Andere Hunde: Ohne Leine top, mit Leine... na ja..

  • Hallo Ihr Lieben,
    beim Stöbern im Internet bin ich auf Euer Forum gestoßen und dachte mir, dass ich hier vielleicht Ansprechpartner finde für ein Thema, das mich gerade beschäftigt.
    Seit knapp drei Wochen wohnt der kleine Rocky, ein Havaneser-Malteser-Mix, bei meinen Eltern. Er ist allerdings auch "meiner", da ich sehr viel Zeit mit ihm verbringe und auch die Erziehung weitestgehend über mich läuft. Ich hatte bereits vorher sehr lange einen Hund mit dem ich auch die Begleithundeprüfung abgelegt habe und aktives Mitglied in einem Hundeverein war.
    Der Kleine ist jetzt 5 Monate alt und lebte vorher in einer Familie, die ihn abgeben musste, weil es dort ein krankes Kind gab und dann auch noch ein Pflegefall (Schwiegervater) dazu kam und dann schlichtweg die Zeit und Ruhe für einen Welpen fehlte. Durch das "Hin und Herschieben" (sprich: Immer zu anderen "Hundesittern") in seiner ersten Familie hat er ziemliche Verlustängste, aber daran arbeiten wir erfolgreich und er wird immer sicherer und fasst Vertrauen, dass seine Menschen auch wiederkommen, wenn sie mal kurz aus dem Raum gehen, um ins Bad zu verschwinden. ;)

    Es läuft alles toll mit ihm soweit, er ist sehr wissbegierig und zum Glück auch sehr, sehr neugierig. Das hilft dabei, besser mit ihm noch unbekannten Dingen umzugehen. Am Anfang beäugt er zum Beispiel jedes neue Spielzeug misstrauisch, tastet sich dann aber heran und wird mutiger. So zum Beispiel auch mit Besuch, den er noch nicht kennt. Alles in allem wirklich toll.
    Auch mit anderen Hunden hatte er wohl in seiner ersten Familie kaum Kontakt, sodass er da zunächst sehr ängstlich war. Wir haben ihn dann aber direkt in einer Hunde-/Welpenschule angemeldet und da war er dann auch direkt sehr neugierig. Inzwischen tobt und spielt er, dass es eine wahre Freude ist, auch mit ihm noch unbekannten Hunden auf der örtlichen Hundewiese.

    Allerdings hat er bei anderen Hunden wohl doch schon ein relatives hohes Selbstbewusstsein, trotz aller "Schüchternheit" im Vorhinein. Das meinte auch schon eine der Trainerinnen auf dem Hundeplatz. Das äußert sich so, dass er schon 2-3 mal versucht hat, bei einem anderen Rüden "aufzusteigen". Leider sind das dann aber immer solche, die entweder von selbst einen eher "unterwürfigen Charakter" haben oder aber das ganze noch nicht so wirklich verstehen. Er bleibt also immer der "Sieger" bei seinen Dominanzspielchen. Wenn wir das mitbekommen, unterbinden wir das natürlich auch sofort, aber wenn er mit einem anderen Hund durch die Gegend rennt und dann stehen bleibt und "loslegt", geht das natürlich nicht immer so schnell.
    Das an sich wäre ja auch nicht mal das Problem, weil er - gerade in der großen Gruppe auf dem Hundeplatz - schon lernen wird, dass da nicht jeder mitmacht und er das auch längst nicht bei JEDEM Rüden versucht, sondern bisher nur sehr selten.
    Das "Problem" an sich ist eher sein Verhalten, wenn wir mit ihm an der Leine spazieren gehen und er irgendwo einen anderen Hund sieht, der aber gerade nicht in Reichweite zum Begrüßen ist - zum Beispiel auf der anderen Straßenseite. Dann wird geknurrt und gebellt was das Zeug hält. Kommen Hunde geradewegs auf uns zu oder wir auf sie und sie können sich begrüßen, gibt es so gar kein Theater, egal wer oder was das ist.
    Auch wenn derselbe Hund, den er über die Straße hinweg angekläfft hat, später zur Hundewiese kommt und er ihm ohne Leine begegnet, ist es, als wäre nichts gewesen und der ist plötzlich ganz toll.

    Nun ist es ja aber so, dass man nicht JEDEN Hund begrüßen kann (oder will)... Und NATÜRLICH muss der Kleine auch nicht jeden mögen. Aber daran liegt es ja offenbar gar nicht.
    Am Wochenende werden wir darüber auch noch mal mit der Trainerin sprechen und er wird dann wohl ohnehin in die nächst höhere Gruppe wechseln, einfach weil da mehr Hunde in seinem Alter sind, die eventuell auch schon mal anfangen, ihre Dominaz spielen zu lassen. Wobei ich mir gar nicht so sicher bin, dass sein "Aufsteigen" und das Verbellen, wenn er andere nicht begrüßen kann, überhaupt im Zusammenhang stehen!?

    Trotzdem würde ich gerne Eure Theorien und Vorschläge zu dem "Wenn ich Dich nicht begrüßen kann, dann verbelle ich Dich!"-Problem hören.
    Irgendwelche Theorien, woran das liegt und was man da machen könnte? Er lässt sich da auch wirklich nicht ablenken. Und so toll er auch sonst schon an der Leine läuft, da hängt er dann voll drin und bellt eben stark.

    Bin gespannt auf den Austausch mit Euch und freue mich sehr darauf.

    Liebe Grüße in den Nachmittag,
    Madame Wunderlich

  • Hmmmm - liest sich bisserl wie:
    - Aufreiten als Streß-Ablassen (Übersprungshandlung). Vor allem, wenns im Spiel vorkommt. Macht Bossi auch, wenns zu heftig und wild wird.....
    - das Gebelle, weil er mit dem Frust in dem Moment (nicht hinzukönnen) nicht umgehen kann. Gegen den anderen Hund hat er ja nichts, wie Du schreibst, wenn er beim direkten Kontakt freundlich reagiert. Er verbellt also nicht den anderen Hund, sondern schreit halt, weil er net hin kann. Ähnlich wie kleine Kinder, die grad die gewünschte Süßigkeit im Laden an der Kasse nicht bekommen, und sich dann wütend auf den Boden werfen und kreischen..... *gg

  • Ähnlich wie meine Vorschreiberin sehe ich es auch!
    Das Aufreiten in der Spielgruppe hat so gar nichts mit Selbstbewußtsein und Dominanz zu tun. Sieht man daran, das er sich Hunde aussucht, die noch schwächer sind als er. Selbstsichere Hunde haben so etwas nämlich nicht nötig, sie imponieren durch ihr Erscheinen und ihre Ruhe.
    Das Theater an der Leine ist fehlende Impulskontrolle und Frust. Da müßt Ihr dran arbeiten und ihm beibringen, das Ihr entscheidet, welchen Hund er begrüßen darf und welchen nicht.
    Meine haben das so gelernt:
    An der Leine grundsätzlich keinen Kontakt!
    Vor Ableinen, sitzen und mich anschauen, dann erst auf Freigabe loslaufen!
    Auf keinen Fall, andere Hunde sehen, Leine ab und losdüsen.

  • Danke, Euch beiden, so hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Dass das Aufreiten eher für Unsicherheit steht, würde ja auch viel besser zu seinem vorherigen Verhalten passen als so ein plötzliches Selbstbewusstsein. Dann kann ich da ja zumindest schon mal etwas beruhigter sein. ;) Ich bin da wohl auch ein wenig "gebranntes Kind", weil mein erster Rüde wirklich sehr dominant war.

    Zu der Leinenproblematik: Ursprünglich hatten wir auch angedacht, dass er an der Leine gar keinen Kontakt zu anderen Hunden hat, aber da sich relativ schnell gezeigt hat, dass er so gut wie gar keinen Umgang mit anderen Hunden hatte, waren wir natürlich erst mal froh, dass das gleich geklappt hat. Da war ja im direkten Begrüßen nie ein Problem. Gespielt wird da sowieso nicht, das kann er auf der Hundewiese, ohne Leine und deshalb auch mit minimierter Verletzungsgefahr. Dort machen wir es übrigens genaus so wie von Dir, QuoVadis, beschrieben. Leine ab, sitzen und dann auf "Los" darf er laufen.
    Am Anfang waren wir, wie gesagt, überhaupt froh, dass er endlich Kontakt zu anderen Hunden hatte und wollten ihm vermitteln, dass das gar nicht schlimm ist, deshalb durfte er eben auch an der Leine Kontakt aufnehmen. Rückwirkend betrachtet vielleicht nicht ganz so klug..
    Denkst Du/Ihr, dass es jetzt noch sinnvoll ist, ihm wieder abzugewöhnen andere Hunde an der Leine generell zu begrüßen? Oder schafft das dann noch viel größeres Frustrationspotential?
    An sich habe ich gegen ein kurzes "Guten Tag!" und Geschnüffel an der Leine nichts einzuwenden. Vemutlich auch, weil nich mal das mit meinem ersten Rüden möglich war und ich es an sich ja jetzt toll finde, wenn sich der Kleine mit seinen Artgenossen so toll versteht. Wenn das allerdings Ursache für das sonstige Verhalten ist, dann stelle ich das wohl besser ein?

    Übrigens fand ich den Vergleich mit dem Kind an der Kasse sehr passend, BieBoss. ;)
    Wir haben ihm - um im Bild zu bleiben - also Süßigkeiten erlaubt, nur genau die, die er jetzt aber will, nicht. Nachvollziehbar, dass da Frustration aufkommt.

    Liebe Grüße und schon mal danke für die Denkanstöße!
    Madame Wunderlich

  • Wenn er genau weiß, an der Leine kein Kontakt, dann hat er auch keinen Grund, Theater zu machen.
    Meine Erfahrung!
    Wenn er mal darf und mal nicht, wird er es immer wieder probieren, und das Verhalten so gar noch verstärken, siehe "Variable Belohnung".

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