In meiner Lesart würde ja ein jüngerer Hund noch gerne, der Geist ist noch willig und fit. Er wird nicht von Alter gebremst, sondern von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen.
Und da stellt sich für mich die Frage, ist es dann okay, wenn der Hund aufgrund von Schmerzen nicht mehr Spazieren gehen kann, obwohl er noch wollte?
Wo genau zieht man also da die Grenze?
Ich erzähl mal, wie es bei Bo war, Neufi-Hündin, das hab ich im Forum bestimmt eh schonmal getan. Bo hatte einen bösartigen Blasenkrebs, der in die Harnröhre reingewuchert ist und nicht operabel war. Ansonsten war Bo voll fit, hellwach, lebensfroh, arbeitsfreudig, eben ein echter Sonnenschein. Der Krebs hat erstmal "nur" Schmerzen verursacht, die mit Schmerzmitteln völlig behebbar waren.
Der prognostizierte Verlauf allerdings sah so aus: sobald der Tumor soweit wächst, dass die Harnröhre sich noch mehr einengt, wird der Urin zwangsläufig gestaut, und das kann u.a. Nierenkoliken verursachen - aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sauweh das tut. Abgesehen davon streut ein Übergangszellkarzinom sehr schnell, Harnröhre oder Blase könnten reißen, usw.
Es gibt bei dieser Krebsart prinzipiell die Möglichkeit, ein kleines Röhrchen, einen Stent, in die Harnröhre einzusetzen, um sie an der verengten Stelle noch offenzuhalten. Nun war ich bei der Endoskopie dabei, in der wir den Tumor gesehen und natürlich auch biopsiert haben. Der Tumor war so ausufernd, dass auch der Arzt sich nicht vorstellen konnte, dass ein Stent viel Zeitgewinn bei anhaltender Lebensqualität bedeuten würde, so haben wir uns dagegen entschieden.
Mein Vorgehen bei Bo war folgendes: solange die Schmerzmittel griffen und sie ganz normal Urin absetzen konnte, wusste ich, dass ihre Lebensqualität unvermindert hoch war und vor allem, dass das Risiko einer akuten Verschlechterung minimal war. Sprich, ich musste z.B. keine Nierenkolik befürchten, oder Blasenruptur oder ähnliches, weil der Harn ja noch gut durchkam.
An dem Tag, an dem sich das änderte, hab ich sie gehen lassen, um ihr sehr wahrscheinliche, schlimme Schmerzen zu ersparen, auch wenn niemand vorhersagen konnte, wann die aufgetreten wären. Ich hatte also nach wie vor einen voll lebensfrohen Hund, der bei allen Spaziergängen begeistert dabei war, der liebend gern gefressen hat, der dank der Schmerzmittel keinerlei Schmerzen hatte. Bis zu dem Moment, als ein einziger Urinabsatz wieder zögerlich erfolgte - das war mir Zeichen genug, Aussichten auf Heilung gab es eh überhaupt nicht, und alle möglichen weiteren Schmerzen wollte ich ihr auf jeden Fall ersparen, damit es eben kein Kampf am Ende für sie würde, und damit sie immer der Sonnenschein bleiben konnte, der sie zeitlebens war. Am selben Tag haben wir uns verabschiedet.
Nun hatte ich selbst noch keinen Hund mit einem Osteosarkom, kannte aber mehrere. Ein Risiko eines Sarkoms ist ja, dass es in fortgeschrittenerem Stadium den Knochen brechen lassen kann. Auch das sind richtig, richtig starke Schmerzen. Ich würde vermutlich so entscheiden wollen, dass ich meinem Hund das erspare.
So oder so, die Entscheidung ist nie leicht. Ich wünsch Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit.