So, ich hatte ja versprochen, zu „Herzfaden“ zu berichten: Was etwas schwierig ist, weil ich mir selbst noch nicht ganz schlüssig bin. Das Buch läuft auf mehreren Ebenen.
Geschrieben ist es in netter, wohlklingender einfacher Sprache. Ein Jugendroman eben. Der eine - obwohl eigentlich zwei - mal schöne, mal traurige Coming of Age Geschichte (so sagt man heute wohl) erzählt. Eine realistisch, eine etwas märchenhaft. Die realistische Geschichte ist die der Hannelore Oehmichen (Marschall) und die Entstehung der Augsburger Puppenkiste aus einer Zeit des Grauens heraus. Die Andere bleibt ohne Namen. Das Grauen wird geschildert, bleibt aber angedeutet. Ganz wie ein Jugendbuch.
Doch die Geschichte hat Borsten und Widerhaken, die nicht unbedingt an Jugendliche gerichtet sind. Die die Dialektik und Ambivalenz aufscheinen lassen an der Tat, das Theater der Nachkriegszeit die Unschuld und Grazie zu retten, indem man Marionetten zu Darstellern macht. In dem Versuch, die „verführten“ Nachkriegsjugendlichen mit Märchen wieder an ihre (eigentliche??) Kultur anzuknüpfen. Die Flucht vor dem, dem man insgeheim doch ein Gesicht verliehen hat.
Neben dem kindlichen Vergnügen an der Erinnerung (das Andere vermutlich ausgeprägter empfinden als ich, Märchen und Marionetten haben nach wie vor Platz in meinem Leben), sind es diese Haken, die die Geschichte lesenswert machen. Sie machen aus einer netten Geschichte ein gutes Buch. Wenn auch - meiner bescheidenen Meinung nach - kein Großartiges 
Einen Satz möchte ich da lassen:
„Das hat er eigentlich schön gesagt“ flüstert Hatü Michel zu.
„Ja, aber so schön darf man es nicht sagen.“
Ich wünsche eine gute Nacht.