Verabschiedet euch einfach von dem Gedanken, dass alles von Anfang an funktioniert. Die Welpenzeit ist einfach anstrengend, weil ihr ein kleines Wesen habt, das noch nichts versteht und noch nicht weiss, was von ihm erwartet wird. Da hilf nur Ruhe und Geduld.
Am besten fahrt ihr, wenn ihr jetzt schon eine Vorstellung davon habt, wie es sein soll, wenn der Kleine mal gross und "vernünftig" ist.
Ich wusste z.B. dass ich einen Hund wollte, der im Haus Ruhe gibt, weiss wo sein Platz ist und sich da auch hinschicken lässt. Dann überlegt man sich, wie man da mittelfristig hinkommt. Alles was in die richtige Richtung geht, ist gut, alles was dem entgegenläuft, wird unterbunden oder umgelenkt. Natürlich muss man dabei in Betracht ziehen, dass man ein Baby bzw. Kleinkind vor sich hat. Wenn das Baby allein nicht auf seinem Platz zur Ruhe kommen will, kann man z.B. mit ins Hundebett und ein Buch lesen, bis der Kleine angekuschelt eingeschlafen ist. Nachdackeln ist in dem Alter normal, aber man kann Grenzen setzen, indem man z.B. mal Badtür, Klotür oder Küchentür schliesst und das Jammern ignoriert, d.h. für mich, tut was man tun wollte und wiederkommt, wenn man fertig damit ist. Damit grenzt man sich ab und der Hund soll lernen, dass Menschen ihre Dinge tun, die langweilig sind und er dann abgemeldet ist und sich gedulden muss, bis er wieder dran ist. Ich würde den Welpen aber nicht zu sehr aus dem Alltag ausschliessen. Der soll beobachten und seine Schlüsse ziehen, aber er soll nicht ständig im Fokus stehen.
Ich denke, dass manches schief läuft bei Neuhundehaltern, weil die das Abgrenzen und bei sich bleiben nicht hinkriegen. Abgrenzen heisst aber nicht, dass man z.B. Fehlverhalten wie Möbel anknabbern ignoriert, sondern dass man in der Situation reagiert, eine Alternative anbietet und dann wieder den Focus vom Hund nimmt. Und natürlich gibt es auch Zuwendung. Für einen Baby- und Junghund ist es sehr wichtig, dass das alles in eine für ihn verständliche Tagesstruktur eingebunden ist.
Beispiel:
Jeden Tag
aufstehen, Pippi im Garten, Mensch trinkt Kaffee und Hund ist abgemeldet (kann tun was er will, solange er nichts zerstört)Löserunde, Zuwendung (Spiel, Toben), Fressen, Ruhe (Mensch macht sein Ding, Hund ist abgemeldet), Lösen nach dem Ruhen, Mittagessen vorbereiten (Hund schaut in der Küche zu, liegt dabei), Mittagessen (Hund ist abgemeldet)....
Wenn die Tagesstruktur jeden Tag ähnlich bzw. gleich ist, dann weiss der Hund bald von selbst, wann nichts passiert, was ihn betrifft und wird, wenn seine Grundbedürfnisse erfüllt sind, von selbst ins Ruhen finden. Gibt es keine verlässliche Tagesstruktur, macht man es dem Hund viel schwerer, weil er in einer Erwartungshaltung feststeckt: Was passiert jetzt? Kommt jetzt was Spannendes?
Und für mich noch ganz wichtig: immer selbst ruhig bleiben und möglichst gelassen einfach sein Ding durchziehen. Es klappt halt nich alles sofort. Und wenn der Kleine mal statt zu schlafen mit seinem Kuschel durch die Wohnung spackt, dann ist es halt so. Der geht davon nicht kaputt. Der haut sich schon hin, wenn er müde wird, wenn er merkt, dass da nichts Grossartiges passiert. Wenn ihr zu viel Stress und Druck.macht, weil das jetzt genau so klappen muss, erreicht ihr das Gegenteil.
Ich hoffe, man versteht, was ich mit meinem langen Sermon deutlich machen wollte.