Aggression gegenüber Menschen

  • Zitat

    Wenn ich deine Antworten so lese.... aber Sammy sieht schon gut oder? Vielleicht erkennt er die "bekannten" Personen erst so spät, wenn er drauflos stürmt und dann beschwichtigt? Hast Du das mal abklären lassen beim Tierarzt?

    Ich habe es noch nie abklären lassen, obwohl ich auch schon daran gedacht habe. Allerdings jagt er bei Rehen auf Sicht und die sieht er verdammt gut :-)
    Auch sieht er auf ewig weite Entfernung, wo der Ball landet. Wenn er allerdings die Fläche absucht, scheint er nur noch mit der Nase zu arbeiten und das Sehorgan ist ausgeschaltet...

    Sammi hatte allerdings vor einem halben Jahr eine fette Entzündung am Auge, die unter Narkose abgeklärt werden musste. Es gab keinen Befund.

    Und das Problem ist eher, dass er in den Situationen, auf die du dich beziehst, einfach auf das reagiert, was in seinen Augen nicht sein "darf". Es "darf" niemand an unserem Auto sein. Und Menschen haben sich gefälligst so zu verhalten, wie sich alle verhalten. D.h. in unseren Auslaufgebieten haben sie da zu gehen, wo Menschen immer gehen. Sie sollen nicht über Mauern steigen und nicht aus dem Wald kommen. Auf der Straße sollen sie sich bitte in normalem Tempo fortbewegen und nicht unmotiviert an irgend welchen Ecken stehen oder sich die Schuhe zumachen.

    Es ist in diesen Situationen eher so, als ob er sich vorbeugend aufregt.


    Zitat

    ich bin mir nicht sicher, ob so ein Verhalten nur von einer Vorgeschichte abhängig ist !?

    Ich auch nicht...
    Wahrscheinlich habe ich zu Beginn viele viele Fehler gemacht - und ich befürchte, ich mache weiterhin Fehler, die dazu geführt haben, dass er nicht glaubt, ich würde die für ihn bedrohlichen Situationen regeln.
    Aber seine Vorgeschichte war sicherlich nicht gut und seine Vorbesitzer haben bestimmt ähnliche Fehler gemacht.

    Zitat


    Wir haben auch schon viele Privatstunden bei guten Trainern mit ihm gemacht. Das Training ist allerdings schwierig, da er ja nicht immer und bei jedem ausrastet.
    Ich hab bis jetzt auch keine Ahnung, wie ich das wirklich in den Griff bekommen kann. Was ich allerdings bemerkt habe, dass er es überhaupt nicht mag, wenn ihn jemand direkt anstarrt.


    Ja, ich finde das Training auch wegen der Unberechenbarkeit so schwierig...

    Für Sammi ist von Fremden angestarrt zu werden Angriff. Und ich denke, da gibt es "einfach" Kommunikationsdefizite zwischen Mensch und Hund ;-)

    Unsere Trainerin hat in einer unserer ersten Trainingsstunden einen "Test" gemacht; zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht aufgefallen, dass das Anstarren ein Problem ist. Sie hat den Sammi mit weit aufgerissenen Augen wirklich angestarrt. Und er hat ganz ganz lange nicht weg geschaut. Als er wegschaute hat sie ihn gelobt. Sie sagte, wenn ich mich recht erinnere, das nicht wegschauen sei ein Zeichen dafür, dass er sich als ebenbürtig empfindet.

    Sammi hat sich insgesamt schon deutlich verbessert und ich kann mittlerweile wieder Dinge machen, die ich vor zwei Jahren für unmöglich gehalten habe.
    Dennoch ist er ein Hund, der immer meine ganze Aufmerksamkeit benötigt; jede "Schwäche" von mir i.S.v. nicht ganz da sein, selbst gestresst zu sein etc provoziert wieder einen Ausraster und lässt nicht nur sein Vertrauen in mich schwinden sondern auch meines in ihn. Und das kann sich ganz schnell zu einer Spirale aufbauen.

    Herzliche Grüße
    Andrea mit Sammi, der nach den Ereignissen von heute Morgen für den Rest des Tages beschlossen hatte, sich vorbildlich zu benehmen.

  • Zitat

    Und er hat ganz ganz lange nicht weg geschaut. Als er wegschaute hat sie ihn gelobt. Sie sagte, wenn ich mich recht erinnere, das nicht wegschauen sei ein Zeichen dafür, dass er sich als ebenbürtig empfindet.

    Naja, das ist die vermenschlichte Anschauung. Dem Hund auf diese Art und Weise in die Augen zu starren ist eine Form von Aggression und Herausforderung......das Sammi weggeschaut hat ist ein Beschwichtigungssignal seinerseits.

  • Ich weiß. Ich weiß auch nicht mehr genau, was sie dazu gesagt hat, wahrscheinlich hat sie nur versucht, es für einen Menschen ohne Hundeverstand auszudrücken

    Warum aber beschwichtigt er nicht, wenn andere ihn anschauen und geht gleich auf sie los, wenn ich nicht interveniere?

  • Lieber Sammi,

    Unerwartetes ist für die meisten Hunde zumindest befremdlich, die Frage ist nur, wie sie damit umgehen.
    Versuche doch einmal, Deinem Hund in dieser Situation ein wenig mehr Zeit zu verschaffen, sich darauf einzustellen.
    Bei Problemen mit "komischen" Menschen kann das konkret so aussehen, dass Du Deinen tobenden Hund natürlich ignorierst, die Situation aber auch nicht gleich auflöst. Deine guten Fahrstuhl-Erfahrungen sprechen doch dafür, das es prinzipiell möglich ist.
    Wir wohnen in der Nähe eines Krankenhauses, wo viele behinderte Menschen an der Bushaltestelle anzutreffen sind. Diese wurden von Cosmo anfangs auch als "die gehören dort nicht hin" behandelt, bis ich ihm ein wenig Zeit gegeben habe, die Situation zu beurteilen (Distanzen langsam verringern!), mittlerweile schaut er sie nicht mal mehr an.
    Leine ist natürlich Pflicht. Ich weiß nicht, wie gut Du seinem Gewicht körperlich gewachsen bist, aber wenn Du es schaffst, absolut unbeteiligt dazustehen und freundlich in die Menge zu schauen, hast Du schon gewonnen. Die meisten Menschen sind dann gar nicht mehr so garstig, wie sie anfangs dreingeschaut haben.
    Was den Wach- und Schutztrieb angeht, wirst Du das (wenn es keine Angstreaktion ist!!!) wahrscheinlich akzeptieren müssen. Jeder Hund braucht seine Aufgabe und die einzelnen Rassen sind für bestimmte Einsatzzwecke gezüchtet worden. Bis auf wenige Ausnahmen entstammen unsere Hunde alten Gebrauchsrassen mit jagdlichem oder Herden- und Schutzschwerpunkt, denen ein menschlich soziales und allen Situationen gewachsenes Verhalten schlicht nicht abverlangt wurde. Mal ehrlich: Kein Mensch käme auf den Gedanken, einem Jagdhund das Jagen abgewöhnen zu wollen...
    Unser "Wächter" meldet auch zuverlässig jeden Besucher, sobald der die Einfahrt betritt. Bei einem 40-kg-Hund und einem Zeitung austragenden Kind ein echtes Problem, was uns zu einem Zwischenzaun veranlasst hat. So kann der Hund seine "Aufgabe" erledigen, ohne dem, was dort nichts zu suchen hat, wirklich gefährlich zu werden. Wir gehen ruhig und gelassen auf ihn zu, loben ihn für seine Aufmerksamkeit und sprechen kurz mit dem "Eindringling". Dann ist alles sofort ruhig (brauchte ca. ein halbes Jahr).
    Was den Freilauf angeht, kann ich Dir aus eigener Erfahrung nur die lange Leine empfehlen (ohne Schlaufe, diese bleibt im Gebüsch hängen), mit der Du Deinen Hund im Notfall noch stoppen kannst.
    Wir haben sie nach ca. einem Jahr Benutzung dann nie mehr gebraucht.
    Also am Besten alles erstmal mit (langer) Leine, viel Geduld und Ruhe.
    Mein Rüdenrüpelwächter und ich wünschen Euch eine schöne Zeit miteinander.

  • Hallo Cosmoo's Frauchen,

    schöner und hilfreicher Beitrag (und das im Erstlingswerk). Danke.

    Zitat


    ... die Frage ist nur, wie sie damit umgehen.
    Versuche doch einmal, Deinem Hund in dieser Situation ein wenig mehr Zeit zu verschaffen, sich darauf einzustellen.
    Bei Problemen mit "komischen" Menschen kann das konkret so aussehen, dass Du Deinen tobenden Hund natürlich ignorierst, die Situation aber auch nicht gleich auflöst.
    ...
    Leine ist natürlich Pflicht. Ich weiß nicht, wie gut Du seinem Gewicht körperlich gewachsen bist, aber wenn Du es schaffst, absolut unbeteiligt dazustehen und freundlich in die Menge zu schauen, hast Du schon gewonnen.

    Stimmt - die Erfahrung habe ich auch schon gemacht, aber sie nicht als solche wahrgenommen. Werde ich verstärkt drauf achten.

    Es gelingt häufig, wenn es Kontakte sind, die mir wenig bedeuten oder mit Menschen, von denen ich weiß, sie verkraften meinen Hund.

    Unbeteiligt dastehen, in "wichtigen" Situationen schaffe ich einfach (noch?)nicht...

    Zudem merkt Sammi sofort, ob ich jemanden unsympathisch finde. Dann hört er auch nicht auf zu toben...


    Zitat


    Was den Wach- und Schutztrieb angeht, wirst Du das (wenn es keine Angstreaktion ist!!!) wahrscheinlich akzeptieren müssen.
    ...
    Unser "Wächter" meldet auch zuverlässig jeden Besucher, sobald der die Einfahrt betritt. Bei einem 40-kg-Hund und einem Zeitung austragenden Kind ein echtes Problem, was uns zu einem Zwischenzaun veranlasst hat. So kann der Hund seine "Aufgabe" erledigen, ohne dem, was dort nichts zu suchen hat, wirklich gefährlich zu werden. Wir gehen ruhig und gelassen auf ihn zu, loben ihn für seine Aufmerksamkeit und sprechen kurz mit dem "Eindringling". Dann ist alles sofort ruhig (brauchte ca. ein halbes Jahr).

    Du meinst wirklich, ich soll ihn loben, wenn er ausrastet, weil sich jemand dem Auto nähert oder fremder Besuch in die Wohnung kommt?
    Bestärke ich ihn da nicht in seinem Verhalten? Er schlägt ja nicht nur einmal kurz an; er ist nicht mehr ansprechbar, jedes Haar an ihm strahlt dann Aggression aus ...

    Herzlichst,
    Andrea mit Sammi, der schon friedlich schläft

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