Unsicherheitsphase???

  • Hallo, immer wieder lese ich hier von der Phase der Unsicherheit, in welche die Junghunde gelangen kurz vorm erwachsen werden.

    Kann mir jemand erklären woher das kommt, welchen Sinn es in der Natur hat und welches menschliche Pendant es dazu gibt?

    Ich hatte bislang nur einmal einen Welpen und das war vor ca. 18 Jahren und ich kann mich nicht erinnern, dass er damals in solch eine Phase gelangt war.

  • Diese Phase tritt meist im Alter von 8 bis 9 Monaten auf, bei manchen Hunden deutlicher bei manchen merkt man sie kaum. Ich kenne sie unter dem Namen Spookiephase weil der Hund plötzlich Gespenster sieht, da kann dann schon mal eine Mülltonne die er nie beachtet hat und immer an der selben stelle steht plötzlich ganz gefährlich sein so das man sich nicht vorbei traut oder sie muss verbellt werden. Oder der Hund traut sich nicht mehr irgend wo entlang zu gehen obwohl nie etwas vorgefallen ist.
    Normaler weise dauert diese Phase nicht lange und wenn man als HH nicht weiter darauf eingeht bzw dem Hund Sicherheit bietet gibt es keine weiteren Probleme. Es kann aber passieren wenn der Junghund genau dann einschneidende Erfahrungen macht und keine Sicherheit bekommt das sich das verfestigt und er Probleme zurückbehält.

  • Hallo Tengri hat das schon gut beschrieben. Obwohl ich noch hinzufügen/relativieren möchte, dass die Pubertät bei kleinen Hunderassen schon deutlich früher einsetzt - damit also auch die "Angst/Unsicherheits-Phase" bereits im Alter von 5-6 Monaten auftreten kann.
    Es gibt tatsächlich auch noch so eine Phase etwa zum Ende der Pubertät, ca. mit 18 Monaten ( je nach Rasse früher oder später ). Meine Erfahrung ist aber, dass sie seltener, und, wenn, nicht so "ausgeprägt" auftritt.

    Und, zur urspünglichen Frage: Ja, es gibt Parallelen zur Pubertät beim Menschen. Es gibt dazu ( natürlich vor allem beim Menschen ) viele Untersuchungen, die ergeben haben, dass sich in dieser Zeit die "Hirnstruktur" gravierend ändert...
    Ich bin kein Neurobiologe, und möchte hier nichts Falsches verbreiten. Aber, wenn die die Begriffe "Pubertät" + "Gehirn" googlest, bekommst du viele, durchaus gut verständliche, Artikel dazu :gut:
    1:1 kannst du das natürlich nicht auf den Hund übertragen. Aber, die Übereinstimmungen sind doch erstaunlich !
    Was ICH aber noch erstaunlicher finde, ist die (scheinbare?) Tatsache, dass so viele Hunde- Kenner und vor allem auch Trainer mit dem Begriff "Pubertät" bei Hunden nur die sog. "Rüpel-Phase" verbinden ( = dann gehorchen Hunde plötzlich nicht mehr, "weil sie ihre Grenzen austesten wollen"........ ).
    Ja, das KANN dazu gehören ( ist, wie mir scheint, auch das häufigste Symptom (?). Oder aber: bei vielen Hunden sieht man eben nur DIESE Seite dieses biologischen Prozesses im Gehirn ( ein kleines Video dazu: http://www.youtube.com/watch?v=0VE78mqAADM&feature=youtu.be ), weil sie "offensichtlicher sind" (?), oder, weil man ( wenn man liest, Andere fragt... ) eher DARAUF kommt (?)
    Ich denke, es hat eben auch viel mit ganz anderen Umständen zu tun, inwiefern sich 1. so eine Angst/Unsicherheit überhaupt erst zeigt; 2. wie "stark", also auch belastend sie für Hund und Mensch wird; 3. wie lange sie dauert, usw.
    Meine persönliche Erfahrung ist, dass Hunde, die in einem stabilen Familien-Rudel ( also nicht 2 oder 3 nicht verwandte Hunde ) zusammen leben, diese Phasen kaum erleben, oder sie sehr schnell und unkompliziert "verdauen", so dass der Mensch sie kaum ( als "störend" ) wahrnimmt ( :???: ) !?!
    Ich habe auch erlebt, dass eine Hündin ( kleine Rasse: Lhasa Apso ) mit 5 Monaten, als "Nothund", und offenbar mitten in dieser Angst/Schreck...-Phase, in mein Rudel kam ( zuvor war sie rassetypisch ruhig, selbstbewußt... und ihre Halter wußten nun nicht mehr weiter ). Die Kleine hat nur wenige Tage gebraucht, bis sie sich in ihrem Verhalten an das Verhalten der anderen Hunde "anpasste". Das ganze Rudel ( gleiche Rasse ) strahlte wohl so viel "Normalität" und Gelassenheit aus... Da konnte/musste ich als Mensch ihr gar nicht mehr viel zeigen... s.u.!
    > Der Unterschied in den Auswirkungen der Pubertät ( vergleicht man Mensch und Hund ) liegt wohl nicht so sehr in der Biologie, als vielmehr in den unzähligen anderen Faktoren. So lange wir Menschen Hunde auch "unseren Bedürfnissen entsprechend" gezüchtet haben: ein Hund, der ein Leben ( sorry für die krasse Umschreibung ! ) zwischen Sofa und eine Runde ums Eck verbringt... reagiert auf Veränderungen ins einem Gehirn ( Wahrnehmungen ) anders als ein menschlicher Jugendlicher ! Ein Hund KANN sich in unserer Gesellschaft ( wie man auch immer das versteht ) nicht "artgerecht entwickeln", oder auf "temporären Lücken im Gehirn" natürlich reagieren :verzweifelt:
    WIE soll denn ein (pubertierender) Hund ( angemessen/vernünftig ) reagieren, wenn "da in seinem Kopf plötzlich so viel los ist, was vorher nicht da war ? Wenn Herrchen/Frauchen das offenbar gar nicht bemerkt ? Wenn auf einmal ein Ton, eine Bewegung, ein ???? ANGST macht ?
    Oder: wenn (gelernte) Sachen/Ereignisse/Kommandos plötzlich WEG sind ???
    Wenn womöglich beides GLEICHZEITIG passiert = Etwas erzeugt Schrecken + Etwas ist vergessen :hilfe:

    Wie gesagt: das machen nicht alle Hunde durch ( oder höchstens so, dass Mensch nichts bemerkt ) !
    WENN aber, dann hilft es schon, zu wissen, dass der Hund einer völlig normalen Entwicklung folgt, und wir ihn weder als "Monster'" oder "zu dominant" ( wenn er frech wird ), noch als "Angsthasen" oder " nicht richtig sozialisiert" ( wenn er scheinbar schreckhaft/unsicher wird ) sehen sollten....
    = Und auch nicht mit ihm so "umgehen" sollten !
    WENN, DANN ist die eigene Ruhe, Souveränität und Konsequenz das, was wir als Menschen tun können, um unserem Hund = bei Angst: Die ANGST ignorieren, NICHT den Hund ( da wurde ich schon missverstanden. Habe mich wohl undeutlich ausgedrückt ). = Die "Angst ignorieren" heißt: Zeige dich selbst absolut unbeeindruckt ! Lass aber zu, dass dein erschreckter Hund bei dir Schutz sucht. "Tröste" aber nicht, solange der Hund noch Furcht zeigt ! Sobald er sich aber - und wenn nur für drei Sekunden! - entspannt, DICH ansieht... = LOBEN ! Sonst ( das wird kommen = er hat wieder Angst ) das GLEICHE Spiel von vorne....
    Die "Angst" wird vergehen. Meist dauert sie nur wenige Wochen !
    Die "andere Seite der Pubertät" ( der sog. "Trotzkopf" ) kann ich heute nicht kommentieren. Ich denke aber, dafür finden sich viele Andere (?)
    Ansonsten schreibe ich morgen noch weiter ( WENN gewünscht )
    LG: Manuel

  • Die spookyphase kann auch schon früher einsetzen, wie in den lehrbüchern beschrieben. Der Bruder meiner kleinen hat mit 6 Wochen lauter gespenster gesehen, während seine Schwestern entweder gar nicht in die Phase kamen oder die Phase nur sehr kurz und unbemerkt vorrüber ging. Also kein Wunder, dass du es nicht mitbekommen hast ;)

  • Zitat

    das beste ist also einfach ruhe ausstrahlen und so weitermachen, wie von anfang an alles lief...


    JA, im Grunde hast du vollkommen recht ! Wenn es auf einmal kompliziert oder "anderes" wird: DANN ERST RECHT ! Egal, ob der Jungspund nun "vergesslich", "aufsässig" oder "ängstlich" wird = Bleib bei ihm/ihr ! Sei/schein zumindest durch deine Haltung, deinen [b]Gesichtsausdruck !!! ( glaub mir: den, oder DEINEN Gemütszustand wird dein Hund sehr wohl lesen - wenn auch nicht immer verstehen ). Aber, deine Stimme: SELBST sehr mutig/erfahren ! Führe ihn souverän an etwas Frermdes heran, und wiederhole dies später, wenn er Angst zeigt, GENAUSO behutsam, langsam und konsequent, wie damals, als er noch ein [i]Baby wwr !....
    ....
    Versuch das !
    DANN...... ;)
    Bis dahin - oder zwischen, oder....
    LG: Manuel

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