut händelbar.
Dann wollten wir die Hunde live kennenlernen, also Züchter besucht. Einen Nachmittag mit der Familie dort verbracht und uns von allen Kooikern dort verzaubern lassen. Wir konnten alle Fragen loswerden und es hat sich bestätigt, dass das unser Hund wird. Die Hunde – ein Rüde und mehrere Hündinnen – waren ein Traum. Entspannt, fröhlich, uns Fremden gegenüber offen, freundlich und zutraulich (nicht kooikertypisch, aber sie waren viel Besuch einfach gewöhnt), überhaupt kein bisschen unsicher oder skeptisch.
Na ja, so kam es, dass ein paar Monate später unser Rüde hier einzog. Er war von Anfang an unkompliziert, es hat alles innerhalb kürzester Zeit geklappt, er hat sehr schnell gelernt, war leicht zu erziehen. Stubenreinheit, Alleinebleiben, usw. alles kein Problem. Er hat eine unfassbare Bewegungs- und Unternehmungsfreude und begleitet und bei fast allen Freizeitaktivitäten. Eigentlich ist er tatsächlich so wie es in den Rassebeschreibungen steht. Er ist sehr eng mit der Familie, aber legt nicht viel Wert auf Fremde. Mit Menschen, die er etwas genauer kennt oder öfters gesehen hat, freundet er sich durchaus an. Leckerlis können das schon etwas beschleunigen.
Er ist sehr intelligent, lernt gerne und schnell und braucht entsprechend auch geistige Auslastung. Er läuft viel frei und hat kaum Jagdtrieb.
Mit anderen Hunden ist er unkompliziert und hat auch gerne Kontakt. Davon ausgenommen sind intakte Rüden. Die braucht er nicht in seiner Nähe. Das ist unser einziges „Problem“. Wobei das eigentlich keins ist, da gut händelbar für uns. Mit etwas Management können wir durchaus auch gemeinsam laufen gehen.
Fremden Personen gegenüber wurde er in den letzten Monaten etwas offener, wobei ich schon darauf achte, dass er nicht ungefragt angegrapscht wird. Wie gesagt, er ist oft mit uns unterwegs. Biergarten, Wandern, mal in der Innenstadt, im Urlaub…. Nach der Coronapause war das nicht ganz so entspannt, da hatte er wohl zu lange zu wenige Leute um sich und musste sich erst wieder etwas daran gewöhnen. Es ist nicht so, dass er aggressiv geworden ist, aber er hat sich in manchen Situationen sichtlich unwohl gefühlt, die inzwischen kein Problem mehr für ihn sind.
Dennoch trägt er zur Sicherheit und zu meiner eigenen Entspannung in engen, trubeligen Situationen einen Maulkorb (der eigentlich nicht mehr notwendig wäre), einfach weil wir so auf der sicheren Seite sind, v. a. auch wenn kleine Kinder um ihm rumspringen (aber auch das kann er inzwischen besser aushalten als noch vor ein paar Monaten). Wenn es ihm irgendwo zu eng wird, weicht er aus, er ist noch nie nach vorne gegangen. Solche Situationen sind in unserem Alltag sehr selten und schränken uns deshalb in keinster Weise ein.
Ich würde den Kooiker nicht unbedingt für kleinere Kinder und für einen Alltag mit viel Trubel empfehlen. Aber ansonsten sind es tolle Begleiter, die jedoch bewegt und beschäftigt werden wollen.
Ich kann die negativen Erfahrungen in diesem und dem anderen Kooikerthread nicht bestätigen. Ich kenne eine Handvoll weitere Kooiker, die alle unkompliziert sind, auch die Rüden.
Zum Zuchtgeschehen kann ich nichts sagen, damit kenne ich mich nicht aus. Wir haben zwei Züchter und deren Hunde persönlich kennengelernt, die beide schon sehr lange züchten. Die Hunde waren durch und durch wesensfest. Vielleicht liegt es daran, dass diese Züchter jahrelange Erfahrung haben und wissen, was sie tun. Ich würde von beiden jederzeit wieder einen Hund nehmen.
Im Hundeboom in der Coronazeit wurden viele neue Zuchtstätten gegründet, die auf den Welpenhype angesprungen sind, das tut der Zucht nicht so gut. Wie gesagt, das kann ich nicht gut beurteilen und auch nicht, wie die Zucht in der Vergangenheit ausgesehen hat.
Ich würde mir nur wünschen, dass sich die Kooikerzucht so entwickelt, dass ich in zehn Jahren wieder so einen Rüden erwische, wie ich ihn jetzt habe.
Hoffentlich sind meine beiden Züchter (Kennenlernzüchter und Züchter, wo wir den Hund her haben) dann noch aktiv. Ich liebe diese Hunde. Und seit ich die höfliche Distanziertheit der Kooiker kenne, mag ich das „trampelige“ (nicht böse gemeint) und distanzlose Verhalten vieler anderer Hunde überhaupt nicht mehr….
So, das war jetzt mein Kooikerbericht. Es kann ja nicht nur negative Berichte geben. 