Beiträge von KayaFlat

    Doch, man kann Unterschiede akzeptieren, muss man sogar. Da hast du einerseits recht, aber andererseits versteh ich es wirklich nicht. Und dann frage ich nach. Und vielleicht stellt dann der eine oder die andere was infrage. Das nennt man Austausch oder auch Diskussion. Ich finde das spannend. Und ja, auch dann oder vielleicht besonders dann, wenn ich meine eigene Meinung dann hinterfrage und ggf. revidiere.

    Etwas Offtopic, sorry. Das nächste Mal pack ichs in nen Spoiler.

    Finde ihn auch noch recht normal.

    Remus, er ist allerdings Freigänger, hat ne Winter- und ne Sommerfigur.

    Im Winter Rollmops und im Sommer eher Hering. Aber das liegt hier am total unterschiedlichen Aktivitätslevel

    Der hockt zur Zeit nur im Haus und pennt.

    Dazu muss nichts falsch laufen. Es gibt halt nun mal Hunde mit Sozialisationsschäden wie meine Lilly, da reichen ein paar ungewohnte Begebenheiten beim Spaziergang aus, um die Nerven zum Flattern zu bringen. Und der Deprivationsschaden ist nun mal da, man kann viel um ihn herumbauen, aber weg kriegt man ihn nicht. Und sie ist trotzdem ganz unzweifelhaft ein Hund. Ein großartiger Hund noch dazu, denn was sie aus ihren Startvoraussetzungen gemacht hat, das ist zum Niederknieen.

    Es gibt Hunde, die sind so darauf spezialisiert, auf Reize mit schneller, heftiger Reaktion zu antworten, dass ein „entspanntes“ Spazierengehen für sie ein deutlich erhöhtes Maß an Impulskontrolle erfordert. Die das trotzdem schaffen, aber die das anstrengt. Und die dafür eine Kompensation brauchen.

    Und es gibt Hunde, die sich dabei gähnend langweilen. Die sich dann reinsteigern, sich anderes Zeug zu suchen, das sie machen können.

    Ich würde Hund mit Deprvationsschäden da auch explizit ausnehmen. Das sind keine "normalen" Hunde, sondern Hunde mit Defiziten in der Reizverarbeitung im Gehirn (was du ja 100x besser weisst als ich).

    Aber du sagst doch selbst, dass durch die Natur eumeln Lilly nicht kirre macht, oder?

    Wie das mit den sehr spezialisierten Arbeitshunden (ich denke da an den Border) ist, kann ich schwer beurteilen. Ich weiss nur, dass ich mich damals auch deshalb gegen die jährige Borderhündin entschieden habe, weil mich dieses extreme angeknipst sein auf einem stinknormalen Spaziergang in der Pampa sehr angestrengt hat. Ich war mit ihr ca. 3 Wochen lang 3- 4x die Woche unterwegs, ehe ich definitiv entschieden habe, dass ich mit diesem Hund nicht zusammenkomme. Und sie war grundsätzlich eine hübsche und liebe Hündin, die auch alles richtig machen wollte.

    Ich finde schon, dass es etwas über das Nervenkostüm des Hundes aussagt, wenn ein erwachsener gesunder Hund nicht normal entspannte 1-2 Std durch die Gegend laufen kann oder danach völlig überreizt ist und zu Verhaltensauffälligkeiten neigt. Das wäre für mich kein Hund, wenn man da täglich an Stellschräubchen drehen und auf jeden Reiz achten muss, damit man ihn nicht schädigt.

    Das ist es, was mir auch nicht so recht in den Kopf will.

    Klar ist der Hund unterwegs auch mal auf einem höheren Level, wenn er z.B. auf eine interessante Wildspur stösst oder auch mal angenervt und gestresst von einer Hundebegegnung, aber das reguliert sich im Weitergehen wieder runter. Da braucht der doch nicht alle Nerven auf und ist so überdreht, dass er zu Hause nicht runter kommt. So reizoffen kann ein Hund doch gar nicht sein, dass er das unterwegs sein in der Natur nicht aushält.

    Ich frag mich da insgeheim schon immer, was da falsch läuft.

    Meine Erfahrung deckt sich damit überhaupt nicht.

    Das ist super (wirklich), bringt aber Leuten nix, bei denen es anders


    Meine Hunde werden nicht ueber Spaziergaenge ausgelastet. Spaziergaenge sind hier langweilig. Die Hunde duesen und spielen mal, ansonsten wird geschlendert und rumgeschnueffelt. Mehr passiert hier nicht.

    Du hast deine Hunde ja auch sehr bewusst gewählt, um Hundesport zu machen.

    Klar, dass dein Focus auch bei der Auslastung auf Sportaktivitäten liegt.

    Aber wären deine Hunde deiner Ansicht nach auch zufrieden, wenn es nur Sport und Löserunden gäbe?

    Ist das gemeinsam Unterwegssein nicht auch ein hündisches Grundbedürfnis?

    Wow! War mir gar nicht so sicher, ob das Thema jemanden interessiert ,weils ja doch irgendwie ein alter Hut ist.

    Das Thema ist aber auch ein bisschen von unserem heutigen Spaziergang inspiriert, der mir, und ich glaube Kaya genauso, unheimlich gut getan hat. Ich war fast die ganze Zeit mutterseelenallein in der Pampa unterwegs, hab kaum ein Kommando gebraucht und den Hund dabei beobachtet, wie sie sich im Schnee wälzt, im Bach rumstiefelt, nach nem Mäuschen buddelt und volle Kanne einen Hügel runterfetzt. Sie wirkte dabei sehr im Reinen mit sich. Zwei- dreimal musste ich Jagdambitionen abbrechen, einmal hab ich sie durch eine Astgabel springen lassen und kurz vor zu Hause haben wir ein bisschen gefundenen Golfball apportiert.

    Zuhause hat sie sich hingehauen und erst mal tief gepennt und geträumt.

    Ich glaube, Kaya ist ein zufriedener Hund. Vielleicht romantisiere ich das Ganze, aber ich persönlich denke, Hunde brauchen das. Mit ihrer Bezugsperson gemeinsam unterwegs sein, Energie runterlaufen, aber auch Naturerfahrungen machen.

    Ich finde den Titel selbst nicht so prickelnd, aber mir ist kein knackigerer eingefallen, um zu umreissen, worum es mir geht.

    Vielleicht ist es auch nur ein falscher Eindruck, aber ich nehme Spaziergänge in den Threads oft mehr als Problem, denn als Lösung wahr: den Hund stresst das draussen unterwegs sein, der Hund ist drüber, wenn man zu lange Spazieren geht usw.

    Meine Erfahrung deckt sich damit überhaupt nicht. Egal wie lange ich mit meinem Hund draussen unterwegs war, sie ist zu Hause müde und entspannt. Ich gehe kaum unter zwei Stunden täglich und am WE oft länger. Für mich zählen abwechslungsreiche Spaziergänge als die hundegerechteste Auslastung überhaupt.

    Wie gestaltet ihr eure Spaziergänge?

    Worauf kommt es für euch an, damit der Spaziergang für Hund und Halter ein Gewinn ist? Gibt es Dinge, die man beim Spazieren gehen kollossal falsch machen kann?

    Ja, es geht mir ein bisschen darum, für das gemeinsame Strecke machen, eine Lanze zu brechen.

    Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass sich das von selbst legt.

    Natürlich wird das mit dem Älterwerden besser, aber nur, weil der Hund dann zum einen Anweisungen besser umsetzen kann und zum anderen, weil sich normalerweise der Impuls zu jedem Menschen und Hund hinzuwollen auch abschwächt. Aber im Normalfall ist ja bis dahin einiges an Erziehung gelaufen und der Hund sollte wissen, welches Verhalten erwünscht ist. Das klappt bei einem jungen Hund eben noch nicht so zuverlässig.

    Wenn der Hund allerdings nie gesagt bekommt, welches Verhalten nicht gewollt ist und was stattdessen erwünscht ist, kann sich das bei einem sowieso kontaktfreudigen Hund auch verstärken.

    Und ja, was nicht gewollt ist, erfährt hier der Hund über einen Abbruch, der auch aversiv durchgesetzt wurde. Aber bei einem funktierenden Abbruch macht sich ja die aversive Konsequenz zu 99% überflüssig, weil ja dann der verbale Abbruch reicht oder das Verhalten bestenfalls gar nicht mehr gezeigt wird.

    Ich finde, jeder Hund sollte einen Abbruch kennen, weil ich das auch für den Hund einfach fair finde. Der weiss dann, woran er ist.

    Kannst du dir nicht von einem HT zeigen lassen, wie Verhaltenssteuerung über "schwarz- weiss- Kommunikation" funktioniert? Ich persönlich finde, das macht das Leben von Hund und Halter leichter und auch entspannter.

    Allerdings hatten wir letztens auch eine Situation mit einem Kauteil, dass ich ihr angeboten habe und dass sie sonst sehr gern mag (sie kaut insgesamt recht viel, sehr gern auch an Kaffeeholz), aber in der Situation wurde sie dann plötzlich ganz hektisch, hat angefangen zu fiepen und hat verzweifelt versucht, ein Versteck für das Ding zu finden, das schien sie zusätzlich zu stressen. Ich habe es dann gegen normale Leckerlis ausgelöst und ihr abgenommen, dann hat sie sich zum Glück beruhigt. Kennt ihr sowas? Sie hat früher manchmal Kausachen im Garten (oder auch im Sofa) vergraben und dann irgendwann ganz stolz wieder ausgebuddelt, aber das schien nie vorher solchen Stress zu verursachen.

    Ja, das kenn ich von Kaya. Wenn ich ihr z.B. ne Rinderkopfhaut gebe, will sie die in den seltensten Fällen gleich kauen. Dann packt sie das Teil und strebt zur Terassentür, weil sies im Garten verbuddeln will. Lass ich sie raus, ist alles gut, sie verstauts und kommt zufrieden nach getaner Arbeit an die Terrassentür

    Ignoriere ich ihren Wunsch, wird sie unruhig, richtiggehend nervös, tigert in der Wohnung rum, stellt sich mal vor die Terrassentür, mal vor die Wohnungstür und fiept in höchsten Tönen. Sie ist da echt in Not und höchst erregt, weil das Teil MUSS jetzt verbuddelt und gesichert werden. Entweder lass ich ihr da also ihren Willen oder ich nehms ihr wieder ab und schick sie auf die Decke. Laufenlassen kann man es nicht, weil da würde sie sich immer weiter reinsteigern, bis dann doch Lösung A oder B greift.(habs ausprobiert) Dabei ist Kaya im Grund gar kein Stresskeks.

    Ich finde den Thread voll interessant.

    Und ich finde auch, dass man abweichende Meinungen, andere persönliche Konnotationen mancher Begrifflichkeiten auch einfach mal so stehen lassen kann.

    Nach dem Motto: "Ah, so siehst du es. Kann ich zwar nachvollziehen, werde dir darin aber nicht folgen. Trotzdem schön, dass wir uns mal ausgetauscht haben."

    Ist doch trotzdem (oder grade deswegen) voll interessant.