Ein sehr schöner Thread. Ich hab da ja so einige Themen mit Bezug auf Gelassenheit, was auch daran hängt, dass mir ein paar der üblicherweise vorhandenen Abgrenzungs- und Filtersysteme fehlen. Gibts ein paar schöne mehr oder weniger moderne Etiketten für, von denen ich unterschiedlich wenig halte. Erstmal:
Bester Lehrmeister ever war Ronja. Sobald die der Auffassung war, dass ich ungebührlich hochfahre und zu viel Druck oder Hektik mache, hat sie nicht mehr kooperiert. Gekoppelt mit einem BLICK aus ihrer reichlich vorhandenen Auswahl, der mir jeweils präzise gespiegelt hat, für wie von der Muffe gepufft sie mich gerade hält. Hat ein bisschen gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich ihr zuhören sollte. Aber dann habe ich viel gelernt
(aber nie ein Leckerli von ihr gekriegt
).
Das ist einer meiner Knackpunkte: Den Hund anschauen und verstehen lernen, was er kann, was ihn hindert und was ihn bewegt. Und darauf das Training aufzubauen und die Konzepte und Erwartungen, die ich im Kopf habe, dem anzupassen, was ich vernünftigerweise vom Hund erwarten kann.
Und neben allem Wissen, aller Theorie und aller Vorstellung von „so muss es aber sein“ mir selbst zuzuhören und zu entscheiden, was ich wichtig finde. Und diese ganzen „aber bis dahin sollte er doch ..., kann er immer noch nicht ...“ von Anderen als für mich irrelevant zu betrachten.
Ach ja - die Anderen. Die haben andere Ideen, Prioritäten, Meinungen und Ansätze. Und Erwartungen. Auch an meine Hunde. Völlig zu recht übrigens, wenn meine Hunde ihre Freiheiten oder ihr Wohlfühlen tangieren (was nicht heißt, dass wir uns allem anpassen müssen, Interessenskonflikte sind im Miteinander immer da). Und dann gilts wertschätzend, höflich und mit Respekt vor und Verständnis für die Interessen des Anderen abzuwägen und zu handeln.
Wenns aber darum geht, dass sie einfach aus Prinzip erwarten, dass mein Hund so ist, wie sie es halt erwarten - nun: Enttäuschte Erwartungen gehören auch zum Leben. Und da es nicht Meine sind, ist es auch nicht mein Problem.
Was mir da unglaublich zur Gelassenheit hilft: Ich hab üblicherweise nicht das Bestreben, mich zu rechtfertigen, meinen Ansatz zu verteidigen, den Anderen zu belehren (es sei denn, jemand fragt) oder mit ihm „in den Ring zu steigen.“ Er hat seine Meinung, ich hab meine. Ist okay. Ich höre mir die Meinung an - so wertfrei wie möglich - und betrachte sie als Seine, nicht Meine.
Wenn jemand dann nachhaken und mich partout überzeugen will, was schon selten ist, artikuliere ich genau das höflich. Wenn jemand höflich nicht versteht (noch viel seltener), äußere ich ein „ich möchte darüber nicht weiter diskutieren.“ Wenn das nicht reicht (ist in den letzten 5 Jahren einmal vorgekommen), dann lasse ich den Betreffenden stehen).
Fürs Insgesamte gibts ein ganz nettes Konzept, nennt sich „Radikale Akzeptanz“. Was auch nicht heißt, dass man alles hinnimmt. Sondern dass man bei welchem Thema auch immer erstmal das akzeptiert, was ist. Und damit dann weiterarbeitet. Anstelle viel Energie auf den Ärger darüber, dass es ist, wie es ist, oder den Wunsch, es wäre anders, als es ist, zu verschwenden (Achtung: Kommarekord
).