Leo schreit ständig

  • Hallo Leute,
    mein Leo ist ein Border-Labrador-Mix, ist 2,5 Jahre alt und kastriert. Wir haben nun schon seit ca. 2 Jahren ein großes Problem mit ihm. Als Welpe hat er nicht einmal gebellt und ich dachte schon dass er das nicht kann und plötzlich entdeckte er seine laute quietschige und auch nervige Stimme. Wenn er sich freut schreit er rum wie eine alte Frau mit hoher Stimme. Egal ob es Besuch ist der kommt oder wir uns fürs Gassi-gehen fertig machen er schreit rum. Das macht einen ganz nervös und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Das macht es auch fast unmöglich ihn irgendwo mit hinzunehmen. Man steht sofort im Mittelpunkt weil er alles zusammenschreit.
    Wenn er einen anderen Hund sieht gehts sofort los, wenns beim Gassi gehen nicht schnell genug geht, wenn er weiß wir fahren gleich Auto usw.
    Wir waren schon in einer Hundeschule und die schwörten auf ein Stachelhalsband. Immer kurz Leinenruck wenn er schreit und bald sollte es weg sein. Ich mag das aber nicht. Er schreit ja nicht weil er böse ist. Er freut sich einfach so brutal.
    Er ist allgemein ein sehr sensibler Hund und aber total überdreht und nervös. Wenn er weiß er kriegt gleich sein Fressen, dreht er sich im Kreis, springt wie ein Gummiball durch die Gegend und "Schreit".
    Meine Eltern wollten nicht mal auf ihn aufpassen weil er seine ganze Umwelt total nervös macht.
    Eine Hundeschule schickte uns sogar mal heim weil er die anderen Hunde durcheinander bringt und keiner mehr trainieren kann. Auf dem Agility-Platz schreit er auch wie irre. Er freut sich einfach so dass er gleich dran kommt oder schreit weil ich den Platz abgehe und er nicht mit darf. Total ungeduldig der Hund.

    Wir wissen nicht mehr weiter. Wie kriegt man sowas in den Griff? Weiß jemand Rat?

  • Meiner ist bei weitem nicht so extrem, aber wenn er ungeduldig wird, dann fiept er in einer Lautstärke, die auch mal nervig sein kann.

    Ich habe da mit Impulskontrolle, Impulskontrolle, Impulskontrolle und dem Signal "warten" sehr gute Ergebnisse erzielt. "Warten" -- ganz langsam, ruhig und freundlich (aber bestimmt) ausgesprochen, mit der Betonung auf einem langen und tiefen "a". Und die gewünschte Aktivität gibt es IMMER erst, wenn er ruhig da sitzt.

    Das hat er relativ schnell verstanden. Mittlerweile setzt er sich schon von alleine hin und hält "die Klappe". Er zittert dann zwar am ganzen Körper noch vor Aufregung -- aber er fiept kaum noch, und den Rest kriegen wir auch noch hin.

  • Hallo Raven49
    Was ist Impulskontrolle?
    Wenn wir Gassi-gehen wollen, tobt er im Windfang so rum bis alle Schuhe durch die Gegend fliegen. Er passt dann gar nicht mehr auf und trampelt auf allem rum. Die Leine krieg ich nur mit Mühe dran und dass er nicht als erster aus der Tür geht krieg ich auch nicht hin. Er hat dann eine Kraft drauf und drückt sich durch den Türschlitz. Kann ihn dann nicht mehr halten.

  • Hallo,

    Du hast jetzt das "Problem", daß Dein Hund das schon seit gut 2 Jahren so macht.
    Es wird jetzt etwas schwieriger werden, das wieder aus ihm herauszubkommen.
    Da wirst Du eine Menge Geduld und starke Nerven haben müssen.


    Er wirkt, als ob er stark unter Streß steht, eventuell hat er noch eine geringe Frusttoleranz. Aber das ist nur eine Vermutung. Es ist schwer, das so aus der Ferne zu beurteilen, ohne den Hund gesehen zu haben.
    Das "Schreien" hilft ihm dann beim Streßabbau. Andere Hunde bellen, oder kauen auf Gegenstände.
    Für mich liest es sich ein wenig so, als ob Dein Hund jedes Mal, wenn er "geschrieen" hat, auch eine Belohnung dafür bekommen hat.
    Agility würde ich bei so einem Hund erst einmal sein lassen. Wenn er eh schon "überdreht und nervös" ist, dann puscht ihn diese Sportart nur unnötig auf. Mach lieber andere, eher ruhigere Kopfarbeiten mit ihm.
    Dein Hund sollte wirklich Ruhe lernen. Damit meine ich nicht, daß er aufhören soll, zu artikulieren, sondern vom Wesen her Ruhe lernt.

    Damit fängt es meist beim Menschen an. Der Mensch sollte ruhige Bewegungen machen, nicht hektisch werden, besonders dann nicht, wenn der Hund so hektisch ist.
    Ruhig bestätigen, bloß keine hohen Quietschtöne vor sich geben, oder in die Hände klatschen oder sonst was "treibendes" machen.

    Wenn Du ihn mit Leckerchen belohnst, dann schau mal, daß Du was nimmst, worauf er ordentlich kauen muß. Kauen beruhigt.
    Wenn Du irgendetwas machen willst, zum Beispiel mit dem Auto fahren, und Dein Hund "dreht so auf", wenn er nur das Auto sieht, dann dreh ab. Entferne Dich vom Wagen! Es geht nur in den Wagen rein (als Belohnung), wenn der Hund vorher ruhig war.

    Das kannst Du auf viele Situationen anwenden.
    Wenn er schreit, gibt es keine "Belohnung" dafür,
    - also kein Autofahren,
    - keine Kontakte zu anderen Hunde
    - keine Streicheleinheiten von anderen Menschen
    - keine Aufmerksamkeit von anderen Menschen
    - Besucher dürfen ihn also nicht streicheln, solange er so einen Theater macht

    Erst, wenn er wieder ruhig ist, wird das bestätigt.

    Aber, ich bin ehrlich, Ihr habt da echt einen ziemlich langen Weg vor Euch!
    Und ich bin froh, daß Ihr es nicht mit dem Stachelhalsband "auskurieren" wollt :gut:


    Wenn Ihr wirklich nicht weiter wissen solltet, dann such lieber einen Trainer vor Ort, der Euch helfen kann. Er kann Euch bessere Tips geben, wenn er den Hund in Action sehen kann.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Hallo Sheltiepower,
    du triffst den Nagel auf den Kopf. Er steht ständig unter Streß und unter Strom. Unser Leben ist auch etwas stressig. Wir haben erst Haus gebaut und sind immer noch dabei.
    Wäre der Hund bei alten Leuten aufgewachsen, wäre er sicher heute anders.
    In seiner Welpenzeit ging vieles schief. Er wurde immer überall mit hingeschleppt, jeder wollte ihn anfassen usw. Ich denke dadurch ist das stressige für ihn entstanden. Er will immer Aufmerksamkeit und im Mittelpunkt stehen. Fasst ihn jemand nicht gleich an, springt er ihm eben ins Gesicht.
    Das verhindern wir momentan mit einer kleinen Wasserpistole. Wir müssen sie nicht mal betätigen. Nur zeigen, dann hält er sofort Abstand und ist aufmerksam.

    Es ist auch gut zu beobachten bei welchen Personen am krassesten reagiert. Bei meinen Eltern z.B. Die schimpfen zwar über sein Benehmen, helfen bei der Erziehung aber überhaupt nicht mit. Wir liesen ihn so lange in der Küche sitzen bis er ruhig wurde und dann sollten meine Eltern erst in den Raum kommen. Der Hund hat durchgehalten, meine Eltern nicht. "Was macht ihr mit dem armen Hund"
    Bei meinen Schwiegereltern ist er ganz anders. Die strahlen Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Das kennt er. Er begrüsst zwar auch übertrieben aber beruhigt sich sehr schnell. Bei denen kann er auch mal ohne Probleme ein paar Std. bleiben. Liegt dann ruhig im Hausgang und wartet auf uns. Bei meinen Eltern ist das immer eine Katastrophe. Da wuselt er stundenlang durchs Haus und kann sich nicht hinlegen. Kaum steht einer am Tisch auf, springt er auch gleich auf und trabt dem nach.

    Wir mussten das Agility abbrechen, weil er während dem Training plötzlich roten Urin hatte. Wirklich rot. Das ganze Gras war gefärbt. Wir hatten einige Untersuchungen beim Tierarzt und es kam heraus dass er topfit ist. Kerngesund. Das war kein Blut sondern der Blutfarbstoff. Hab dann im Internet recherchiert und gefunden dass nervöse oder gestresste Hunde das ausstoßen können wie Adrenalin oder so.

  • Zitat

    Bei meinen Eltern z.B. Die schimpfen zwar über sein Benehmen, helfen bei der Erziehung aber überhaupt nicht mit.

    Haben sie mit Dir geschimpft?

    Oder haben sie mit dem Hund geschimpft?
    Wenn das zutreffen sollte, ist Schimpfen auch eine Art von Aufmerksamkeit ;)
    Die Menschen "bellen" (aus Sicht des Hundes) mit.


    :ka:
    Vielleicht hilft es, wenn Du mit ihnen redest?
    Erziehung ist ja eigentlich Deine Sache, ist ja auch Dein Hund.
    Erklär ihnen, was Du gerne möchtest, und auch, warum es so sein sollte, wie Du es sagst. Wollen die Eltern nicht mitziehen, :ka: dann kannst Du den Hund auch mit der Leine absichern und ihn erst gar nicht zu den Eltern lassen.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Impulskontrolle kann man ganz einfach anfangen und dann ausdehnen

    Der Fressnapf wird erst runtergestellt, wenn er ruhig da sitzt.

    Wenn er nicht sitzen bleibt, bis ich den Fressnapf freigebe, wandert der Fressnapf wieder auf den Tresen.

    Wenn er rumeiert, wenn ich die Leine in die Hand nehme: Leine weg, ich gehe wieder ins Wohnzimmer. Nach 5 Minuten versuchen wir es noch einmal

    Wenn draussen ein frecher Vogel über den Weg hüpft "Stop" und wenn er hört, Riesenbelohnung (natürlich an der Schleppleine, damit man es durchsetzen kann), Das ist allerdings schon für Fortgeschrittene :)

    Und wie Vorredner schon sagten: eher ruhigere Intelligenz-Beschäftigungen.

    Wenn Timon was will und einfordert, wird er gewöhnlich erst mal ignoriert. Dann, wenn er ruhig auf seinem Platz liegt, gehe ich hin und hole ihn ab und er bekommt, was er will (spielen, streicheln oder was auch immer.

    Hunde sind ja Gott sei dank Opportunisten. Die merken schnell, wie sie das bekommen was sie wollen.

    Bei Dir kann es allerdings sein, dass es erst mal schlimmer wird. Der Hund kennt es ja bei Dir (und seinen Leuten) nicht anders und wird deshalb, wenn es plötzlich nicht mehr funktioniert erst mal mehr von Gleichen versuchen. Das ist normal. Durchhalten und konsequent sein.

    Wobei konsequent nicht gleichzusetzen ist mit streng -- das wird oft verwechselt. Deshalb würde ich das Wort konsequent ersetzen durch: zuverlässig. Der Hund bekommt immer die gleiche Reaktion auf das gleiche verhalten, zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Nie emotional werden. Nur das nötigste sprechen. Leise spechen. Der Hund lernt, wenn du zuverlässig reagierst. Kannst dich drauf verlassen.

    Ich hatte es etwas leichter, weil ich die regeln so gesetzt habe vom ersten Tag an, als er aus dem TH kam. Du musst die bestehenden regeln ändern, da wird er u.U. erst mal erst Recht aufdrehen (hat ja bisher immer funktioniert).

    Das ist zu lernen. Geduld und Ruhe.

  • Mein Partner und ich sind gar nicht zuverlässig. Wir sind uns sicher dass er nicht auf die Couch darf aber nach ein paar Tagen liegt Leo wieder drauf weil wir seine Nähe schön finden. Wenn er spielen will und total süß am Boden fordert was er will, geht meißtens einer von uns beiden hin. Es ist so schwer diesem süßen Hund zu wiederstehen.

  • Er kann ja auf die Couch, wenn ihr das gerne habt.

    Wenn ihr es nicht immer gerne habt, dann halt nur nach Aufforderung.

    Geht alles. Wenn man Dinge ab und zu will, aber nicht immer, dann sind sie ein "Privileg" das nach Aufforderung in Anspruch genommen werden darf.

    Wenn er spielen will und so süß ist: freut euch dran und fangt das Spiel damit an, dass er erst mal auf seinen Platz geht und da ein bisschen wartet. Die Belohnung ist dann ein von Euch initiiertes Spiel. Geht alles. Erziehung heisst ja nicht, das man keinen Spass miteinander hat. Es heisst nur, dass man dem Hund hilft, seine Impulse und seine Energie zu steuern und ihm damit Orientierung für den Alltag gibt. Er wird es euch danken -- denn es gibt nichts tolleres, als zuverlässige, gerechte und wohlmeinende Chefs.

    Ihr kriegt das hin. Ich hab bei Euch ein gutes Gefühl.

  • Danke fürs Mut machen. Wir üben jetzt täglich. Wir sprechen ruhig und leiser mit ihm. Ziehen die Wörter beim Reden etwas lang und ich beruhige ihn ständig. Leo wird ja auch sicher mit zunehmendem Alter ruhiger. So ist er ja ein total lieber. Wir haben seit 1,5 Wochen einen Zwergschnauzer-Welpen und er ist so lieb zu ihr. Spielt mit ihr und ist dabei so zärtlich obwohl er sonst so aufgedreht ist. Wir sind sehr zufrieden. Und es ist so schön den Beiden zuzusehn.

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