Unsere Hündin hat solche Angst :-(

  • Halli hallo!


    Wir kommen gerade von einem Schreckmoment und den würde ich gerne mit euch teilen, auch um mir ein wenig Rat zu holen.
    Vor ca. einem Jahr haben wir uns vom Züchter eine damals bereits schon 9 Monate alte Golden Retriever Hündin geholt. Beim Züchter war alles soweit in Ordnung, dieser ist auch in sämtlichen Verbänden, wir haben Stammbäume, Unterlagen, VDH etc. bekommen. Die Hündin vor bei den "Vor Ort" Terminen auch recht aufgeschlossen.
    Auf die Frage hin, warum sie (die Hündin) noch "da ist", meinte die Züchterin, dass man bisher halt keinen gefunden habe, der sie aufnehmen wollte und mit denen auch die Züchter einverstanden waren.
    Merkwürdig kam uns das vor, auch, weil im Kaufvertrag bzw. den Papieren beispielsweise schon getippext wurde, aber wir haben uns nichts dabei gedacht. Eine Narbe auf dem Kopf betitelte die Züchterin mit "naja, da ist sie mal in einem Drahtzaun hängengeblieben". Kann ja mal passieren, denkt man sich, und das Tier ansich war auch anhänglich und neugierig.

    Wir holten sie also ab und es ging "nach Hause". Doch da war die Hündin komplett anders. Wir haben sie erstmal in Ruhe gelassen, obwohl es schon eine "Qual" war, dass sie mit ins Haus kommt, da sie dieses partout nicht wollte.
    Innerhalb der nächsten Tage besserte sich das ganze immer mehr und unsere "Kleine" wurde, wie sie auch heute noch privat zu uns ist. Sehr anhänglich, sehr verschmust und aufgeweckt.
    Anderen Menschen, die sie noch nicht kennt, ist sie immer sehr angstvoll gegenüber. Wenn derjenige erstmal ein wenig da ist, und sie eventuell noch streichelt, dann ist es bei den nächsten Malen auch kein Problem und sie kommt freiwillig und schwanzwedelnd an, wo sie beim Erstkontakt noch die Rute eingekniffen hat. Bei Fremden knurrt sie jedoch nicht, schnappt nicht, hat nur tierisch viel Angst vor allem Neuen und am Anfang auch bei jedem lauteren Geräusch, obgleich sie den Wesenstest laut Züchterin tadellos bestanden hatte.
    Nun gut, da wir unsere Kleine ja lieben, haben wir uns damit abgefunden, dass sie Fremden gegenüber erstmal sehr skeptisch ist und nicht schwanzwedelnd auf sie zurennt.
    Vor ca. 4 Monaten mussten wir unseren Hund zur HD/ED Röntgenuntersuchung bringen. Erstmal war das kein Problem, aber die Vollnarkose muss ihr einen Knacks gegeben haben.
    Letzte Woche dann waren wir bei einer TA Untersuchung, weil sie sich eine kleine Augenverletzung zugezogen hatte und noch eine Impfung bekam. Sie hat sich hochheben lassen auf den Tisch, hat sich dabei aber ganz an mich gepresst und gezittert. Auch Leckerlis will sie dann nicht. Aber kein Knurren oder sonstiges.

    Heute jedoch kam das Schlüsselerlebnis bisher.
    Wir waren zur Nachkontrolle und kamen in denselben Raum wie damals zur Vollnarkose (ich weiß nicht, ob das damit zusammenhängt). Jedenfalls wollte sie erst nicht in den Raum. Als ich sie dann auf den Tisch heben sollte, verkroch sie sich. Ich hatte sie dann angehoben und auf den Tisch gesetzt, aber dann ging das "Spektakel" los.
    Sie knurrte, wand sich und schlussendlich, als dann auch die anderen (Pflegerin und Ärztin) mit festhalten wollten und "anfassten", weil eben, so denke ich, das für jeden eine Stresssituation war, drehte sie sich um und schnappte ein paar Mal so in so einer "Knabber" Marnier. Also nicht richtig gebissen oder so, aber unsere Hündin erwischte mich eben an der Hand und hinterließ zwei "Ratscher", also Haut ab durch die Zähne. Ebenfalls kotete sie etwas und hinterließ Drüsensekret auf dem Tisch. Riecht alles andere als angenehm, ist hier aber überhaupt nicht das Problem. :-)
    Die TA wollte es dann mit einem Maulkorb noch einmal probieren. Das Aufsetzen ging, aber als es dann hochgehen sollte, knurrte sie erneut und riss sich den von meiner Partnerin wohl aus "Unkenntnis" nicht festgenug gemachten Maulkorb ab. Dieses Mal jedoch ohne schnappen.
    Die TA behandelte sie dann am Boden, was ohne Probleme ging und später auch, als sich die TA ein wenig mit ihr beschäftigte und sie streichelte und massierte, mit einem kleinen Schwanzwedler, aber trotzdem mit dem anschließenden Verstecken hinter Frauchen, quittiert wurde.
    Nun sind wir wieder zu Hause und haben sie erstmal in ihren Schlafraum gebracht. (Normalerweise schläft sie ständig bei uns im Zimmer/ teilweise Fußende im Bett)
    Ich bin mir halt total unschlüssig, was wir machen sollen.
    Erstens habe ich meinen Hund so noch nie erlebt, also Knurren und Schnappen. Zweitens hört man immer wieder, dass sowas auch nicht vorkommen darf. Drittens wüsste ich natürlich gerne, was in ihr vorgeht, warum sie das macht, wie ich ihr helfen kann etc.
    Man lebt Tag für Tag, Nacht für Nacht mit dem Tier zusammen und dann passiert so etwas. Wir sind im Moment sehr verunsichert.

    Tut mir leid, dass der Text etwas länger geworden ist, vielleicht gibt es ja aber den einen oder anderen mit netten Tipps, Erfahrungen (?) und Ratschlägen.

  • Ich habe hier auch so eine Kandidatin, die seit einer Narkose meint, dass der der TA sie fressen will. Wir sind momentan fast wöchentlich beim TA, aber nicht zur tierärztlichen Behandlung.
    Erst waren wir nur auf dem Parkplatz vor der Praxis, dann im Flur, mittlerweile sind wir auch schon mal im Behandlungsraum. So lange, wie der Hund ansprechbar ist, arbeite ich ein bisschen mit ihr und es gibt Leckerlies. Gerät sie wieder in ihren Angstrausch, weiß ich, dass ich es übertrieben habe. Dann geht es wieder einen Schritt zurück. Neulich musste sie tatsächlich mal zur Behandlung auf den Tisch, das hat uns ein wenig zurück geworfen, aber nicht so doll, wie ich befürchtet hatte.
    Es ist nervig, man fühlt sich am Anfang ziemlich albern, aber ich wollte nicht, dass sie irgendwann mal ernsthafte Schmerzen hat und dann auch noch Panik schiebt. Nun habe ich das Glück, dass es mir meine Arbeitszeiten erlauben, zu günstigen Zeiten in die Praxis zu kommen. Wäre das nicht möglich, hätte ich nach einem anderen TA geguckt, quasi als "Neustart".
    Habt ihr denn sonst mal einen Profi gucken lassen? Diese ganze Vorgeschichte bei den Züchtern klingt ja schon ein bisschen merkwürdig...

  • Soviel vorweg: natürlich darf ein Hund knurren und schnappen,wenn er so klare Warnsignale sendet,
    und trotzdem zu dem gezwungen wird,was er offenbar auf gar keinen Fall will.
    Meine Hündin hat zum Glück nicht so ein Tierarzttrauma,aber findet es trotzdem besser,wenn sie auf dem
    Boden der Praxis behandelt wird.Und natürlich macht die Ärztin das dann auch.
    Wenn man darüber hinaus dem total gestressten Hund auch noch einfach nen Maulkorb anzieht muss
    man kein Hundepsychologe sein,um zu verstehen,dass das die Situation kaum verbessern wird.
    Meiner Meinung nach braucht man bei ängstlichen Hunden ein ziemlich sensibles Händchen und eine Menge Geduld und Empathie,um an dieser Symptomatik zu arbeiten.
    Also,lieber professionelle Hilfe holen,bevor man da selbst dran rumexperimentiert!

  • :gut:


    ...auch wenn man dafür nicht unbedingt einen Trainer braucht ;)


    Die Lütte hat ja anscheinend immensen Stress und Angst. Wer weiss, was sie
    alles so erlebt hat ?! Und solche Situationen schaukeln sich auch gerne mal hoch.

    Also erstmal Maulkorb-Training ( also Leberwurst :D ) und ggf. mal beim TA vorbeischauen ohne Untersuchung oder Tralla und positive Verknüpfungen herstellen ;)
    sicherlich etwas lästig aber hilfreich.

    Grüße
    Susanne

  • Hi,

    Zitat


    Wenn man darüber hinaus dem total gestressten Hund auch noch einfach nen Maulkorb anzieht muss
    man kein Hundepsychologe sein,um zu verstehen,dass das die Situation kaum verbessern wird.

    Öhm, soll sich der TA in die Hand beißen lassen und dadurch im schlimmsten Fall arbeitsunfähig werden :???:
    Ängstliche Hunde sind nunmal manchmal unberechenbar und ein TA muss sich hier auch selbst schützen, wenn die Behandlung eben nötig ist!

    Aber zum Thema:
    Ich kenne die Sache selbst. Die Hündin meiner Eltern hatte mal einen Unfall, wurde in der Tierklinik operiert und ist seitdem beim Tierarzt nicht mehr durch die Tür gegangen. Gerade als sie älter war, musste sie dann leider öfter hin.

    Was ich machen würde:

    1. macht ein Maulkorb-Training mit ihr! Ein Hund kann lernen, den Maulkorb zu akzeptieren, genauso wie er auch das Halsband oder Geschirr ohne Probleme trägt. So macht der Maulkorb zumindest in der TA-Situation nicht zusätzlich Stress, wenn er mal nötig sein sollte.

    2. Tierarzt-Training Zuhause: Übt - am Besten täglich - mit ihr, dass ihr sie überall anfassen könnt. Pfoten, Ohren, ins Maul schauen etc. Wenn ihr das mal ne Weile gemacht habt, sucht euch fremde Menschen, die sie überall anfassen. Anfangs Leute, die sie schon recht gut kennt und mag, dann zunehmend Leute die sie nicht so kennt. So lernt sie die Situation in einem entspannten Umfeld besser kennen.

    3. Übt, wie schon vorgeschlagen, beim Tierarzt. Fragt, ob ihr regelmäßig vorbeikommen dürft. Geht rein, stellt sie auf die Waage, vielleicht haben Tierarzt oder Helfer Zeit, sie mal auf den Tisch zu setzen und zu "untersuchen" etc. Alles immer so langsam und Schritt für Schritt, dass sie mit der Situation klarkommt.

    Das ist natürlich alles sehr sehr viel Arbeit. Ihr werdet wahrscheinlich nur in Minischritten weiterkommen. Einen anderen Weg sehe ich aber nicht.

    Unterstützend könnt ihr natürlich auch noch mit anderen Entspannungsmethoden arbeiten, z.B. Bachblüten oder Massagen.

    lg,
    Sanne

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