Schleppleinentraining?

  • Hallo zusammen,

    nach ersten Tests mit meiner Hündnin im Freilauf musste ich leider feststellen, dass es ganz und gar in ihrem Ermessen liegt, ob sie auf Zuruf kommt oder nicht.
    An der Leine läuft sie perfekt, zieht nicht und hat den Abstand bei der Flexileine (8 oder 10m) nach hinten schon raus, sodass sie von alleine aufholt, ohne dass es ruckt.
    Nach vorne weg läuft sie nur ganz selten mal, und wenn dann nicht weit.

    Bezüglich des Freilaufs hab ich mir nun eine Schleppleine von 15m gekauft, werd sie aber wohl lieber auf 10m kürzen, damit sie sich nicht einen so großen Radius angewöhnt.
    Wie soll ich nun genau das Training angehen?
    Habe viele verschiedene Ansätze gelese, unter Anderem, dass man ne Zeit lang nichts anderes mehr außer der Schleppleine benutzen darf...??
    Ich muss bis zum Wald eine Hauptstraße passieren und mehrere Nebenstraßen, da kann ich nicht mit Schleppleine rumlaufen, ist mit viel zu heikel, selbst wenn ich sie kurz hab. Und dann würds ja auch keinen Unterschied zu meiner normalen Leine machen, oder?
    Reicht es also, wenn ich die Schleppleine nur zum expliziten Training mitnehme und ansonsten, so für die kurze Abendrunde usw die normale 2m Leine nehme?
    Wie genau habt ihr das Training angepackt?

    Was man zu meiner Hündin vielleicht wissen sollte:

    Ich hab sie erst 4 Wochen (sie sit 2 Jahre alt) und sie kannte vorher nix. Wenn sie abgelenkt ist, ist sie abgelenkt und reagiert im schlimmsten Falle gar nicht. Ansonsten hört sie eigentlich ganz gut, kennt ihren Namen und kommt dann auch (wenn sie an der Leine ist).
    Manchmal muss ich 2 mal rufen wenn sie ohne Leine ist, manchmal könnt ich 40 mal rufen bis sie kommt.
    Leider ist sie auf Leckerchen nicht so gallig, als dass man sie in jeder Situation damit locken könnte und ein motivierendes Zurufen, damit sie kommt, wenn sie da so steht und mich aus 10m Entfernung "anglotzt", funktioniert auch nur manchmal...

    Würde mich über einige hilfreiche Tipps oder Erfahrungsberichte sehr freuen :)

    Liebe Grüße

  • Die Schleppleine soll ja anstelle des Freilaufs fungieren von daher ist es schon ok wenn sie an der Strasse mit normaler Leine läuft.
    Du solltest auf jeden Fall viel Rückruftraining an der schleppe machen, aber da können die andere bestimmt genauere und bessere Trainingsanweisungen geben.
    Warum soll dein Hund sich später nur 10 m im Freilauf von dir entfernen dürfen? Ich finde das sehr wenig. Hat es einen besonderen Grund?

  • Ich würde den Hund ganz normal an der kurzen Leine führen und die Schlepp sozusagen als Freilauf-Ersatz dranmachen. Dann aber nicht leinenmässig benutzen, sondern nur als Sicherung.
    D.h. Kein heranziehen mit der Schlepp. Wenn der Hund auf Ruf nicht kommt, wortlos umdrehen und in die andere Richtung gehen. Wenn er auf Leckerli nicht steht, vielleicht auf Spieli?
    Musst du ausprobieren und dann kleinschrittig den Rückruf aufbauen.

    Der Vorteil der Schlepp ist u.a., dass DU entspannter bist, weil Fiffi nicht abhauen kann.

    LG

  • Natürlich kannst du die normale Leine nehmen. Wir nutzen die Schleppleine nur für Situationen, in denen später auch mal Freilauf angedacht ist. Wir haben außerdem ein Anlein- und ein Ableinsignal (also wenn zur Schleppleine gewechselt wird), das ich auch gebe, wenn die Leine ganz abgemacht wird.

    Die Schleppleine dient bei mir nur und ausschließlich zur Sicherung und zur eigenen Sicherheit!!! Das heißt, es wird nciht an der Leine gezogen, geruckt und auch kein Kommando mit ihr durchgesetzt. Sie ist nur dran, um zu verhindern, dass der Hund unerwünschtes Verhalten zeigen kann. Wenn der Hund nicht reagiert, dann muss ich mir Gedanken machen, was ich falsch gemacht habe im Aufbau meines Signals - denn später hab ich die Leine ja auch nicht mehr.

    Wen du einen 10 Meter Radius haben möchtest, dann kannst du durchaus eine 15Meter-Leine nehmen. Vielleicht markierst du die letzten 5 Meter mit einem Knoten oder Bändchen und hast noch 5 Meter Spielraum, um zu reagieren, wenn der Hund doch mal den angedachten Radius überschreitet.
    wenn ich an der Schleppleine arbeite, dann ist mein Ziel, dass der Hund NIE, wirklich NIE das Ende der Leine erreicht, deshalb rufe ich schon vorher zurück, gebe ein Leinenendesignal(das natürlich vorher aufgebaut werden muss) oder markere jede Aufmerksamkeit und jedes freiwillige Stehenbleiben(bei Vorausläufern) oder Mitkommen (bei Hinterherhängern).

    Zum Rückruf: den würde ich auch systematisch aufbauen. Erst mit keiner Ablenkung üben und dann die Ablenkung stückchenweise steigern... und während das SIgnal noch nicht gefestigt ist, rufe ich nie in Situationen, in denen der Hund nicht auf das Signal hören kann (weil Ablenkung zu stark o.ä.) Dann greife ich lieber erstmal auf Managementmaßnahmen zurück.

  • Zitat

    Bezüglich des Freilaufs hab ich mir nun eine Schleppleine von 15m gekauft, werd sie aber wohl lieber auf 10m kürzen, damit sie sich nicht einen so großen Radius angewöhnt.


    Musst du eigentlich nicht. Wie schon von anderen erwähnt, kannst du dir ja bei 5m und 10m eine Markierung machen, um in der Anfangszeit nicht die volle Länge der SL nutzen zu müssen. Das ist sogar ganz schlau, weil es durchaus sinn macht, den Abruf mit einer kurzen Distanz zu beginnen und sich nach und nach zu steigern. Denn eins ist klar: wenn der Hund bei 3m Entfernung nicht auf den Abruf reagiert, dann tut er das auch nicht bei 15m :-)
    Du könntest so gesehen das Training sogar mit deiner 2meter Leine beginnen (aber bitte nicht mit der Flexi). Wenn deine Hündin so gar nix kennt, außer ihren Namen, dann würde ich sogar ohne Leine im Wohnzimmer anfangen. Das Prinzip ist immer das gleiche: vorab rausfinden, was sie als Belohnung so richtig toll findet (Leckerlie, Spielchen, streicheln....). Dann ein Kommando überlegen, auf dass sie zu dir kommen soll, wie zb: "Hier" oder "zurück". Was ich nicht empfehle, ist das rufen des Namens, ohne ein darauffolgendes Signal.

    Tja, der Rest ist Standard: Hund zu dir "locken" (zu beginn darfst ruhig mal "locken", um ihr klar zu machen, das es sich
    lohnt, wenn sie zu dir kommt) und sie dafür jedesmal belohnen. Wenn das ein paar mal geklappt hat, dann das Kommando einführen und es jedesmal sagen, wenn sie bereits auf dem weg zu dir ist. Darauf folgt natürlich wieder eine tolle Belohnung. Das dann in kleinen Schritten und in ablenkungsfreier Umgebung oft wiederholen und den Schwierigkeitsgrad steigern und Details einbauen (Vorsitz, Geschwindigkeit usw). Bis der Abruf richtig klappt kann das übrigens 2-6 Monate dauern. Also nicht verzagen, wenn es sich hinzieht oder manchmal so gar nichts hinhauen will.

    Zitat

    Habe viele verschiedene Ansätze gelese, unter Anderem, dass man ne Zeit lang nichts anderes mehr außer der Schleppleine benutzen darf...??
    Ich muss bis zum Wald eine Hauptstraße passieren und mehrere Nebenstraßen, da kann ich nicht mit Schleppleine rumlaufen, ist mit viel zu heikel, selbst wenn ich sie kurz hab. Und dann würds ja auch keinen Unterschied zu meiner normalen Leine machen, oder?


    Du könntest hier quasi zwei Dinge parallel trainieren. Zum einen, dass Hundi von deinem Haus bis zum Wald an der kurzen Leine gehen und nah bei dir bleiben muss. Und zum anderen, dass der Freilauf bzw. die Schleppi ab einem bestimmten Punkt auf Kommando beginnt. Der Hund versteht das, wenn es konsequent durchgeführt wird.

    Ich habe das früher auch so gemacht, dass ich mit der kurzen Leine los bin, dann ab einer bestimmten Stelle die SL dran- und die 2m-Leine abgemacht habe. Hundi sollte dann noch ein paar Meter neben mir laufen, dann hab ich das Freilaufsignal gegeben. "Freilauf" war dann in diesem Fall die lange SL.

    Letztenendes kannst du es so machen, wie du willst. Aber bitte so, dass es deine Hündin versteht und verinnerlichen kann. Bei mir hat es sich so herauskristallisiert, dass ich die 5m SL mittlerweile zur allgemeinen Gassi-Leine nutze. Die 2er wird nur in der Stadt eingesetzt und die 15-20m SL ganz selten zum Training, zur Zeit der Leinenpflicht oder im Urlaub/Ausland, wenn ich Hundi nicht laufen lassen kann.

    Zitat

    Manchmal muss ich 2 mal rufen wenn sie ohne Leine ist, manchmal könnt ich 40 mal rufen bis sie kommt.


    Wenn sie nach dem 2ten mal nicht kommt, würde ich sie "abholen", also zu ihr hingehen, sie kommentarlos anleinen und mitnehmen. Ohne Stress, Ärger oder Bestrafung. Sieh es als Feedback, dass dir sagt: Hundi ist noch nicht so weit :-)

    Zitat

    Leider ist sie auf Leckerchen nicht so gallig, als dass man sie in jeder Situation damit locken könnte und ein motivierendes Zurufen, damit sie kommt, wenn sie da so steht und mich aus 10m Entfernung "anglotzt", funktioniert auch nur manchmal...


    Wie schon beschrieben kannst du versuchen rauszufinden, was sie ansonsten motiviert bzw. mit was du sie belohnen kannst. Bei den Leckerlies kann man kreativ sein und von Katzenfutter aus der Dose bis zu angebratenen Fleischstücken alles ausprobieren. Du musst die sogenannten "Superleckerlies" auch nicht auf ewig einsetzen, sondern nur in der Anfangszeit des Trainings, um es spannend zu halten und sie später ausschleichen, also langsam wieder abbauen.

    Das sie manchmal gar nicht reagiert kann übrigens auch daran liegen, dass sie einfach nicht gewohnt ist, auf irgendwen zu hören. Du schreibst ja, dass sie bisher nichts kennt. Sei geduldig und kreativ, irgendwann macht es bei ihr (bzw: euch) "klick" und es läuft. Ich hatte vor 3 Jahren genau so eine Hündin, kenne die Situation also ;-)

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