Jetzt hatte ich also Kaya. Sie war eigentlich ein sehr unkomplizierter Welpe, schnell stubenrein, alleine bleiben klappte auch gut, Zertörungswut blieb im welpen- und junghundtypischen Rahmen und dass die Katze zu Hause in Ruhe gelassen wird, hat sie auch schnell kapiert. Ruhe halten konnte sie auch drinnen, obwohl sie draussen sehr aktiv war. Nach Forumsstandard habe ich von Anfang an recht viel mit ihr gemacht, mindestens 2- 3 Stunden täglich draussen, von klein an mit auf den Hof zur Schwester usw, weshalb sie auch Autofahren recht schnell lernen mussste. Klar, war sie da manchmal auch ein bisschen drüber, aber da ich allein lebe, war zu Hause wirklich viel Ruhe.
Aber es hat m. E. wirklich etwa zwei Jahre gedauert, bis wir so richtig miteinander warm geworden sind. Unbewusst hab ich sie sicher oft mit meiner Schäferhündin verglichen, die ein Ausbund an Gehorsam war. Die habe habe ich aber auch noch eher nach den alten Methoden erzogen, auch mittels knackigen Korrekturen (Jacky bekam ich 1995 und sie hat bis Anfang 2008 gelebt, Kaya kam im Juli 2017 zu mir). Jedenfalls haben die Methoden, die bei Jacky gut funktioniert haben, bei Kaya eher dazu geführt, dass sie verweigert und dicht gemacht hat. Sie konnte mit zu viel Härte und Druck nicht umgehen. Ich bin schon ein Mensch, der keine Scheu hat, deutlich zu werden, aber bei Kaya musste ich lernen, ganz viel Druck rauszunehmen, aber ohne inkonsequent zu werden. Ich musste leiser werden in der Kommunikation, Kompromisse machen, damit der Hund mir zuhört. Das war schwer für mich am Anfang, aber dass nie der Hund Schuld ist, wenn es nicht funktioniert, haben mir schon als Jugendliche die alten Schäferhundler beigebracht.
Kaya und ich haben mittlerweile eine solide Basis gefunden und es klappt richtig gut zwischen uns und ich liebe sie auch sehr, aber sie ist nicht der ideale Typ Hund für mich. Ich kann mittlerweile über ihre Ideen lachen und wenn sie keinen Bock hat und kreativ wird, statt einfach zu machen, was man sagt und was sie eigentlich kann, dann ist es halt so. Es geht ja um nix.
Sie steht jetzt schon gut im Gehorsam und ich habe das Gefühl, ich kann mich meistens auf sie verlassen und im Grunde ist sie auch ein echt lieber und braver Hund, aber ich weiss nicht, ob ich der Rasse treu bleiben werde.
Ich denke, vom Typ her passt der Dsh nach wie vor besser zu mir.
Aber andererseits hat Kaya so viele wahnsinnig gute Seiten: sie ist mit allem und jedem Hund verträglich, sie liebt die Kinder meiner Schwester abgöttisch, ihr Aggrssionspotential ggü. Menschen liegt nahe Null, sie sieht knuffig aus und fast niemand hat Angst vor ihr, sie kann genial apportieren, wenn sie will, sie findet alles, was ich ihr verstecke und bringt es zuverlässig, sie kuschelt gern mit mir am Sofa und wärmt mir im Winter die linke Seite und sie kann überall mit hin, ohne negativ aufzufallen. Ausserdem liebt sie Wandern und Schwimmen, womit sie gut zum Rest der Familie passt.
Ich finde schon, dass Flats tolle Hunde sind, aber man muss ein bisschen für sie gemacht sein. Ich musste mich anstrengen, damit es mit uns so klappt, wie ich mir das Zusammenleben mit meinem Hund vorstelle, ohne Kaya zu verbiegen. Es hat gefühlt viel länger gedauert als mit einem Dsh und ich empfand es zeitenweise als sehr herausfordernd. Aber ich glaube, ich habe nochmal viel gelernt über Geduld und Motivation und Druck rausnehmen, was mich insgesamt zu einem besseren HH macht ( hoffe ich zumindest).
So, das war ein langer Sermon und ich muss jetzt los. Kaya und ich sind zum Kinderhüten bei meiner Schwester eingeteilt. ![]()