Toby bellt Menschen an...

  • Ich hab ein Problem mit unserem Toby

    Kurz zur Vorgeschichte.
    Wir haben Toby im Juli aus dem Tierheim geholt, da war er ca. 4 Monate alt und 3 Wochen dort. Er kam aus Ungarn. Dort wurde er als Welpe zusammen mit seiner Schwester einer Tierschützerin vor die Tür gelegt (so wurde uns gesagt) – Durch Zusammenarbeit mit unserem Tierheim kam er dann nach D.

    Also seit Juli haben wir ihn. Anfangs war er total brav, lief bald ohne Leine, hörte gut, wenn wir ihn riefen. War immer um uns rum und wir hatten das Gefühl, er war froh, uns gefunden zu haben. Von Zeit zu Zeit traute er sich immer mehr (dies registrierte ich aber ehrlich gesagt erst im nachhinein), hörte nicht mehr so gut usw. – fing an zu buddeln, nach Mäusen zu graben usw., wenn ich rufe, schaut er erst mal in die andere Richtung ob was wichtig ist…

    Wir waren viel mit ihm unterwegs, er hatte vor fast allem Angst, da er es ja nicht kannte. Aber das legte sich. Wir trafen viele Hunde, viele Menschen, die er anfangs auch an sich ran lies…. das drehte sich aber und mittlerweile spielt er zwar mit den Hunden, bellt aber die Menschen an, teils so schlimm, dass ich Angst habe, er schnappt mal.

    Dieses Wochenende waren nun meine Eltern zu Besuch und auch da bellte er die ganze Zeit, knurrte und schnappte auch in die Luft. Er steigert sich dann völlig rein, hört nicht, Nackenkamm stellt sich auf, Rute steht fest und er knurrt und bellt – dann wieder, meine Mutter sitzt in der Küche und redet mit mir, wir beachten den Hund nicht, Toby nähert sich, schnuppert, schleckt sogar die Hand. Sobald sie ihm aber Aufmerksamkeit schenkt ändert sich sein Geschlecke in Knurren und Bellen!

    Ich weiß nicht, wie ich ihm das abgewöhnen kann. Habe ich ihn draußen an der Leine, geht es mittlerweile wunderbar, läuft er frei, um mit anderen Hunden zu spielen (das geht ja schlecht an der Leine/Schleppleine etc.) hört er zwischen dem Spiel plötzlich auf, läuft zu den Menschen und bellt sie fürchterlich an. Diese reagieren oft unterschiedlich.
    Ich vermute, er hat Angst. Aber wie kann ich ihm dabei helfen?

    Das Problem ist die Zeit zwischen spielen - hinrennen zu den Leuten – ihn dann zu fassen zu kriegen. Dann ist er wie irr und hört nicht mehr….egal was ich anstelle.

    Auch buddelt er nach Mäusen und lässt sich von nix abbringen, nur ihn da wegholen...

    Ich weiß, dass jetzt viele zu einem Hundetrainer raten, aber im Moment ist dieses Geld einfach nicht drin.... und ich hoffe hier auf Unterstützung.
    Ich hatte von Jugend an immer Hunde, aber nie so ein Problem.

    Ich bin gern zu mehr Auskunft bereit - bitte fragen, wenn es dem Problem dienlich ist - bin wirklich für jeden Rat dankbar, denn ich bin immer sehr niedergeschlagen, wenn ich ihn mal wieder aus so einer Situation rausholen muss.
    Danke

  • Hm,

    Hundetrainer, der sich das Ganze mal ansieht, ist wirklich nicht schlecht.

    So vom Lesen her, klingt es so, als ob Dein Kleiner ganz schön unsicher ist.
    Mit vier, knapp fünf Monaten fängt für viele Hunde auch die sogenannte Unsicherheitsphase an. Wie lange diese dauern kann, ist immer unterschiedlich. Dann könnte sein Verhalten damit erklärbar sein.

    Daß er nun nicht mehr "so gut hört", ist typisch Pubertät :D
    Da hilft es nur, konsequent zu sein, und am Ball zu bleiben.
    "Will" er nicht hören, dann kommt halt die Leine öfters zum Einsatz, oder die Schleppleine.
    Wichtig für Dich ist dann halt, daß er kein Erfolgserlebnis hat, wenn er mal "ungehorsam sein will".

    Das gleiche Spiel beim Mäusebuddeln. Willst Du es nicht, Leine dran und weiter. Er hat nur eine Chance, zu hören und "richtig" zu reagieren.

    Nur wenn ein Hund wild bellt, muß er nicht gleich schnappen.
    Die Menschen werden ja wohl auch Abstand halten, wenn der Kleine sich so aufführt, oder?
    Aber Du könntest die Menschen "schön füttern". Immer, wenn er ruhig ist, bekommt er zu Belohnung etwas. Er wird dann merken, daß es sich viel eher lohnt, die Klappe zu halten, als Theater zu machen.

    Beim Besuch zu Hause.
    Weise ihm einen Platz zu, und zwar so, daß er dort wirklich seine Ruhe hat. Er sollte nicht alles im Raum beobachten können. Besucher sollten ihn ganz in Ruhe lassen, ihn auch nicht anschauen. Damit scheint er (noch) nicht klar zu kommen.
    Wenn er von sich aus Kontakt auf nehmen will, soll er ruhig mal kurz schnuppern. Dann bring den Hund wieder an seinem "sicheren" Platz.

    Gib ihm einfach mehr Sicherheit. Zeig ihm, daß er sich bei Dir "verstecken" kann, wenn ihm was nicht behagt.
    Der Rest sollte mit der Zeit dann schon von alleine kommen.

    Alles Gute
    SheltiePower

  • Danke für die schnelle Antwort.
    Das heißt dann, dass es eine Phase ist, sozusagen Pupertät und das gibt sich wieder?
    hm, beim Mäusebuddeln hatte er sein Erfolgserlebnis, als er tatsächlich eine Maus erwischt hat und seither ist es vorbei.... jedes Mäuseloch wird inspiziert.... könnte ja sein.
    Ok, werd die Schleppleine mehr zum Einsatz bringen, was ich mir aber sehr schwierig vorstelle, hier ein Baum, da ein Mensch usw usw... wird bestimmt lustig....

    mit dem Bellen bin ich mir nicht so sicher, dass er auch mal schnappt, er ist schon immer verdächtig nah an den Menschen (auch an meiner Mutter) dran gewesen - ich dachte eigentlich mal er hätte geschnappt, sie sagt aber nein..
    Meine Eltern haben ihn völlig ausser acht gelassen, trotzdem hat er, wenn er z.B. in die Küche ging oder zum Trinken etc. und an ihnen vorbei musste, immer wieder angebellt, auch wenn sie ihn gar nicht angesehen hatten, kam immer ein geknurre. Auch Leckerli halfen nichts bzw. nur für die Zeit der Dauer der Leckerlis, dann war es wieder das gleiche....
    Komisch ist nur, wir sind öfters immer wieder mal im Tierheim und besuchen die dort. bei unserem vorletzten Besuch, als es eigentlich richtig auffallend war, dass er menschen anbellt, hat er auch seine damaligen Leute vom Tierheim angebellt und angeknurrt, es dauerte einige Zeit, bis er sie wiedererkannte - so lange hat er geknurrt und gebellt und plötzlich, als sei ein Tuch von seinen Augen genommen wurden, fiel ihm wohl ein, dass er sie ja kennt und wedelte und freute sich plötzlich immer wenn sie an uns vorbeigingen (wir schauten die neuen Welpen an....)

    Ich kanns leider nicht nachvollziehen, was ausschlaggebend war, wer Schuld daran ist... ich grübel schon die ganze ZEit.... :-(

  • Zitat

    Danke für die schnelle Antwort.
    Das heißt dann, dass es eine Phase ist, sozusagen Pupertät und das gibt sich wieder?

    So einfach würde ich es mir dann doch nicht machen ;)
    Etwas "Arbeit" wirst Du da schon haben.
    Hab zwar Geduld mit ihm, sei aber auch konsequent.


    Zitat

    hm, beim Mäusebuddeln hatte er sein Erfolgserlebnis, als er tatsächlich eine Maus erwischt hat und seither ist es vorbei.... jedes Mäuseloch wird inspiziert.... könnte ja sein.
    Ok, werd die Schleppleine mehr zum Einsatz bringen, was ich mir aber sehr schwierig vorstelle, hier ein Baum, da ein Mensch usw usw... wird bestimmt lustig....

    Da wirst Du wohl durch müssen, bzw. Dein Hund.
    So lernt er dann, daß er mehr Freiheiten hat, wenn er tatsächlich auf Dich hört!
    Hört er nicht, dann bleibt er an die Leine, bzw. Schlepp. Ich würde es von der Situation und der Umgebung abhängig machen.


    Zitat

    Komisch ist nur, wir sind öfters immer wieder mal im Tierheim und besuchen die dort. bei unserem vorletzten Besuch, als es eigentlich richtig auffallend war, dass er menschen anbellt, hat er auch seine damaligen Leute vom Tierheim angebellt und angeknurrt, es dauerte einige Zeit, bis er sie wiedererkannte - so lange hat er geknurrt und gebellt und plötzlich, als sei ein Tuch von seinen Augen genommen wurden, fiel ihm wohl ein, dass er sie ja kennt und wedelte und freute sich plötzlich immer wenn sie an uns vorbeigingen (wir schauten die neuen Welpen an....)

    Laß ihn mal zur Sicherheit einmal ganz gründlich vom Tierarzt durchchecken.
    Möglich, daß er Probleme mit seinen Augen, Ohren oder sonst was anderes hat. Das könnte auch sein Verhalten erklären.
    Ist gesundheitlich alles mit ihm in Ordnung, wirst Du Dich verstärkt auf seine Erziehung konzentrieren müssen.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Hallo,

    ja, ich denke auch, dass dein Hund aus Unsicherheit so reagiert.
    Es nutzt alles nichts, dein Hund muss an einer Leine bleiben, auch wenn es eigentlich Freilauf wegen der anderen Hunde geben sollte, aber wenn es auch in diesen Situationen zum Verbellen fremder Menschen kommt, der Hund nicht vorher sicher abgerufen werden kann, bleibt dir nichts anderes übrig, als den Freilauf vorerst zu streichen.

    Durch sein unerwünschtes Auftreten will er sich die Leute vom Leib halten, er geht nach vorne, da Angriff der beste Weg zur Verteidigung ist.
    Auch wenn er nur wenig Gelegenheiten hätte, Menschen zu verbellen, genügen diese wenigen Male einem Hund, sich selbst zu bestätigen.
    Konkret bedeutet es:
    Das bekommst du ohne Leine nicht in den Griff.
    Nein, auch mit Ende der Pubertät lösen sich etablierte Probleme nicht in Luft auf.
    Schön wäre es, ist aber nicht so.
    Also, das Verhalten kann sich u.U. festigen oder gar verschlimmern.

    Hund bleibt an der Leine.
    Bei Menschenbegegnungen nimmst du ihn auf die "sichere" Seite, dem Fremden abgewandt.
    Vermittel ihm Sicherheit, ziehe die Aufmerksamkeit auf dich.
    Belohne ihn, wenn er sich ruhig verhält.

    Hier ist ein hilfreicher, aber sehr langer Thread für dich:

    https://www.dogforum.de/zeigen-und-benennen-t128830.html

    Gruß
    Leo

  • Ich bin mir da gar nicht so sicher, ob das wirklich noch Unsicherheit ist, oder Übermut.......

    So in etwa haben wir das auch durch, sie hat vor Fremden keine Angst mehr, weicht von sich aus zurück, man darf sie sogar ansprechen oder anschauen - es ist in Ordnung für sie.

    Das war eine "Epoche" des lernens, Situationen auszuhalten, den Rückzug als Alternative vorzuziehen....

    Mit dem Selbstbewusstsein kam aber ab und an auch der rotzfreche Überflieger zum Vorschein....

    Kann ich schwer beschreiben, aber Menschen anbellen ist nicht gleich Menschen anbellen....

    1. Situation: es ist schon total dämmerig und ich geh nen Feldweg entlang. Aus dem Gebüsch kommt ein Mann. Keine Ahnung, was der da gemacht hat, aber der wurde angebellt, geknurrt und regelrecht gestellt. War ich auch nicht sauer, ohne Hund wäre ich wahrscheinlich zu Tode erschrocken, gesehen hab ich den Mann nämlich nicht, dafür war das Gebüsch viel zu dicht. Deshalb hab ich sie auch nicht geschimpft.

    2. Situation, im Spiel mit uns: wir blödeln, was das Zeug hält, auf der Bank an der Wiese sitzt eine Frau. Plötzlich dreht sie ab, läuft bellend auf die Frau in einem Halbkreis zu, bleibt aber mindestens zwei, drei Meter von ihr dabei entfernt, kommt wieder zu uns zurück. Dabei hüpft sie wie ein Flummy. Das ist für mich reiner Übermut, Unerzogenheit, einfach eine Frechheit von ihr. Die Frau bekommt eine Entschuldigung, sie lacht - Hundine eine Ansage, die sich gewaschen hat, denn das geht gar nicht.....

    Von daher finde ich es unmöglich auf die Entfernung zu beurteilen, was da eigentlich bei Euch los war:
    - Unsicherheit mit nach vorne gehen: bleib bloß weg, sonst fress ich Dich......
    oder
    - Übermut: ich lass jetzt mal die Sau raus.

  • Zitat

    Ich bin mir da gar nicht so sicher, ob das wirklich noch Unsicherheit ist, oder Übermut.......

    Ist im Grunde auch wurscht, denn die Vorgehensweise dagegen zu arbeiten, wäre bei mir gleich.

  • Ja, das stimmt, da hast Du Recht. Klar geht beides nicht.

    Es geht nur darum zu wissen wo man /Hund gerade steht:
    Angst---> Unsicherheit---> Gelassenheit--->Übermut

    Bei der Unsicherheit muss ich noch dran arbeiten quasi vorwärts zu kommen, dass andere Leute dem Hund egal sind, während ich beim Übermut nen Überflieger bremsen muss.

    Hat meine in manchen Situationen:
    anfangs ne Schissbüxe, die sich nix traut - und dann ein Draufgänger ohne Ende.

    z.B. bei anderen Dingen:
    zuerst sich nirgends draufklettern trauen, da brauchte es echt Motivation..... und dann versuchen auf nen Jägerstand zu klettern
    oder bei der Röhre:
    erst riesen Heckmeck da durchzurennen.....und dann bei jedem Bach, der unter dem Weg ein Betonrohr hat, durchkriechen wollen.

    Vielleicht hat auch nur unser Hund so einen Knall, von einem Extrem ins andere, wer weiß????

  • Zitat

    zuerst sich nirgends draufklettern trauen, da brauchte es echt Motivation..... und dann versuchen auf nen Jägerstand zu klettern
    oder bei der Röhre:
    erst riesen Heckmeck da durchzurennen.....und dann bei jedem Bach, der unter dem Weg ein Betonrohr hat, durchkriechen wollen.


    :lol:

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