Hund rennt weg - und ich weiß nicht warum

  • Hallo zusammen,

    ich habe schon oft nützliche Tipps im Forum gefunden (zuletzt bei der Wahl des Urlaubsortes) als GAST - aber jetzt habe ich ein konkretes Problem. Dexter, unser junger, kastrierter Rüde, lebt seit 5 Monaten bei uns (er kommt aus dem Tierasyl in Serbien) und war nach relativ kruzer Eingewühnungsphase draußen auch ohne Leine unterwegs. Er war sicher zu stoppen und abrufbar - bis vor 3 Wochen. Von heute auf morgen erkenne ich den Hund nicht mehr wieder. Er patroulliert mit steifem Schwanz durch den Wald, rennt urplötzlich und pfeilschnell weg, rast in Kreisen (groß, ca 2-300 m) um uns herum, springt unaufhaltsam in tiefe Bombentrichter, rast zur Straße um einen Jogger zu stellen (bellt, beißt aber gottseidank nicht - bisher) und benimmt sich ganz allgemein völlig verrückt - draußen. Drinnen oder im Garten ist alles wie üblich - er ist zwar gerne wild und hat viel Energie, aber er ist auch gehorsam und respektvoll.
    Wenn er nicht in unserer Nähe ist, sondern draußen "abhaut" ist er nicht mehr abrufbar (was sonst eigentlich richtig gut klappt), er kommt zwar nach 30 sec. - 2 min. wieder und bleibt meist auch nicht sehr weit weg - aber er ist nicht kontrollierbar und viel, viel zu schnell, um ihn aufzuhalten. Und von jetzt auf gleich scheint es ihm um ALLES zu gehen, mal hat er die Nase am Boden wenns losgeht, mal sind sein Ziel andere Spaziergänger oder Hunde. Zum Beispiel hat er neulich, als wir einen Berg runtergingen, einfach kehrt gemacht, ist ca. 60 m zurück gerannt und hat dann in den Berg gekläfft. Weil mein Mann wissen wollte, was da ist, ist er zu ihm gegangen (sonst rufen wir und rennen weg, damit er folgt) - und hsat einen Hobbyfotografen gefunden, der sich mit Tarnschminke verunstaltet hat und im Busch saß - unsichtbar bei mehr als 2 m Entfernung. Aber komisch finde ich, dass Dex ihn ja vorher beim runtergehen ignoriert oder übersehen/überrochen hat - dann aber unter urplötzlich kehrt macht... Er hat vorher nicht gewittert oder so. Naja - ENDE vom Lied ist, dass er jetzt wieder NUR an der Schleppleine läuft und wir wieder so trainieren, wie ursprünglich auch... Ich hoffe es klappt auch wieder so gut wie beim ersten Mal - und das der Erfolg dann länger hält :() Was mich interessieren würde: Habt ihr ähnliches erlebt? Wie ging es bei euch weiter? Was habt ihr gemacht? Wie kann es sein, dass er sein Verhalten sooo plötzlich ändert (über Nacht!!)? Habt iht Theorien, WARUM er sich so verhält?? Es ist zum Teil natürlich jagen - wobei er die Tiere ja gar nicht aufstöbert, weil er vorher doch abdreht und zurück kommt... Ehrlich gesagt, ich bin ratlos. Unsere Hundetrainerin sagt auch nur, wir sollen wieder mit der Schlepp arbeiten und dafür mal locker 3 Monate rechnen... Vielleicht waren wir beim ersten Mal zu schnell... Aber ich hab Angst, dass das Training beim zweiten ANlauf nicht klappt bzw. wieder nicht lange vorhält...

  • Eine Idee, die ich außerdem hatte, war nach einem großen, abwechselungsriechen aber UMZÄUNTEN Gelände zu suchen, damit wir sozusagen ein Intensivtraining absolvieren können, ihm dabei aber nix passieren kann (vor allem keine AUTOS im Weg sind) - denn ich traue mich natürlich auch nicht, einfach mal wirklich selber WEG zu rennen, wenn er abhaut, weil ich Sorge habe, dass er auf der Suche nach mir Richtung Straße rennt...
    Ein Gelände, dass ich gefunden habe ist der Hof Hundeglück in Rhede - kennt den jemand??
    Ich bräuchte natürlich für so ein Intensivtraining interessante Gerüche, mit denen ich Spuren legen kann. Pferdemist, Hasen-Müll, Leckerchen, fremde Kleidung kann ich ja selber auslegen... Aber hat jemand eine Idee, wie oder wo man an Fuchs-Material kommt oder an etwas, das nach REH riecht? Denn ohne genügend Ablenkung wäre so ein Training ja reichlich unsinnig...

    DANKE im Voraus und Liebe Grüße aus dem Ruhrgebiet,
    Tarexter

  • Kann sein, das er jetzt in die Pubertät kommt und austestet, wie weit er gehen kann.
    Hilft nur ne Schlepp oder Flexi dran, denn so alleine laufen lassen kannste ihn nicht.
    Und dann neu aufbauen. Ist zwar Mist, aber so sind sie nun mal. ;)

  • :lol:

    Sorry, ich musste etwas Lachen beim Lesen Deines Beitrages, obwohl es natürlich nicht lustig ist (und ja auch teils wirklich gefährlich), wenn der Hund nun plötzlich meint, die Welt auf eigene Faust erkunden zu müssen.

    Das ist aber oft so bei Hunden aus dem Tierschutz, aus dem Ausland. Anfangs sind sie unsicher, bleiben nah bei ihren Menschen, um ja nicht verloren zu gehen. Woche für Woche gewinnen sie an Sicherheit, an Selbstbewusstsein und dann ... nun ja :D ... dann werden die Runden auch mal größer. Das ist nicht außergewöhnlich.

    Was hilft? Schleppleinentraining, Abruf immer und immer wieder üben und auch Spiel und Spaß, um die Bindung zu festigen. Anfangs ist ein umzäuntes Grundstück sicher hilfreich, aber viele Hunde wissen ganz genau, wann Abhauen möglich wäre oder nicht und verhalten sich innerhalb der eingezäunten Geländes anders als in "freier Wildbahn".

  • Ich reihe mich hier mal ein: Bin auch Hundebesitzer einer 3-4-jährigen Tierschutzhündin aus Kroatien.

    Ich musste bei deinem Beitrag an mich denken: Naiv wie ich war hat alles so super geklappt, der Hund blieb immer bei mir und kam sofort auf Ruf zurück. Da verliert man leider schnell den Blick für die Realität und denkt, dass man den Hund im Griff hat.

    Hast du aber nicht, keinen Hund aus dem Ausland wirst du innerhalb von 5 Monaten kennenlernen und er wird so gehorchen und alles aus deiner Sicht "richtig" machen können, wie es in Deutschland eben von Nöten ist.

    Meine fing innerhalb kürzester Zeit an, "ihres wahres Gesicht" zu zeigen (klingt finster, ist es aber nicht für mich kam Licht ins Dunkel), soll heißen: Sie fing an Jogger und Radfahrer zu jagen, allgemein zu jagen, andere Hunde anzuprollen, Besuch/ältere Menschen/Männer anzuknurren und zu wuffen ... sie kam nicht mehr zu 100 % auf Pfiff usw. usw.

    Das liegt einfach daran, dass dein Hund erst ankommen muss. Jetzt ist er sicherer, er kennt sein zuhause, kennt euch, kennt seine Umgebung. Jetzt testet er aus, was er darf, wie weit er sich z.B. entfernen kann, ob er wirklich auf Pfiff kommen muss. Der Jagdtrieb entwickelt sich nicht plötzlich, der war schon da, aber er war bisher zu unsicher in seiner Umgebung um sich damit "beschäftigen" zu können.

    Ich trainiere (wieder) immer noch mit der Schlepp (seit nem Jahr jetzt) und ich bin noch nicht so weit, dass ich sagen könnte ich lasse sie jetzt weg.

    Du musst dir vor allem Zeit lassen: Mich k**** die blöde Schlepp echt auch an, vor allem jetzt ... jetzt kommt die Regen- und Schneezeit und ich werde wieder aussehen wie Sau .. ekelig.

    Aber du musst den Hund und vor allem deine Umwelt jetzt erstmal sichern ...

    Du kannst leider nicht alles so schnell erwarten. Sei froh, dass er zu Hause ruhig und ausgeglichen ist und übe draußen eben mit der Schlepp. Viel Erfolg!!

  • Zitat

    Er war sicher zu stoppen und abrufbar - bis vor 3 Wochen. Von heute auf morgen erkenne ich den Hund nicht mehr wieder. Er patroulliert mit steifem Schwanz durch den Wald, rennt urplötzlich und pfeilschnell weg, rast in Kreisen (groß, ca 2-300 m) um uns herum

    dass ein durchmesser von 300 m zu groß ist, wirst du sicher wissen :D

    ich geb dir mal ein beispiel, was es sein könnte:

    Meine prollt gern große schwarze Hunde an ... sehr peinlich aber egal ... wenn ich mit ihr in der Fußgängerzone unterwegs bin dann ist sie so reizüberflutet von Geräuschen/Menschen, dass ihr ein anderer Hund (selbst wenn er sie richtig wüst "anmacht" - und das ist ihre Lieblingsdisziplin .. "Was?! Du prollst mich an? Na warte ich zeig dir ...") :lachtot: so egal ist wie sonst nichts. Das liegt einfach daran, dass sie mit anderen Dingen beschäftigt ist. Wenn wir im Wald sind und es wäre die gleiche Situation dann wäre sie mitten drin statt nur dabei beim rumpöbeln.

    Wat isch sagen will: Euer Hundi war vllt. bis jetzt damit beschäftigt, erstmal seine neue Umgebung "abzuchecken" und ist sicherheitshalber bei euch geblieben, um nicht allein im Wald zurückzubleiben ... jetzt kennt er seine Umgebung und hat jetzt Zeit für Stipvisiten, Tiere hetzen, Jogger stellen etc. pp. JETZT beginnt euer Training wirklich.

    Aber keine Sorge: Ihr schafft das. Ich hab das auch alles durch

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