Wird zum Kläffer

  • Euch allen erstmal Danke! Ich werde es jetzt mal mit der ruhigeren (Ausweich-)Variante versuchen.

    Ja, es ist eine schlechte Angewohnheit von mir, es immer allen Recht machen zu wollen. Und ich möchte niemanden verärgern.

    Was die Hundeschule betrifft, so hab ich nun erst einmal den Vertrag unterschrieben und werde sicher noch einige Male die Welpenstunde besuchen. Grundsätzlich ist es sicher nicht schlecht, wenn er dort auf andere Hunde trifft und das ganze in etwas lockerer Athomsphäre. Aber wenn er wieder derjenige ist, der am meisten Theater macht, stellen sich MIR schon die Nackenhaare auf. Ich bin sicher, daß mein Hund meine Anspannung spürt. Obwohl ich es will, kann ich einfach nicht locker bleiben. Ich kann ja auch nicht tatenlos zusehen, wenn er die jüngeren hetzt und verbellt. Laut Trainerin soll ich ihn dann von dort "vertreiben", bis er wieder ruhiger wird. Wenn ich vesuche (wie im "echten" Leben) einen anderen Weg einzuschlagen, interessiert ihn das wenig, da wir ja in einem abgegrenzten Bereich trainieren.

    Es ist alles nicht einfach. Ich habe das Glück, ihn zu meiner Arbeit mitnehmen zu können. Ich habe nur einen Mini-Job. Die ersten zwei Male war es prima, doch jetzt knurrt er meinen Chef an. Das ist mir total unangenehm (siehe oben). Natürlich weiß der Chef bescheid, aber blöd ist es trotzdem.

    Ich versuch es weiterhin mit Geduld und hoffe, daß mir von irgendwo Gelassenheit zufliegt. ;-)

  • Ach, Mensch, ich kann es doch soooo gut nachvollziehen. Den Adrenalinstoss, den man verspürt, wenn der Hund wieder loslegt, und die Hilflosigkeit, die einem bis in Haarspitzen reinkriecht. Die Blicke brennen einem fast schon auf der Haut, und das eigene Nervenkostüm ist nahe am Platzen, am liebsten würde man nur noch wegrennen oder selber losschreien...

    Ich will gar nicht davon reden, wie falsch ich mich da in der Vergangenheit manchmal verhalten habe. Nur eben dass die eigene Anspannung wirklich Teil, wenn nicht sogar Verstärker des Problems ist. Man kann seine eigene Einstellung (die oft selber erziehungsbedingt ist) nicht so einfach über Nacht abschütteln. Aber genau da hilft es, eine starkes Netz an verständnisvollen Menschen zu haben, das die eigenen Unsicherheiten etwas auffängt. Etwa andere Hundebesitzer mit ausgeglichenen Hunden, mit denen man sich zum Gassigehen trifft, und die sowohl dir als auch deinem Hund Ruhe und moralische Unterstützung vermitteln können (auch wird man in der Gruppe seltener von Passanten angemosert). Solche Kontakte lassen sich z.B. über die Hundeschule finden, oder über Kontaktanzeigen. Oder einen erfahrenen Hundetrainer, der einen ein paarmal auf alltägliche Gassigänge begleitet und vor allem DICH schult, in angespannten Situationen gelassen und angemessen zu reagieren. Oder auch der eigene Partner, der (ebenfalls eingeweiht und angeleitet), einen im Notfall wieder auf den Boden der Gelassenheit runterbringt, und wenn auch nur mal kurz ein freundliches Wort mit den scheinbar entsetzten Passanten wechselt, während man selber noch alle Hände voll mit dem dem Hundekasper zu tun hat. Bei mir war Letzteres wirklich eine grosse Hilfe, weil ich mich oft so schlecht gefühlt habe, wenn mein Hund mal wieder am Austicken war und ich mich vor lauter Gebelle nicht mal bei den Leuten entschuldigen konnte. Wenn mein Partner dann ankam und z.B. meinte "Du, die Leute haben gesagt, ihr Hund zu Hause bellt auch oft Leute an", oder "du, die Frau fand das gar nicht so schlimm", dann war das jedes Mal eine riesige Erleichterung.
    Anm: Mein Hund pöbelte vom Junghundealter an aufs Übelste Jogger und Radfahrer an, sowie Menschen, die sich auf irgendeine Weise verhielten, die ihm nicht behagte.

    Klar, die persönliche Konstellation zwischen dir und deinem Hund ist vielleicht momentan suboptimal, weil ihr beide unsicher seid. Aber ihr könnt miteinander lernen. Vor allem kannst Du lernen, aktiv in Situationen hineinzugehen, mental vorbereitet zu sein ("was ist zu tun, wenn er XX macht, wie reagiere ich, wenn er YY macht"), und dich nicht in der Opferrolle zu fühlen ("jetzt macht mich der Hund schon wieder zum Spektakel").

    Es gibt gute Trainer, die einem sowas beibringen. Aber man lernt es nicht unbedingt in der Gruppe auf dem Platz der Hundeschule, darum würde ich mich an deiner Stelle vielleicht doch mal nach Einzelstunden bei einem Trainer umsehen, der deinen Hund und dich als Einheit betrachtet und sich nicht nur auf das momentan störende Fehlverhalten konzentriert. Wenn's ein guter Trainer ist, reicht eine absehbare Anzahl an Stunden und man wird auch nicht zum Dauerpatient. Wenn du dir jetzt, wo dein Hund noch so jung ist, die Mühe machst, stellt sich der Erfolg schneller ein, als wenn sich das Verhalten bei euch beiden über längere Zeit gefestigt hat.

    Und halt dir immer vor Augen (oder lies mal hier die ganzen threads im DF): die Hunde anderer Leute sind auch nicht perfekt. Man denkt oft schnell, man sei allein auf der Welt. Aber es gibt sooo viele Leute, deren Hunde nicht so funktionieren, wie sie sollen, und die sich genauso hilflos fühlen wie du momentan. Nur Mut! Du hast nen tollen Hund, und ihr kriegt das hin!

    Ach ja, und zum Vorschlag des "Vertreibens", wenn er andere Hunde anpöbelt. Ich nehme an, dies passiert, wenn er im Freilauf ist? Und was meinst du mit Welpenstunde - dein Hund ist doch sicher schon zu alt, um noch mit Welpen in der Gruppe zu toben? Junghunde sind körperlich und motorisch Welpen überlegen, darum ist bei den meisten Hundeschulen ab 16 Wochen Schluss mit Welpenstunde, und die Junghunde kommen in spezielle Junghundegruppen. Aber ich geh mal davon aus, dass du Junghundegruppe gemeint hast. Wenn dein Hund also mobbt oder pöbelt, nimmst du ihn am besten aus der Situation heraus und behältst ihn bei dir, ohne ihm gross Aufmerksamkeit zu widmen. Leg ihn neben dich ins Platz und besteh darauf, dass er liegen bleibt (notfalls den Fuss so auf die Leine stellen, dass er sich zwar noch aufsetzen, aber nicht weg kann). Im Liegen kann er eher runterfahren und sich beruhigen, wenn er sich zu sehr hochgepuscht hat. Mit "Vertreiben" bringst du meiner Meinung nach erst recht Unruhe in die Sache. Für meinen Hund waren damals die Trainingsstunden einfach zu lang, der konnte sich gar nicht so lange konzentrieren und fing irgendwann an, den kläffenden Klassenkasper zu machen. Da half es nur, rechtzeitig vom Platz zu gehen (auch wenn die Hundetrainerin protestiert, du hast das Recht dazu, wenn du merkst, es geht nix mehr bei deinem Hund). Mit der Zeit wurde es von selber besser, und mittlerweile (er ist jetzt 2,5) ist er auf dem Platz die Ruhe selbst.

    Im Büro (auch da kenne ich das Problem, denn das hatten wir auch) würde ich Hundi einen festen Platz zuweisen, auf dem Hundi die Arbeitszzeit über bleiben soll und von dem die Kollegen (und auch der Chef) bitte wegzubleiben haben. Ich fand´s bei meinem Hund auch schade, aber es ist halt nicht jeder zum Everybody´s Darling Bürohund geboren. Manche Hunde sind einfach damit überfordert, wenn Leute ständig raus- und reinkommen, um sie rumlaufen und sich unterhalten. Wenn Hund nen Platz hat, an dem niemand was von ihm will (also auch den Hund nicht ansprechen, streicheln, Leckerlis geben etc.) und er lernt, dass ihn der Rest nichts angeht, ist das für alle angenehmer und er muss auch niemanden anknurren.

  • Danke, daß Du Dir so viel Zeit für eine Antwort genommen hast. Du schreibst mir wirklich aus der Seele. Und ja: Es ist wirklich beruhigend, daß andere auch Probleme haben oder gar ähnliches durchmachen oder durchgemacht haben. Dieses Forum hilft mir schon sehr, besser damit klar zu kommen. Denn Du hast ja Recht: Wir haben einen tollen Hund. In den vier Wochen, die er jetzt bei uns ist, hat er schon viel gelernt. Nur die Unsicherheit kann man ja nicht einfach abstellen. Wir arbeiten daran. Und es ist tatsächlich so: Wenn ich mit meinem Mann unterwegs bin, bin ich etwas gelassener. Nur meine Kinder bringen mich unter Umständen zusätzlich aus der Fassung. Sie sind 7 und 8 Jahre alt, eigentlich sehr behutsam und ruhig, aber in solchen heiklen Situationen dann doch ebenfalls sehr aufgeregt ("schau mal Mama, da kommt wieder einer" oder "jetzt müssen wir aber los, die Hundeschule fängt gleich an".... :-)). Ich glaube auch, daß uns noch ein paar weitere Einzelstunden mit gemeinsamen Spaziergängen gut täten. Die Sache mit den Grundkommandos kriegen wir auf langer Sicht bestimmt auch so ganz gut hin (Hier, Sitz, Platz klappt schon ganz gut... Auflösen noch besser und das "Bleib" müssen wir noch üben...).

    Und wir sind tatsächlich in der Welpenstunde. Da sind außer uns noch zwei weitere Junghunde, die angeblich vom Typ her noch nicht reif für die Junghundestunde sind. Ich weiß nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Ich denke nur an die ängstlichen Blicke der Hundehalterinnen, wenn da mein Rüpel alles aufmischt. Da rutscht mir schon beim Schreiben gleich das Herz in die Hose. Naja. Diese Woche nehme ich einen anderen Wochentag, sprich auch eine andere Trainerin und vermutlich andere Teilnehmer. Vielleicht hat diese Trainerin noch andere, für uns bessere Ansätze. Ansonsten probier ich es nochmal mit Einzelstunden.

    Und was das Büro betrifft: Da gibt es keinen Menschenauflauf, lediglich Chef und Chefin wollen ab und zu was von mir. Bislang lag der Hund zwar neben mir, aber mitten im Zimmer, so daß der Blick als erstes auf ihn fiel, wenn jemand das Zimmer betrat. Ich werde ihn zukünftig dicht bei mir und hinterm Schreibtisch plazieren, so daß ihm vielleicht dadurch etwas die Rolle des Beschützers abgenommen wird.

    Also Danke nochmal und bis demnächst!

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