Ich denke es ist egal, ob man sich nun vorher sehr viel informiert hat oder eher spontan an die Hundeanschaffung heran gegangen ist.
Auch ist es egal, ob man eine Frau ist, oder ein Mann, denn dieses Tief gibt es auch bei Männern. Genauso egal ist es, wie man diese Gefühlsachterbahn nun nennt und ob der Hund ein Welpe ist, oder schon erwachsen.
Jeder Mensch fühlt... und das ganz individuell.
Hier schreiben viele, sie würden das nicht kennen, sie hätten sich auf den Welpen gefreut.
Das tut aber mWn auch jeder, der danach dem "Welpenblues" oder generell dem "Hundeblues" erliegt. Jemand, der sich gar nicht auf seinen Welpen/Hund freut, dürfte ja schon wissen, wo das Problem liegt.
Ich habe mich sehr lange und sehr viel informiert, bevor Anju einzog. Einzig die Rasseentscheidung fiel letztendlich recht spontan, da mehrere Rassen - wie heute auch noch - mein vollstes Interesse hatten.
Ich habe mich waaahnsinnig auf Anju gefreut und war total glücklich, als ich sie dann endlich in meinen Händen hielt.
Am selben Tag kamen aber auch die Zweifel. Dinge, die ich Jahre vorher schon immer wieder durchgekaut habe, gingen mir nun noch mal durch den Kopf. Hab ich mir das gut überlegt? Bin ich dieser Verantwortung gewachsen? Wird sie es gut bei mir haben, glücklich bei mir sein?
Anju ist mein erster Hund, ich war recht jung - frische 18 - und musste vorher nie Verantwortung für ein Lebewesen tragen.
Es war für mich ein Unterschied, sich das vorher alles auszumalen und den Zwerg dann tatsächlich bei mir sitzen zu haben.
Es war gar nicht groß anders als ich es mir vorgestellt habe, aber das "reale Erleben" war einfach noch mal ein ganz anderes Gefühl, mit den leisen Versagensängsten, die im Hintergrund anklopften.
Bei mir ging das zum Glück schnell vorbei. Anju war ein einfacher Welpe, ich hatte Unterstützung durch Familie wenn es mal "zu viel" wurde und ich habe mich recht gut an mein neues Leben als Hundehalterin gewöhnt.
In meinem Freundeskreis war das mit dem "Welpenblues" sehr unterschiedlich. Eine Freundin - generell eine sehr taffe Frau, bereits Mutter und Tierhalterin, hat einen Welpen einfach so zum Geburtstag geschenkt bekommen - ohne es zu wissen und ohne es zu wollen. Da hat alles super geklappt. Kein Welpenblues, die kleine Hündin war jetzt halt da und das war okay so.
Eine andere Freundin ist mit Hunden aufgewachsen, musste für mehrere Hunde Mitverantwortung tragen und ist am ersten eigenen Hund dann beinahe gescheitert, weil sie - obwohl sie sich riesig auf die kleine gefreut hat - trotzdem von Zweifeln überrannt wurde. Die Hündin war und ist allerdings auch nicht ganz einfach.
Ein Kumpel von mir hat seinen Welpen, auf den er sich monatelang gefreut hat, nach einigen Tagen wieder zurück gegeben, weil es ihm zu viel war. Er hat sich auch nie wieder einen Hund angeschafft.
Also ja, ich denke es gibt den Welpenblues. Bei jedem unterschiedlich stark - oder eben gar nicht - ausgeprägt und mMn ist es auch relativ egal, welchem Geschlecht man angehört und wie viel man sich vorher informiert hat. Auch denke ich, dass man vor dem Welpenblues nicht sicher ist, nur weil man schon Hunde hat/hatte. Deshalb würde ich jetzt auch nicht sagen, dass ich den nächsten Welpen ganz easy durchbringen würde, denn beim ersten Hund hätte ich auch niemals gedacht, dass mich noch mal Zweifel oder Überforderung einholen würden.
Ich denke, wenn man im Welpenblues drin steckt, ist Abstand ganz hilfreich. Den Welpen - sofern möglich - einfach mal ein paar Stunden - vielleicht auch über Nacht - woanders parken und selbst zur Ruhe kommen. Sich auf die positiven Dinge besinnen und dann den Knirps mit neuem Mut und neuer Kraft wieder zu sich holen.