Beiträge von Lolalotta

    Ich würde also, nur weil ein Hund keine eigenen Ideen einbringt, nicht automatisch davon ausgehen, dass der zu gehemmt ist.

    Das würde ich auch nicht komplett pauschalisieren wollen. Es stand ja auch hier im Thread eher als Frage im Raum, ob da ein Zusammenhang sein könnte.

    Ganz unabhängig davon, ob es da einen Zusammenhang gibt, finde ich es schön, nicht alles mikromanagen zu müssen und würde es auch nicht wollen.

    Ich entscheide wann es was zu fressen gibt, ich entscheide wann wir, wo, wie lange und wie schnell spazieren gehen, ich entscheide, wann und was trainiert wird, ... selbst free shapen steht doch in einem menschgemachten Rahmen.

    Die Frage nach der Kreativität wurde in einem anderen Zusammenhang gestellt. Hier würde ich es eher Mitgestalten nennen.

    Beispiel aus meinem Alltag, der bei meiner Hundemenschfreundin, die eine andere Schiene fährt, Hände vor dem Kopf Zusammenschlagen ausgelöst hat:

    Ove hat Spazierroutenvorlieben und fragt manchmal an, ob wir nicht einen anderen Weg nehmen könnten. Gehe ich oft drauf ein, wenn ich auch Lust habt.

    Wenn auf der Couch kein Platz ist, weil wir zwei Menschen uns breit machen, fragt er an, ob wir uns zur Seite räumen könnten.

    Auch wenn sein Lieblingsplatz belegt ist, darf er fragen und ich mache ihm sogar manchmal Platz, auch wenn der Rest der Couch leer ist.

    Wenn ich ein gemeinsames Spiel beende, schafft er es trotzdem manchmal, mich für Runde 2 breitzuschlagen.

    Und ja, nicht, dass das hier falsch rüberkommst: das ist ein Individuum, in einem spezifischen Umfeld, in einer spezifischen Mensch-Hund-Konstellation und ganz sicher nicht übertragbar.

    Ich hab noch eine „Nebenschauplatz-Frage“: Wie bzw. In welchem Sport (außer z.B. beim Mantrailing) kann der Hund denn kreativ sein?

    Geht es nicht bei den meisten Sportarten darum, dass der Hund auf ein penibel auftrainiertes Kommando ein/e sehr klar definiertes Verhalten/Position zu zeigen?

    Bin da echt sehr ahnungslos…

    Ich kann nur als blutige Anfängerin vom Obedience sprechen. Natürlich ist irgendwann Präzision gefragt. Aber die einzelnen Übungen bestehen ja aus ganz detaillierten Verhaltensketten. Hier habe ich es im Aufbau deutlich leichter, wenn der Hund mir Lösungsvorschläge macht und mitdenkt. Erstmal überhaupt Vorschläge zu bekommen ermöglicht mir, durch präzise Belohnung oder das punktuelle Vorenthalten dieser, ein Verhalten zu shapen. Dann hat der Hund recht schnell raus, was ich von ihm will, weil er mitmacht und mitdenkt und schnell zum Ziel kommt.

    Wenn er allerdings so gehemmt ist, dass er mich nur mit großen Augen anguckt, dann dauert es viel länger.

    Ich glaube ich habe Ähnliches vor Augen wie du noda_flake Da gibt es gewisse Blasen auf Social Media, in denen immerzu „Raumverwaltung“, „Ressourcenverwaltung“ und „Orientierung“ erklärt werden, ohne die Beziehung zum Partner Hund an sich zum Thema zu machen und ich eigentlich (in den kleinen gezeigten Ausschnitten) ziemlich ideenlose Hunde sehe.

    Hunde, die kein Spiel mit dem Menschen selbst vorschlagen dürfen, weil der Mensch sich als Ressource komplett verkopft selbst „verwalten“ soll, Hunde, die aus Prinzip nicht mitentscheiden dürfen, wann es zum Spaziergang rausgeht oder die auch wieder aus Prinzip ohne ersichtlichen Grund dahinter nur auf Decke A, B oder C liegen dürfen.

    Ich finde das auch sehr schade. Ich möchte mit meinem Hund so leben, dass er Vorschläge machen darf. Er ist ja eh schon völlig von mir abhängig. Da will ich ihm gerne zugestehen, im sicheren Rahmen mitzugestalten. Er hat auch einfach oft so witzige Ideen. Die würde ich alle verpassen, wenn ich klein klein durchmanage.

    Trotzdem sehe ich da keinen ausschließlichen Zusammenhang mit Strafe. Oder eher anders: vieles davon fällt für mich unter sinnlose Gängelei und Konfliktvermeidung/-verlagerung. Da wird so ein enges Netz gestrickt und so viele Nebenschauplätze aufgezogen, in denen der Hund ständig mit Verboten konfrontiert wird, ohne dass man sich auf Beziehungsebene mit dem Tier auseinandersetzt, sich abgrenzt, wenn es sein muss, eine Grenze strafend setzt, um das Thema im nächsten Schritt ad acta zu legen und wieder weiterzublödeln.

    Ich gestehe ich esse Hühnerherzen sehr gerne. Ich versuche ja hauptsächlich vegetarisch zu essen, obwohl mir manches Fleisch gut schmeckt. Innereien sind da für mich ein guter Mittelweg, mit dem ich mich hin und wieder besser anfreunden kann als mit anderen Stücken.

    Achja und der Hund kriegt es auch. Meist halb halb Magen und Herz.