Beiträge von KayaFlat

    Ich dachte schon, dass es grundsätzlich klar ist, dass entspanntes Spazieren gehen offline über weitere Strecken immer etwas ist, was erst der "erwachsene" Hund zuverlässig leisten kann.

    Es ging ja ursprünglich um den erwachsenen, gesunden Hund, dass ich der Meinung war, dass der längere Spaziergänge in der Natur abkönnen sollte, ohne dass er überdreht, sondern dass das im Gegenteil eine absolut hundegerechte Auslastung ist.

    Ich finde schon, dass dabei klar sein sollte, dass junge und heranwachsende Hunde das noch nicht vollständig leisten können und auch nicht müssen.

    Mir ist auch klar, dass eben diese Art Spaziergang, die mir für mich und meinen Hund wichtig ist, für viele gar kein Ziel ist. Aber damit wir diese Spaziergänge gemeinsam geniessen können, muss der Hund halt einigermassen im Gehorsam stehen uns Reizen widerstehen können und dabei ansprechbar bleiben. Und das, ohne dass er sich da irgendwie reinsteigert und dann wie ein Dampfkesselchen nach einer halben Stunde kurz vor dem Explodieren steht.

    Und das bedeutet bei fast allen Hunden Arbeit.

    Und ja, so ein selbsterziehendes Exemplar kenne ich auch gut. Luna, die Hündin meiner Schwester.

    Offtopic, da persönlich

    Wooah! Mach mal halblang.

    Ich hab nie behauptet, dass ich der superduper Hundeerzieher bin.

    Selbstverständlich läuft es auch bei Kaya und mir nicht perfekt. Und ich hab mir zwei Jahre mit dem Hund den Arsch abgekaspert, bis wir eine solide Basis hatten. Mehr als genug Rückschläge und harte Lernerfahrungen, obwohl sie kein besonders komplizierter Hund ist.

    Aber es läuft jetzt rund und da bin ich stolz drauf, weil es war eben Arbeit.

    Ich stell mich dann nicht hin und sag, ich weiss nicht, was ich tue, weil das weiss ich im Normalfall.

    Und ja, ich bin der Meinung, dass bei mindestens 80% der langanhaltenden Probleme mit dem Hund -insbesondere mit Stress (ausser der Hund ist neurologisch krank) - das Problem beim Halter liegt. Und das Problem liegt auch dann beim Halter, wenn er sich den völlig falschen Hund für seinen Lifestyle holt.

    Wenn das für dich arrogant rüberkommt, dann ist das halt so.

    LillyLuzifer Das lernt man mit der Zeit :nicken:

    Ich bin auch Erst-HH und am Anfang hab ich gar nix deuten können.

    Keines davon ist besser oder wahrer.

    In dem Thread wirkt es nicht so, ehrlichgesagt. Ich empfinde den Thread hier weniger als ehrlich interessierten Austausch, sondern mehr als gegenseitiges Bestärken darin, dass das ja so überhaupt gar nicht normal ist, dass da der Halter ja bestimmt etwas verkackt hat oder falsch hineininterpretiert und man selber zum Glück ja alles richtig gemacht hat.

    Ich denke natürlich schon, dass ich das für mich und meinen Hund richtige mache, sonst würde ich es ja nicht machen.

    Was ich aber verstanden habe, ist, dass man das Wohnumfeld stark ins Kalkül ziehen muss, dass die Rasse eine Rolle spielt und auch, dass sich der Hund ein Stück weit dem Halter anpasst/anpassen muss.

    Sicherlich habe ich mit Kaya ganz stark darauf hingearbeitet (z.B. Jagdtrieb kontrolliert kriegen), dass es mit den Touren jetzt so funzt, wie ICH es haben will.

    Was ich nicht wollte - auch wenn ich mein Unverständnis bzgl. Stressproblematik wg. Spazieren gehen geäussert habe- ist verurteilend rüberzukommen. Das steht mir auch gar nicht zu, weil ich weder die Umstände noch die Hunde oder die Halter kenne. Ich vertrete meine Meinung aufgrund meiner Erfahrungen, aber ich hoffe, dass ich nicht persönlich geworden bin.

    Meine Erfahrung ist meine Erfahrung. Deine ist anders.

    Keines davon ist besser oder wahrer.

    Warum ist es so schwer, eine persönliche Erfahrung als das stehen zu lassen, was sie ist: eine persönliche Erfahrung.

    Eine solche erhebt keinen Anspruch auf absolute Wahrheit. Das ist meine Sichtweise und ich will und kann sie niemandem aufzwingen.

    Ist doch interessant, wenn andere Leute andere Erfahrungen machen.

    Es ist aber wirklich so: alle Hunde, mit denen ich eigenverantwortlich Spazieren gegangen bin, hat das, wo und wie ich Spazieren gegangen bin, nicht gestresst, sondern hat zur hundegerechten Auslastung beigetragen. (klar waren das nicht Massen an Hunden und nicht alle Hunde der Welt und auch keine Hunde aus dem Auslandstierschutz).

    Und deswegen latsch ich mit meinem Hund in die Pampa.

    Aber selbst da werden es mehr... Hab heute oben auf der Ebene, wo ausser mal nem Jäger oder Radler nie eine Seele ist, tatsächlich zwei (bekannte) Hunde mit Haltern getroffen. Die sind da mit dem Auto hingefahren!!! Ich finde, das giltet nicht. Wer auf die tolle, einsame Ebene will, soll sie gefälligst erklimmen ( wenn da jetzt jeder mit dem Auto rauffährt, ist die bald nicht mehr einsam - menno!)

    Ich hoffe, das waren heute nur singuläre Ausrutscher.

    Der Spitz meiner Mutter, den hat sie vor ca. 65 Jahren bekommen, lief frei im und um den Bauernhof. Der folgte, wenn seine Leute auf den Acker gingen, in den Wald zum Holz machen...ansonsten bewachte er halt den Hof und streunte über die umliegenden Wiesen, aber nie sehr weit.

    Ich denke, dass Putzi ein gutes Leben hatte, ins Haus durfte sie auch und heimlich ins Bett meiner Mutter.

    Die Hunde auf dem Land, ausser sie lagen an der Kette, und solche habe ich auch noch gekannt, liefen halt frei rum.

    Ich auch.

    Aber du hast einen Gassiservice und ich unterstelle dir jetzt mal extrem viel Erfahrung mit Hunden, so dass du und deine Hunde sicher nicht zum "Durchschnittshundehalter mit Durchschnittshund" gezählt werden können.

    Ich sehe mich als "Durchschnittshundehalter" und schreibe natürlich auch aus dieser Perspektive.

    Eine andere Frage, die ich mir stelle:

    Warum wird es als 'normales Leben' gesehen, stundenlange Spaziergänge zu machen? Hunde sind ja nun schon lange keine Wildtiere mehr, sondern wurden im Normalfall auf bestimmte Jobs hin gezüchtet. Zu einigen dieser Jobs gehörten lange Spaziergänge vielleicht dazu, wobei vermutlich auch nicht täglich. Und zu anderen Jobs gehörten diese gar nicht.

    Also vielleicht sind viele Hunde nicht vom 'normalen Leben' gestresst, sondern viel mehr vom unnormalen Leben, welches wir ihnen heutzutage abverlangen.

    Das ist ja gerade das Spannende und die grosse Frage.

    Letztendlich kann man natürlich nur selbst als Haltee beurteilen, wenn man mit ehrlichem Blick auf seinen Hund schaut, ob der Hund ein gutes, hundegerechtes Leben hat. Nicht immer perfekt, weil was ist schon perfekt, aber so, dass er zufrieden und mit seiner Welt im Reinen ist.

    Hunde, die - warum auch immer - ständig gestresst sind, vielleicht extreme Verhaltensauffälligkeiten entwickeln und oft krank sind, sind das nicht.

    Und sicherlich hängt es auch von den eigenen Vorlieben und der eigenen Persönlichkeit ab, wie man dem Hund zu einem zufriedenen Leben verhelfen will (schon auch angepasst an das Wesen des Hundes). Für mich persönlich bedienen halt längere Spaziergänge in der Natur (möglichst im Freilauf) einige Grundbedürfnisse des Hundes wie im Team mit der Bezugsperson unterwegs sein, Bewegung in verschiedenen Tempi auf verschiedenen Untergründen und Auseinandersetzung mit Naturreizen (Wasser, Spuren von Tieren, Gras, Wind usw.). Ich denke, dass das ein Baustein ist, der den Hund zufrieden macht und dass ein Hund das auch braucht.

    Mag sein, dass ich damit falsch liege, aber bis jetzt hat meine Erfahrung mich in dieser Meinung eher bestärkt.

    Aber natürlich ist meine Erfahrung limitiert und eben meine Erfahrung. Kann gut sein, dass ich noch Erfahrungen sammeln werde, die diese Sichtweise ins Wanken bringen.

    Du hast meinen Post dann aber nicht richtig oder nicht zu Ende gelesen, auf den sich KayaFlat bezieht.

    Für mich persönlich (!) ist ein dünnes Nervenkostüm nicht normal. Das gehört zu Hunden, die eine schlechte Genetik, eine schlechte Aufzucht oder schlechte Erlebnisse hatten oder die so spezialisiert auf ihren Aufgabenbereich sind, dass man diese extreme Reizoffenheit braucht.

    Doch, hatte ich - aber mal abgesehen von solchen gestörten Verpaarungen wo die Gene einfach reinspielen kannte ich auch den ein oder anderen "Allrounder", der kein Spezialist war, aber auch nicht in der Natur klar kam. Also falls du dich darauf beziehst. Mit Allrounder meinte ich den auf den ersten Blick unkomplizierten Labbi, der im Wald und in der Natur vollkommen überfordert war. Ohne dass dem ganzen eine komische Verpaarung, schlechte Sozialisation oder ein Deprivationsschaden vorherging.

    Aber das ist doch irgendwie nicht normal, dass ein Labbi da nicht klarkommt. Das muss doch dann schon Ursachen haben, die in der Haltung begründet liegen.

    Mein Ferienlabbi hat (natürlich auch dadurch begründet, dass ich in den Ferien eh sehr viel Zeit hatte) bei mir wesentlich mehr Naturprogramm bekommen als zu Hause und einige der Probleme, die seine Halter mir geschildert haben (z.B. frisst schlecht, pöbelt, jagt wie Sau) hatte der bei mir nach kurzer Zeit nicht mehr. Ich führe das auch darauf zurück, dass er bei mir halt ganz anders ausgelastet war, eben durch lange Spaziergänge in der Natur (und ernsthaftes Gehorsamstraining).