Rocco der Bretone - Hund und Herrchen lernen zusammen

  • Hallo Zusammen,

    ich würde gerne das Forum nutzen um über unsere Fortschritte mit Rocco zu berichten und mir gleichzeitig Rat, Unterstützung und Beistand zu holen, wenn ich mir bei etwas unsicher bin. Rocco ist ein 4 Jahre alter Bretone den wir von der Erstbesitzerin übernommen haben. Ein wenig zur Vorgeschichte kann man in meinem Beitrag im Bereich zu Fragen vor dem Einzug nachlesen:

    https://www.dogforum.de/eingewohnung-m…en-t179696.html

    Einiges hat sich seit dem als anders herausgestellt, als es zunächst erschien. Vor allem stelle ich mir mittlerweile die Frage, ob die Besitzerin uns einen anderen Hund gegeben hat, oder schlichtweg ihren Hund nicht verstanden hat. Er zeigt im allgemeinen grosse Unsicherheit im Umgang mit allem Fremden, und mi Hunden im allgemeinen. Er hatte denke ich als Junghund kaum Kontakt und weis nicht so richtig viel damit anzufangen. Auf bellende Hunde reagiert er mit Angst bis Panik, je nach Grösse und bei Besuchern knurrt und bellt er ein paar mal, wenn alles in Ordnung ist und er in Ruhe Schnuppern durfte wird freundlich begrüsst und gespielt.

    Konkret haben wir folgende Prioritäten, an denen wir arbeiten müssen, und das natürlich alle 3 (Freundin, Rocco und ich zusammen):

    • Alleinbleiben - Alleine mit Freundin geht gut, da er mit ihr viel alleine ist, alleine mit mir geht kaum und ganz alleine gar nicht, da ist er unter grossem Stress.
    • Besuch/Tür - Er reagiert mit Unsicherheit, Knurren und Bellen auf Bewegungen im Flur vor der Wohnung und auf Besucher, beruhigt sich aber nach einigen Sekunden wenn das Verhalten stimmt.
    • Ziehen an der Leine - Draussen ist alles so interessant, das gezogen wird wie wild, teilweise will er auch so schnell wie möglich zurück, wenn ich mit ihm alleine bin.
    • Allgemein das Zusammensein mit anderen Hunden und Spass am Spiel

    Später kommen dann Dinge wie Freilauf etc dazu, aber wir wollen es langsam angehen lassen, da er ja auch erst zwei Wochen da ist.

    Wir würden gerne so viel wie möglich über positive Bestärkung arbeiten, auch da ich ihm die Unsicherheit nehmen will. Wir haben einen Clicker und zumindest in der Wohnung ist er sehr aufmerksam bei der Sache und es funktioniert ganz gut, ich würde aber gerne wissen wie man praktisch mit negativem Verhalten umgehen sollte. Klar ist es erstmal das beste es zu vermeiden, wenn es keine Trainingssituation ist, aber das ist halt schon sehr schwer bei einigen Dingen.

    Wie soll ich beispielsweise die Spaziergänge händeln, wenn er ohne Click, Futter etc... also das konkrete Training, sofort wieder zieht? Und was mache ich wenn er sich nicht mehr für das Futter interessiert? Soll ich ihn effektiv nur noch auf der kleinen Runde führen auf der ehr ansprechbar bleibt und alle grösseren Spaziergänge unterlassen?

    Ich kann unmöglich vermeiden, dass unsere Nachbarin 5 - 10 mal pro Tag durch den Flur geht. Ich kann zwar belohnen wenn er mal ruhig bleibt, aber wie gehe ich damit um wenn er bellt und knurrt?

    Wir werden Rocco erstmal überhaupt nicht komplett alleine lassen, aber momentan reagiert er schon stark, wenn meine Freundin den Raum verlässt oder nur kurz mal wegmuss, was sich nicht vermeiden lässt, wie gehe ich damit um? Ich kann ihn ablenken und er beruhigt sich nach einiger Zeit aber nie zu 100%. Wird das mit der Zeit wenn meine Freundin geht und ich ihn ablenke und er merkt, dass sie wieder kommt?

    Das sind so die grossen Fragezeichen bei denen ich momentan auf eure Hilfe hoffe, ich werde dann versuchen auch ein wenig vom Fortschritt zu berichten und wie sich Rocco entwickelt.

    Danke an alle für Unterstützung und Teilnahme!

  • Hallo :hallo:

    Schön, dass ihr einen Hund aus zweiter Hand genommen habt :gut:

    Ich schreib einfach mal, was mir so einfällt.

    Zitat

    Wie soll ich beispielsweise die Spaziergänge händeln, wenn er ohne Click, Futter etc... also das konkrete Training, sofort wieder zieht? Und was mache ich wenn er sich nicht mehr für das Futter interessiert? Soll ich ihn effektiv nur noch auf der kleinen Runde führen auf der ehr ansprechbar bleibt und alle grösseren Spaziergänge unterlassen?

    Ich würd den Clicker noch gar nicht mit raus nehmen. Die Aufregung ist noch viel zu groß, ich hätt Bedenken, dass ich a) explizit Aufregung reinclicker und b) was clicker, was ich eigentlich nicht haben will, was ich aber jetzt noch nicht sehe. Die eigentliche Belohnung für den Hund ist ja das Vorankommen, um da genau DA VORNE zu schnüffeln. Ich würd nur ein Markerwort verwenden für das ruhige bei mir laufen, Situationen wo er irgendwo hinhechtet noch aussen vor lassen. Wenn die Spaziergänge kurz und (noch) immer relativ gleich sind, müssten sich die Chancen auf "eher gelangweiltes Gehen" und somit auf eine Belohnung erhöhen. Wenn du Futter verwendest, würd ich tatsache VIEL Futter verwenden und eine gute Situation mit mehreren Keksen flott nacheinander belohnen als alle 10 Meter einen Keks. Der Hund soll wissen was RICHTIG geil war und nicht gleich die Aufmerksamkeit wieder abgeben, weil nur ein Keks kommt. Wäre mein Ansatz. Zwischendurch stehenbleiben - und vllt ein Anschauen vom Hund abwarten (8 von 10 Mal wo er NICHT zieht, damit man keine "nur bei Fehlern bleib ich stehen-Kette" bekommt) und mit einem Freigabesignal dynamisch weiterlaufen, damit sich der Hund seine Umweltbelohnungen einheimsen kann.

    Ich bin mit meinem Hund beispielweise 4 Wochen lang um den Block geschlichen, 5 - 10 Minuten, bis zu 10 mal am Tag und hab den schnüffeln und machen lassen, so lang wie er eben brauchte. Menschen fand er gruslig, er hat aber nicht panisch reagiert. Da konnte ich ganz ruhig einfach umdrehen oder ausweichen.

    Zitat

    Ich kann unmöglich vermeiden, dass unsere Nachbarin 5 - 10 mal pro Tag durch den Flur geht. Ich kann zwar belohnen wenn er mal ruhig bleibt, aber wie gehe ich damit um wenn er bellt und knurrt?

    Mach ihm eine Hausleine dran und führe ihn ruhig auf seinen Platz. Parallel kannst du ihm ein Kommando dafür beibringen. Hat der Hund eine ruhige, abgeschirmten Platz im Haus? Möglichst keine Fenster für ihn zum Rausgucken und auch so, dass er nicht im Weg liegt bzw. nicht alles was in der Wohnung vor sich geht beobachten kann. Ich denk das Knurren und bellen wird sich mit der Zeit legen, einerseits lernt er, dass nichts passiert, andererseits bringst du ihn aus einer für ihn noch bedrohlichen Situation weg. Auch wenn sich seine generelle Unsicherheit mit Training und Einleben in den Alltag legt bzw. daran gearbeitet wird, könnte sich das Problem schneller lösen als gedacht. Wichtig finde ich, dass man dem Hund nicht einfach verbietet, an der Haustür zu bellen, man muss ihm auch zeigen, was er stattdessen tun soll - und das ist aus der Situation raus und auf seinen Platz gehen. Da warten die feinen Dinge.

    Zitat

    Wir werden Rocco erstmal überhaupt nicht komplett alleine lassen, aber momentan reagiert er schon stark, wenn meine Freundin den Raum verlässt oder nur kurz mal wegmuss, was sich nicht vermeiden lässt, wie gehe ich damit um? Ich kann ihn ablenken und er beruhigt sich nach einiger Zeit aber nie zu 100%. Wird das mit der Zeit wenn meine Freundin geht und ich ihn ablenke und er merkt, dass sie wieder kommt?

    Ruhig auf den Platz führen UND einfach den längeren Atmen haben :D Es gibt keinen Grund sauer zu sein oder unwirsch zu werden, weil der Hund zum x-ten Mal aufgestanden ist. Der fühlt sich noch unwohl und weiß sich erstmal nicht zu helfen. Da machen Rituale einfach Sinn. Immer gleich reagieren gibt dem Hund Sicherheit. Was sich die Vorbesitzerin da "mühsam" in einigen Jahren aufgebaut zu haben scheint, wird der Hund nicht so schnell ablegen. Auch kann es sein, dass das einfach "Löschungstrotz" ist, der Hund zeigt ein Verhalten, dass sich vorher gelohnt hat nun stärker, weil es eben nicht mehr belohnt wird.

    Wie gesagt, dranbleiben - wird schon :smile:

  • Hallo und vielen Dank schonmal für deine Antwort,

    deine Tips werden wir jetzt erstmal so befolgen und lieber öfter und länger die kleine Runde gehen. Auch eine Hausleine erscheint mir eine gute Idee, da es sonst schwierig ist ihn abzulenken bis das Geräusch vorbei ist, ich denke das ist wohl auch die Umstellung von Haus auf Wohnung.

    Gestern hatte meine Freundin ihn noch einmal für eine grössere Runde rausgenommen und das ist so lala gelaufen. Zunächst hatte sie zwei Begegnungen mit den typischen Buenos Aires Dog Walkern, die mit 5 - 10 Hunden unterwegs waren. Dort wollte er nur so schnell wie möglich weg und die Begegnung vermeiden. Danach ist sie dann mit ihm noch zur Küste (ca 10 min) und dort in einen eingezäunten Bereich für die Hunde, leider waren da zu der Zeit ca. 30 Hunde unterwegs (am Wochenende sind das ehr so 5 - 10). Begrüssen war da wohl trotzdem kein Problem, aber Rocco hat nach ein zwei Hunden geschnappt, die umbedingt mit ihm spielen wollten. Entweder mag er das nicht oder er versteht es gar nicht. Passiert ist jedenfalls nichts.

    Heute morgen gab es dann noch eine unschöne Überaschung, Rocco hat sich in der Küche an den Mülleimer erleichtert, er war zum letzten mal um halb 11 draussen und ich habe es um 6 Uhr festgestellt. Er hat auch nicht mehr als eine kleine Schüssel Wasser getrunken. Würdet ihr sagen, dass die Zeit zu kurz war? Oder war das ehr ein Unfall, eventuell stressbedingt? Für markieren war es denke ich ein wenig viel.

    Danke für eure Tipps, wir lernen jeden Tag dazu!

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