Das war Bärli:
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Bärli kam zu mir, als ich 9 Jahre alt war. Der lang ersehnte eigene Hund. Die 3 Jahre davor waren geprägt von einer hässlichen Scheidung mit mir mittendrin, dem Tod meines leiblichen Vaters, der Wiederverheiratung meiner Mutter und den Umzug aufs Land. Bärli sollte mir Trost und Unterstützung in dieser entwurzelten Zeit sein und sie hat das mit unglaublicher Ruhe und Kraft bravourös gemeistert.
Wir hatten sie aus dem Tierschutz (das war damals noch was ganz Anderes als heute) sehr schwer krank, verwurmt, mit Zwingerhusten bekommen. MeinStiefvater wollte einen anderen Hund. Ich wollte diesen. Sie hatte eigentlich schon Interessenten. Ich wollte aber keinen andern Hund ansehen. Die anderen Interessenten sind wegen des Zustands abgesprungen. 3 Tage war nicht klar, ob wir sie durchbringen, wir haben sie Tag und Nacht mit Brühe gepäppelt. Dann war sie überm Berg.
Bärli wurde 11 Jahre alt. Etwa 1 Jahr vor ihrem Tod bin ich während des Abis zu Hause ausgezogen, wollte sie in ihrem Alter aber nicht mehr verpflanzen. Mein Mann und ich sind täglich mit ihr spazieren gewesen, aber gelebt hat sie bei meinen Eltern. Meine Eltern haben benachbarte Freunde besucht. Der Bruder der Frau hatte, was meinen Eltern nicht klar war, seinen Hund im Hof dort gehabt. Dieser Rüde hat sich mit Bärli an sich gut verstanden, war aber bekanntermaßen nicht ohne. Das Herrchen auch - Pitti-Bulli-Mix vom Hinterhof mit zum damaligen Klischee passenden Besitzer.
Zu dem, was dann passiert ist, habe ich nur entgegengesetzte Schilderungen. Bärli wurde schwer verletzt. Meine Eltern waren im Schock und riefen uns an. Wir sind mit dem blutüberströmten Hund zum Tierarzt gedüst, wo sie nochmal zusammengeflickt wurde. Wir haben sie wieder 3 Tage Tag und Nacht gepflegt, aber diesmal hat sie es nicht geschafft.
Die Freundschaft ist daran fast komplett zerbrochen und hat viele Jahre auf Eis gelegen.sie kam dann wieder hoch und ich war - auch wenn mein Verhältnis zu meinen Eltern, besonders meiner Mutter, mit „schwierig“ sehr wohlwollend umschrieben ist - dankbar dafür. Als mein Stiefvater sehr erkrankt ist, haben sie mene Mutter sehr unterstützt und geholfen. Und als meine Mutter dann dement wurde, war diese Freundin die letzte, die bis zum Schluss da war und sie besucht hat.
Meine Eltern haben das ganze Register aus Wut und Hass auf den anderen Hund, blinden Zorn auf die anderen Menschen und heftigen Vorwürfen gegen ihre Freunde gefahren. Den eigenen Anteil - den Hund unabgesprochen mitzunehmen - haben sie völlig verdrängt. Es wurde seitens meiner Mutter eine richtig hasserfüllte Fehde daraus. Konnte sie gut, Lady MacBeth war ein Scheißdreck dagegen.
Mein Stiefvater war einfach elend unglücklich, hat einige Tage nicht mehr gesprochen und Näpfe, Körbchen, Leinen, Spielzeug durften nicht bewegt werden. Und er hatte jedesmal Kummer in den Augen, wenn er etwas davon gesehen hat. Bis ich mir das nicht mehr anschauen konnte, mir den besten Mann (damals Freund) von allen zur Unterstützung geholt habe und meine Mutter mit einem Müllsack in der Hand vor die Wahl gestellt habe, entweder das Zeug einzusammeln oder ins Tierheim zu fahren. 3 Stunden später zog Whoopie ein, während mein Stiefvater noch arbeiten war - aber das ist eine andere Geschichte.
Ich selbst war kreuzunglücklich und hab mir elendig lang Vorwürfe gemacht, dass ich Bärli beim Auszug nicht doch mitbekommen habe. Im ersten Moment war ich auch wütend auf den anderen Hund, nur war mir schnell klar, dass da die handelnden Menschen Fehler gemacht haben. Menschliche Fehler einerseits - und absolut unkundige falsche Hundehaltung aus falschen Gründen andererseits. Und ich hab beim Gassi (mit Whoopie dann) lange jeden anderen Hund geblockt und weggebrüllt, der da kam. Bis ich gelernt hatte zu unterscheiden.
Es hat übrigens 15 Jahre gedauert, bis Jörg und ich dann unseren eigenen Hund bekommen haben. Mit ein Grund dafür war, dass ich viele Jahre gesagt habe, dass ich diesen Schmerz nie wieder aushalten will. Doch wir haben dann anders entschieden und ich bin unendlich dankbar.
Eine Moral dieses Romans? Hmh. Liebe macht verwundbar. Zorn, Trauer und Kummer zuzulassen ist wichtig. Loslassen und vergeben aber auch. Und sich wieder auf die Liebe einzulassen.