Beiträge von Vriff

    Irgendwie hast du da eine selektive Wahrnehmung. Ich lese das im Forum ganz anders, sowohl beim Tierschutz, als auch beim Züchter, da wird durchaus kritisch hinterfragt.

    Persönlich bin ich beim Tierschutz sogar bedeutend nachsichtiger und kompromissbereiter als beim Züchter. Eben weil es um einen guten Zweck geht und weil es um das Individuum geht. (Was das Menschliche und die Ideale angeht, nicht beim Hund.)

    Trotzdem ist es glücklicherweise die Wahrheit, dass es schwierig ist einen deutschen Tierschutzhund zu finden. Nicht weil Tierheime und Organisationen so doof oder anspruchsvoll sind, sondern schlicht und ergreifend, weil die Nachfrage größer ist als das Angebot.

    Aber vielleicht bin ich auch zu ungeduldig, weil ich nach über zwei Jahren Suche keinen Hund im Umkreis von 300km gefunden habe ;-). Als ich irgendwann meine Ideale über Bord geworfen habe und Hunde mit Migrationshintergrund nicht mehr ausgeschlossen habe, konnte ich Kataloglike aussuchen. Übrigens beim Tierheim vor Ort, bei dem ich bezahlt habe und samt Hund gegangen bin :ka:

    Nur sehe ich da wirklich das Problem nicht, warum kein Welpe vom Züchter. Wird der Nächste, weil ich Welpen mag. Und ich es für einen 6er im Lotto halte, dass dann zufällig passende Welpen im Tierheim sind und ausgerechnet ich auch einen bekomme. Da gebe ich offen zu, so lange möchte ich nicht warten und halte ich auch nicht für nötig.

    Noch eine Stufe niedriger, gelebter Tierschutz ist es, wenn ich meinen Hund gut versorge. Ihn vom wildern abhalte, mich weiterbilde, das Wohl der Futtertiere im Blick habe, usw.

    Es muss nicht erst Missstände geben, um etwas zu tun. Im Gegenteil es wäre wünschenswert, die nicht entstehen zu lassen. Auch wenn es langweilig und wenig spektakulär ist.

    Ich finde nur die extreme Fokussierung auf die Optik unschön und bedenklich, weil es anders als bei der Jeans um mehr gehen sollte als die richtige Farbe und die richtige Zeichnung.

    Aber das spricht doch pro Züchter und gegen Tierschutz. So ein Rassestandard sagt mir doch bedeutend mehr über den zu erwartenden Charakter als ein Foto, eine Kurzbeschreibung und

    ein Blinddate.

    Außerdem kann ich neben die Rasse passt, auch noch Anforderungen an den Züchter stellen. Im Tierschutz gibt es gefühlt nur die Wahl zwischen gute Arbeit, leider keine passenden Hunde oder möchte ich nicht unbedingt unterstützen, aber passende Hunde in der Vermittlung.

    Für mich ist TS eine lokale Sache, weil ich nur vor meiner eigenen Tür kehren kann. Aber da bin ich ehrlicherweise ziemlich stolz auf unser Tierheimnetz. Wir haben, salopp gesagt, ein Problem mit bissigen Schäferhunden und ähnlichen Kalibern, aber alle Anderen kann man als Einzelfälle bezeichnen. Egal ob Welpe, Pudelmix von Verstorbenen oder Scheidungsopfer und sie alle werden flott vermittelt. Ich finde das ziemlich, ziemlich gut und freue mich in einem Land zu leben, in dem das so ist.

    (Bei Katzen schaut es da z.B. ganz anders aus.)

    Jetzt kommen wir zu den Auslandshunden. Da gilt für mich das Seesternprinzip, für diesen einen Hund verändere ich die Welt. Aber mit Tierschutz hat das für mich erstmal wenig zu tun. Es ändert sich doch Nichts, ich habe keinen Einfluss auf die Zustände andernorts.

    Mir fällt es schwer, bis ich empfinde es als nahezu unmöglich einen seriösen Auslandsverein zu finden. Deshalb kommt für mich nur moderner Hundehandel über das Tierheim in Frage. Aber ob ich da einen netten Wuschel kaufe oder eine Spende für gute Arbeit hinterlasse und meinen Hund beim Züchter kaufe, macht für mich moralisch so überhaupt keinen Unterschied. Einfach weil mein Beitrag zum Tierschutz Geld ist. Ich rette niemanden, ich möchte einen netten, unkomplizierten Hund :ka:

    Natürlich gibt es auch Junghunde mit Problemen, aber wenn ich da so an uns denke:

    - Stubenreinheit, leidlich zu Hause, auswärts Top

    - alleine bleiben ist nicht ihr Ding, wird aber besser

    - vor Kindern hat sie Angst, sind aber kein Teil meines Lebens

    - fährt nicht gerne Auto, macht es aber und hat keinen Stress dabei

    usw.

    Für mich sind das alles Dinge, die normal sind für einen Junghund. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, da bin ich ganz pragmatisch. Und selbst beim Senior, der wirklich gut erzogen ist und absolut unauffällig und problemfrei durch unser Leben läuft, könnte ich so eine Liste schreiben, auch wenn andere Dinge drauf stehen.

    Stimmt, streite ich auch gar nicht ab.

    Trotzdem gibt es nicht den Tierschutzhund. Ich kann ganz gezielt diesen Einen suchen, der in mein Leben passt. Das ist eben der Punkt, Suche ist beim Züchter definitiv einfacher oder schneller.

    Oder ich habe Spaß daran und die Möglichkeiten dazu, mein Leben an den Hund anzupassen und nehme "irgendeinen". Das auch diese Wahl nicht ohne Sinn und Verstand erfolgt ist hoffentlich selbstverständlich.

    Aber niemand muss alt und krank, Problemhund, zu groß, zu haarig, zu irgendwas kaufen, nur weil man nicht zum Züchter geht. Genausowenig wie ein Hund selbsterziehend, ewiggesund ist und perfekt ins eigene Leben passt, nur weil es ein Rassehund ist.

    Für mich liegen die Unterschiede da einfach an ganz anderen Stellen.

    Stimmt mein Eindruck, dass Pferde schneller mal weiterverkauft werden (oder es zumindest weniger verpönt ist) als das in der Hundehaltung üblich wäre? Binden sich Pferde weniger eng an ihren Menschen als das Hunde tun? Oder leiden sie unter einem Besitzerwechsel?

    Ja, ja und ja.

    Man lebt nicht zusammen, aber es gibt trotzdem Pferde die sich sehr eng an ihre Bezugspersonen binden, aber nicht alle.