Hundebegegnungen an der Leine - Dogge hat Angst

  • Hallo Foris,

    ich habe ein kleines Problem mit meiner 9 Monate alten Dogge.

    Sie ist kürzlich an der Leine von einem freilaufenden Hund gebissen worden, als mein Mann mit ihr unterwegs war. Mein Mann hat den anderen Hund zwar schnell vertrieben, trotzdem kam es zu ein, zwei Bissen (zu Verletzungen führten diese aber nicht), obwohl unsere Hündin sich beschwichtigend auf den Rücken drehte, kreischte und pinkelte.

    Seit dem verfällt die Lütte bei Hundebegegnungen an der Leine in Panik und versucht den entgegenkommenden Hund mit aufgestellter Bürste zu verbellen, wobei sie sich in die Leine stemmt und nicht mehr ansprechbar ist.

    Leider ist unsere Hundeschule noch bis Mitte des nächsten Monats geschlossen, so dass ich mir im Moment keine professionelle Hilfe holen kann. Um die Sache nicht noch zu verschlimmern, versuche ich Hundebegegnungen an der Leine weitestgehend zu vermeiden, was aber nicht immer möglich ist.

    Übrigens hat sie jetzt nicht generell Angst vor anderen Hunden. Bei Begegnungen ohne Leine ist alles ok und sie ist nach wie vor freundlich und kontaktfreudig. Auch wenn wir mit Leine an einem bellenden Hund vorbei müssen, der hinter einem Zaun ist - also nicht auf uns zu kommt - gibt es keine Probleme.

    Leider habe ich keine Erfahrungen mit verängstigten Hunden, deswegen möchte ich fragen, wie ich mich bei Leinenbegegnungen, die sich nicht vermeiden lassen, richtig verhalte. Ich möchte ihre Angst ja nicht noch verschlimmern. Habt ihr Tipps für mich?

    Viele Grüsse
    Annika

  • Lies das Buch: Calming Signals Workbook von Turid Rugaas - das wird dir helfen! Das Calming Signals am besten gleich dazu.
    Dein Hund hat Angst, das ist ja ganz verständlich! An der Leine kann man sich nicht wehren, schlechter kommunizieren und schon garnicht flüchten - das ist der Grund warum "leinenaggressive" Hunde ohne Leine problemlos sind. Und weil sie die negative Erfahrung mit der Leine verknüpft haben.
    Übe mit ihr - aber nicht in Konfrontation, sondern auf Abstand. D.h.:

    fremder Hund weit weg am Horizont - solange sie fröhlich und normal ist: belohnen (wie auch immer)
    über Tage und Wochen hinweg immer näher an den anderen Hund - am besten nicht frontal, sondern miteinander - den frontal für Hunde oft = Konfrontation

    Mute deinem Hund keine unangenehmen Begegnungen zu - nicht an bellenden Hunden vorbeigehen, große Bögen um fremde Hunde machen (du läufst zwischen Hund und Hund um zu splitten). Lass deine Hündin KEINE schlechten Erfahrungen mehr machen, denn das würde alles nur verschlimmern. Jetzt hardcore direkt mit anderen zu üben wäre - kontraproduktiv um es mal nett auszudrücken ;-) Sie muss erst mal wieder lernen, dass andere Hunde nicht automatisch was schlimmes bedeuten.
    Good Luck :-)

  • Hallo Ceridwen, hallo Darwin,

    vielen Dank für eure Tipps. Ich werde beide beherzigen (sie zielen ja mit dem Üben auf Distanz auf Ähnliches ab) und mir auch die vorgeschlagenen Bücher zu den "Calming Signals" zulegen.

    Ich habe mir schon gedacht, dass wir erstmal von ganz weit weg anfangen müssen.

    Mit "Zeigen und Benennen" konnten wir durch Zufall (nachdem ich die Anleitung hier gelesen habe) heute schon anfangen. Da in weiter Entfernung eine Dame intensiv mit ihrem kleinen Hund spielte, hatten wir ein perfektes "Übungsopfer". Ich habe ihr Hinsehen geclickt und belohnt. Klappte super. Schon nach 3 Clicks fing mein Hund an abwechselnd den kleinen Wuff und dann wieder mich anzusehen. Ich bleibe geduldig dran.

    Ich hoffe, das wird wieder und das wir in nächster Zeit nicht in all zu viele Situationen geraten, in denen gleichzeitig von vorn und hinten ein fremder Hund auftaucht.

    Ich danke euch ganz herzlich.

    Viele Grüsse
    Annika

  • Meine Maus hat auch Angst vor anderen Hunden - langwierig schlechte Vergangenheit.. ich möchte ihr den Kontakt nicht zwingend antrainieren (in ihrem Zustand auch weniger gut möglich) aber ein bisschen Üben wir nach Möglichkeit dann schon. Mit dem richtigen Management kriegt man das super hin. Wir nehmen nur Wege wo wenig Betrieb ist - ich hab trotz Dauerfreilauf die Leine für den Notfall immer dabei - wenn der Weg breit genug ist, und der Entgegenkommende ein ruhiger ist, üben wir das im-Bogen-vorbeigehen. Nur mit all dem (bei ihr ohne Leckerchen) sind wir von "oh Gott ein Hund ich leg mich hin, zittere und hoffe ich kann sterben" zu einem "Oh Mama.. ein Hund.. ich hab bisschen Schiss aber geh langsam weiter" gekommen. :2thumbs: In der Ruhe liegt die Kraft! Versuch es nicht zwingend sofort hinzukriegen! Good luck!!

  • Moin Darwin,

    ich werde mich langsam wieder mit ihr an die Sache rantasten. Geduld liegt mir.

    Als ich mir eine Dogge zulegte, war ich mir bewusst, dass es einige Dinge gibt, die bei einem solch grossen Hund einfach möglichst früh sitzen müssen, z. B. dass der Hund niemanden anspringt und dass der Abruf sitzt, damit die Dogge keine Spaziergänger verletzt oder verängstigt. Leinenführigkeit gehört auch dazu. Ich denke man muss schon ein Schwarzenegger sein, um eine ausgewachsene Dogge zu halten, die an der Leine zieht, ohne sich ständig Muskelfaserrisse und Schürfwunden zuzuziehen. ;D

    Deswegen habe ich diese 3 Dinge mit ihr gewissenhaft geübt, seit ich sie habe. Jeden Tag ein bischen. Je besser sie sich benimmt, desto mehr Freiheiten kann ich ihr gönnen. Sie springt niemanden mehr an und sie kommt zuverlässig auf Abruf. Sie lief auch schon wirklich toll an der Leine... Und dann ist da ein Idiot, der seinen aggressiven Hund freilaufen lässt und ein Grossteil der ganzen Arbeit ist für die Katz'.

    Noch vor kurzer Zeit, haben Kleinhundebesitzer zwar skeptisch geguckt, wenn ich mit meiner Riesin auf sie zu kam, aber wenn sie gesehen haben, wie nett mein Hund ist, kam es sehr oft vor, dass wir unsere Hunde zum Spielen abgeleint haben.
    Ich finde es sehr schade, dass meine Hündin wegen dieses Vorfalls nun viel weniger Hundekontakt hat. Wenn möglich bleiben wir auf Distanz - also nix mit spielen - und wenn das nicht geht, und meine Lütte an der Leine loslegt, lässt natürlich auch kein Mensch mehr seinen Hund freiwillig mit meinem spielen.
    Das Training, das nun auf uns zukommt, stört mich gar nicht so sehr, aber die Konsequenzen für meinen Hund während dieser Zeit machen mich schon traurig. Sie blüht richtig auf, wenn sie mit Artgenossen spielt. Ich hoffe deswegen sehr, dass wir das derzeitige Problem auf absehbare Zeit in den Griff bekommen - damit das Hundeleben wieder schöner wird.

    Ich danke Dir noch mal!

  • Hört sich sehr gut an, was du da sagst - Geduld ist das Gold in der Hundeerziehung.

    Leider haben die wenigsten meiner Kunden soviel Geduld, wie es eigentlich vonnöten wäre! Ich merke oft, dass Hundtraining Dinge verschlimmert. Sei es falsche Methoden, oder einfach zu wenig Geduld. Das Hundetraining ist eine lebenslange Aufgabe - kein Hund lernt in der Pubertät und hört dann auf (oder Besitzer kann dann aufhören), so wie das manche Besitzer gerne hätten.

    Meine Süße und ich haben unseren ganz individuellen Weg gefunden - sie ist sozusagen "meine Doktorarbeit" --> wie schaffe ich es, dass mein Hund Menschen (evtl auch Hunde) liebt - und das von ganz alleine? Hört sich leicht an - ist bei uns aber mittlerweile schon ein Akt von fast 2 Jahren! WENN mir eine Seele auf dieser Welt Geduld beibringen kann - dann Sie! Denn ich will VERDAMMT NOCHMAL :ops: , dass Sie mich meinetwegen liebt - und nicht wegen Leckerchen, weil sie muss, oder oder oder.. :gott: Zusätzlich ist die Maus eine Studie zum Thema: Was können Mensch in wenigen Jahren in einer Seele zerstören und ist eine Seele reparabel?

    Also: viel Geduld :-) Und immer lieber VIEL zu langsam, als ein bisschen zu schnell. Such dir doch vllt bestimmte Hundebesitzer, für private Spaziergänge oder Spielstunden, damit sie den Kontakt zu anderen Hunden behält.

  • Hallo,
    du hast ja schon tolle Tipps bekommen. Vielleicht kannst du ja jemanden dessen Hund du kennst und der verträglich ist mit deiner zusammenbringen und die beiden an der Leine langsam Kontakt aufnehmen lassen. Wenn du das regelmäßig machst verliert sie vielleicht die Angst. Je mehr positive Leinenbegegnungen ihr habt desto schneller wird sie die schlechte Erfahrung vergessen.

    Viel Glück und alles Gute

    LG Andrea

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