Klingt für mich auch nach Unsicherheit.
Ich hab ja bspw ne Hündin die in einigen Punkten ähnlich ist. Die kann es nicht ab angestarrt zu werden, sie hätte gern zu einigen Lebewesen ihre Individualdistanz, alles was fremd ist und zu nah/zu doll interagiert ist prinzipiell erstmal mehr oder weniger problematisch.
Als sie noch jung war, hatte das zur Folge dass wir zwischenzeitlich nicht an fremden Menschen oder Hunden vorbei gehen konnten, ohne dass sie ausgeflippt ist. Allerdings waren Fahrradfahrer bspw nie ein Problem.
Ernsthaft in der Form, dass sie es ernst meint, ja. Aber im Grunde eben erstmal Unsicherheit. Sie ist auch ein Hund der dazu neigt die Hyäne zu machen wenn ihr irgendwas nicht behagt. Unterstreicht im Grunde nur, wie gruselig sie das findet ( bzw wie doll sie das aufregt).
Was hier geholfen hat :
Immer auf die abgewandte Seite, wenn möglich Abstand einhalten, und überall dort wo das Risiko besteht dass der Hund sich so doll bedroht fühlen könnte dass er evtl sogar Beißen könnte, Maulkorb drauf.
Anschnauzen hat hier bspw garnix gebracht, wichtiger war es selber ruhig zu bleiben, die Umgebung im Blick haben und zu loben wenn das Tierchen brav bleibt. Wenn ich selber angespannter werde, oder bspw auch nur mein Puls hoch geht, reagiert meine Hündin drauf - indem sie noch mehr auf Habacht ist.
Wenn ich mich zu doll auf das entsprechende Objekt ( bzw den Menschen oder Fremdhund) fixieren, passiert das selbe.
Und mit Korrektur arbeiten kann ich auch erst, seitdem sie auch wirklich verstanden hat, wie sie sich benehmen sollte und die Erfahrung gemacht hat, dass sie ja doch halbwegs entspannt vorbei gehen kann.
Und im Gegenzug spricht sie auf Lob einfach viel besser an. Sie konzentriert sich dann auf etwas anderes, angenehmeres, das hilft.
Inzwischen ist es schon ziemlich lange so, dass ich mit ihr an Fremd Menschen und Hunden überwiegend unauffällig vorbei gehen kann. Teilweise ist es auch so, dass sie von sich aus nen Bogen laufen würde oder sich gleich zu mir umorientiert. Aber überwiegend ist es ihr egal - Menschen solange sie uns nicht ansprechen, und Hunde solange sie ausreichend Distanz halten.
Bei dem Zwerg gibt's übrigens teilweise ähnliche Sequenzen, und im Gegensatz zur Hündin reagiert der auch auf Dynamik ( Jogger, Radfahrer bspw, besonders wenn sie eng an einem vorbei rauschen). Insgesamt geht's ihm aber auch eher um die Individualdistanz ( der andere Part dürfte ne Mischung aus Kontrolletti und *gnihihi*,, Ich verjag halt gerne" sein) . Er hat im Grunde absolut 0,0 Interesse an Fremdmenschen und Fremdhunde. Im Kern sind die ihm wirklich komplett scheiß egal ( Lilo ist zumindest in Bezug auf Hunde nen Ticken offener - wenn die Chemie stimmt ist sie Kontakt ggü nicht abgeneigt), aber er hat halt die Erfahrung gemacht dass Menschen ihm evtl an den Pelz wollen und Fremdhunde richtig assi sein können, und sowas kann er echt nicht leiden.
Dem entsprechend läuft das bei ihm ähnlich wie bei Lilo :
Wenn was entgegen ( oder von woanders) kommt, geht's auf die abgewandte Seite, und fürs brave vorbei gehen oder absitzen gibt's Lob und auch mal den ein oder anderen Keks. Wenn es doch mal nicht klappt, dann war wahrscheinlich irgendwas zu viel, oder halt einfach nicht sein Tag. Dann versuche ich das nächstes Mal zu berücksichtigen, oder übe mich in Geduld.
Je nach Hund dauert das halt manchmal lange.
Der Zwerg wird jetzt aktuell wieder bisschen entspannter ( hat aber gern mal nen Brett vorm Kopf), und bei Lilo hab ich 2 Jahre + gebraucht ( da war besonders die Zeit zwischen 6 Monaten und 1,5 Jahren am Anstrengendsten, und ab 2 Jahren wars dann erstaunlich entspannt. Die is allerdings auch definitiv selbstsicherer geworden mit dem älter werden) um dort zu landen wo wir jetzt sind ( geht natürlich trotzdem weiter, und unkompliziert mit Fremdem wird die niemals sein. Ich kann mich drauf verlassen dass sie unter bestimmten Voraussetzungen sofort ins blöde Verhalten kippt, aber auf die Umwelt wirkt sie inzwischen überwiegend unauffällig).