Hundeschule... ich verzweifel noch damit

  • Hallo omrani -- vielleicht ist eine Anregung dabei, die dir weiterhilft. Ich weiss, das Thema kann einen richtig krank machen.

    Also: ich kenne das Problem, zumindest teilweise.

    Als Timon vor 15 Monaten zu mir kam, war er ein Leinenpöbler der Extraklasse. Obwohl er schon mein dritter Hund war, war ich ehrlich gesagt komplett überfordert, ich wusste gar nicht, dass es so extrem sein kann. Mein Hund hat zwar keinen Herzklappenfehler (ich habe mir mal deine früheren Threads angeschaut) -- aber es war die Zeit im letzten Sommer wo es extrem heiss war und Timon ist nicht mehr der Jüngste, er verträgt Hitze auch sehr schlecht vom Kreiskauf her. Der Hund hat sich -- wenn er angeleint war -- beim Anblick eines Hundes so aufgeregt, dass ich dachte, der kippt mir gleich tot um. Ich hatte echt Angst um ihn. Nicht mehr ansprechbar, komplett außer sich -- auch noch, nachdem der andere schon wieder außer Sichtweite war. Meiner fährt zwar im Alltag nicht so leicht hoch wie Sam, aber Spaziergänge waren eine richtige Katastrophe, insbesondere da zu Anfang ja auch nicht im Traum daran zu denken war, ihn frei laufen zu lassen (im Freilauf war er verträglich) , da der Rückruf überhaupt noch nicht geklappt hat.

    Ich: na ja, das übliche. Trainer (verschiedene) - Hundeschule (nicht schlecht für alles mögliche, auch für die Bindung, aber das Leinenpöbeln außerhalb der HuSchu ging unverändert weiter) -- Tipps aus dem Forum.

    Im Lauf der Zeit wurde es zwar etwas besser, aber jedes Mal wenn jemand seinen Hund zu meinem angeleinten Timon liess, fingen wir mehr oder weniger wieder von vorne an. (Das Problem bei uns ist, dass Timon zwar mittlerweile im Wald frei laufen kann -- aber im Wohngebiet lasse ich ihn nicht frei wegen der Autos -- andere tun das aber und so kommt es immer wieder zu diesen unerwünschten Kontakten an der Leine). Und jedesmal warf es uns zurück. Ich hätte manchmal heulen können.

    Ich bin dann irgendwann mal in mich gegangen. Meine erste Erkenntnis war: Ich setze mich teilweise selbst unter Druck (muss bei dir nicht auch so sein). Ich wollte einfach nur einen Hund, mit dem ich problemlos überall hingehen kann. Ich wollte das Problem los sein. Ich wollte nicht mehr Betreuung organisieren müssen, nur weil ich den pöbelnden Hund nicht mitnehmen konnte. Ich wollte, dass die anderen HH mein "Nein" akzeptieren und ihre Hunde abrufen. -- Ich habe mich dann einfach damit abgefunden, dass mein Hund ein Problem hat, mit dem ich u.U. leben muss. Ich habe erkannt, ich lernen damit umzugehen und ggf. für die nächsten Jahre damit zu leben. Ich musste akzeptieren, dass andere HH tun was auch immer sie tun. Ob man es glaubt oder nicht, diese Akzeptanz hat mich echt entspannt.

    Der zweite Schritt war: ich habe gelernt, anders aufzutreten. Mittlerweile kann ich die meisten Hunde (die ja meist nicht böse sind, sondern nur ungestüm oder schlecht erzogen) sehr erfolgreich abblocken. Ich muss dazu noch nicht mal sehr laut werden oder den Hund gar berühren. Die Körpersprache macht´s. War echt klasse, das herauszufinden. Und mein Auftritt ist mittlerweile auch so entschlossen, dass fast jeder, der es einmal mitbekommen hat, seinen Hund auch von sich aus abruft, weil er verstanden hat, dass ich es wirklich ernst meine und mich unter allen Umständen durchsetzen werde - und es mir auch egal ist, ob ich als unfreundlich gelte. Das hat die Situation weiter entspannt, weil wir so einen großen Teil der Hunde losgeworden sind. Aber halt nicht alle. Und Timon fing langsam an, sich mehr auf mich zu verlassen. Ganz langsam. Und meine Unsicherheit verschwand langsam aber sicher.

    Ich habe viel mit Timon unternommen. Nur wir beide. Er ist ein toller Hund. Unsere Beziehung wurde enger.

    Dann habe ich -- eigentlich nicht deswegen, sondern mehr aus Neugier -- eine Tierkommunikatorin beauftragt. Die hat mich wirklich beeindruckt, weil sie nur Timons Bild und seinen Namen hatte und mir einiges gesagt hat, was sie nicht wissen konnte (und was auch nicht auf jeden 2. oder 3. Hund zutrifft, also Raten kann es nicht gewesen sein). Sie hat mir dann von sich aus, ohne dass ich das Thema überhaupt angesprochen hätte gesagt, was Timon ihr gesagt hätte zum Thema: andere Hunde. Es war eine Kleinigkeit, aber mir war sofort klar, dass da was dran ist. Habe es umgesetzt, und wieder wurde es besser. (Die Einschätzung der "Experten" in Bezug auf Timon war grundfalsch, wie ich heute weiß).

    Als letztes habe ich mir überlegt, wie ich den Hund auslasten kann, ohne ihn körperlich zu überfordern. Er hat Tage, wo er echt nicht belastbar ist. Wir kamen dann zum Mantrailing.
    Das schöne am Trailen ist:
    1.es kann jeder Hund machen. Egal wie alt oder wie wenig körperlich belastbar. Man kann auch 3 x 100 m trailen. 2. Die Hunde müssen keinen Kontakt miteinander haben. Wir lassen zwar NACH dem Trailen die Hunde oft nochmal zusammen auf dem Parkplatz laufen , aber wenn ein unverträglicher dabei ist, kommt der halt dann nicht aus dem Auto.
    3. Der Hund muss nicht sicher abrufbar sein. Trailen findet an der 5-7m Leine statt.

    Trailen (es gibt mittlerweile sogar das "Thera-Trailen" als Hilfe für Angsthunde) lastet den Hund nicht nur wunderbar aus, es schafft auch Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen beim Hund -- es ist nicht anstrengend für den Halter (ich bin nicht sportlich) und es macht Spass (jedenfalls mir und Timon).
    Wir trailen seit ein paar Monaten. Das Leinenproblem ist fast weg (kleine Rückfälle gibt es, aber da kann ich ihn mittlerweile mit einem Wort und einem Ausfallschritt korrigieren.)

    Ich habe (ausser zu Anfang) nie explizit an dem Problem gearbeitet -- weil die üblichen Tipps einfach nichts gebracht haben.
    Die Lösung bei uns war: eine enge Beziehung zum Hund -- an meinem Auftreten zu arbeiten -- und das Trailen.

    Und verlassen sollte man sich auf sein Bauchgefühl. Jedenfalls verlasse ich mich darauf in Zukunft mehr als auf die Trainer. Das war meine Lehre aus der ganzen Sache und damit fahren wir beide hier sehr gut zur Zeit.

    LG

    (Wenn Du willst, gebe ich dir die Daten der Tierkommunikatorin - schick mir einfach eine PN. Das Angebot gilt aber nur für die TS -- das letzte mal habe ich dutzende PNs beantwortet, das mache ich nicht mehr. Also nur die TS bekommt eine Antwort)

  • Hallo Omrani,

    hi, ich bin auch in der "Mitte Schleswig-Holsteins" zu Hause ;) Vielleicht wohnen wir ja gar nicht so weit auseinander?!

    Fiete ist auch ein Leinenpöbler par excellence. An manchen Tagen ist es besser, an anderen Tagen schlimmer. Ich gehe mit ihm in eine ganz normale HuSchu und seitdem ist es besser geworden. Dort kann er lernen, während seine "Erzfeinde" anwesend sind und merkt gleichzeitig, daß andere Hunde nicht schlimm sind.
    Ich war auch erst bei einer Trainerin in FL, die nach D.O.G.S. gearbeitet hat (Du warst sicher in Kiel, gell?) Das hat aber leider nicht so viel gebracht, obwohl die Trainerin klasse war! Aber es war einfach nicht Fietes Weg.

    Ich gehe jetzt konsequent Bögen, wenn ich andere Hunde sehe, wenn es sein muß auch sehr große Bögen!!! Das bringt bei Fiete unheimlich viel! Wir wissen leider auch nicht, worin die Ursache seiner Leinenpöbelei liegt (Fundtier aus dem Tierheim). Ist eigentlich auch letztendlich egal, weil Bögen gehen uns beiden hilft. Ich habe damit ein Mittel gefunden, mit dem ich entspannter bin und auch der Hund gut mit leben kann.

    Vielleicht magst Du Dich ja mal per PN melden, wie gesagt, ich wohne auch mitten in S-H und vielleicht hilft Dir auch meine jetzige HuSchu.

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