Scheue, sensible Hündin...was kann ich tun?

  • Körperliche "Manipulationen" am Hund müssen sein, da führt kein Weg dran vorbei.
    Ich denke auch nicht das man damit eine gute Bindung aufs Spiel setzt.

    Dem Hund zugestehen das er es nicht mag, versucht auszubüxen, das ganze wie ein armer Sünder über sich ergehen lässt und danach eine Weile "beleidigt" ist sollte man aber.

    Du kannst versuchen Handlungen wie Zahnkontrolle, Fellpflege, baden, Krallen schneiden ect möglichst positiv zu gestalten damit die Angst bei ihr nicht immer größer wird.
    Also üben üben üben, belohnen. loben, und das immer und immer wieder.
    Sayah zB hasst Krallen schneiden, deshalb clickern wie es.
    Auch dann ist es noch mühsam aber immerhin machbar.

    Ansonsten würde ich gerne noch was zu eurer Tagesbetreuung schreiben, das wenige was Du darüber geschildert hast halte ich nämlich für sehr kontraproduktiv zur Förderung einer guten Bindung zu Dir, und zum Umgang mit einem RR während der langen Entwicklungs/Unsicherheitsphase aber ich bin gar nicht sicher ob Du es hören willst.

    Falls ja gib Laut, wenn nicht lass ichs stecken.

  • Ich(!) würde mit der Hündin nicht mehr so viel unterschiedliches am Tag machen, dafür die Zeit für einige Dinge intensiver nutzen. Ich würde z.B. bei dem abendlichen Spaziergang nicht großartig trainieren, sondern die Hündin einfach "Hund sein lassen". Bedeutet nichts anderes als sie schnüffeln zu lassen, Ruhe in den Spaziergang zu bringen und die gemeinsame Zeit zu genießen. Sie hatte den ganzen Tag schon Aktion(mit den anderen Hunden) und soll dann noch mit euch trainieren und bei euch das volle Programm bekommen. Wenn ihr abends mit ihr ne Runde dreht, könnt ihr ein paar kleine(!) Trainingseinheiten spielerisch einfügen. Eure Hündin trottet z.B. schnüffelnd neben oder vor euch hin und ihr folgt ihr wahrscheinlich? Wie wäre es einfach mal stehen zu bleiben und zu gucken was eure Hündin macht? Irgendwann wird sie zu euch gucken und dann würde ich in eine andere Richtung gehen, sie locken und bestätigen, wenn sie kommt. Dann gibts ne kurze Spielrunde zur Belohnung und ihr könnt ihr so nebenbei und spielerisch Kommandos wie "Komm" oder "Ok/Weiter" beibringen. Nebenbei lernt sie, das es sich lohnt auf euch zu achten. Dadurch wird sie mit der Zeit trotz des schnüffelns mehr auf euch achten und lernen, das es keinen Nachteil für sie hat, wenn sie ne kurze Schnüffelpause einlegt und zu euch kommt wenn ihr sie ruft.

    Du hast geschrieben, das eure Hündin aufsteht und sich etwas von dir weg legt, wenn du dich zu ihr legst. Für mich klingt das so, als wenn deine Hündin in dem Moment keinen Körperkontakt mit dir haben möchte. Ich würde mich einfach etwas entfernt vom Hund auf den Boden setzen/legen, den Hund nicht beachten und z.B. ein Buch lesen. So bedrängst du sie nicht, gibst ihr aber die Möglichkeit sich zu dir "auf gleicher Höhe" zu legen. Mit etwas Geduld und Glück, wird sie dann sicherlich auch zu dir kommen und von sich aus den Körperkontakt suchen. Aber in dem Fall solltest du sie dann nicht gleich mit Körperkontakt "zuschütten", sondern alles ruhig und gefühlvoll angehen lassen. Man merkt ja, wann es einem Tier zuviel wird. Ansonsten wird sich euer Verhältnis auch bessern, wenn du ihr eine geduldige, liebevolle und konsequente Erziehung bietest. Klare Grenzen aufzeigen, sie fordern und fördern ohne dabei zu überfordern! So kann sie sich an euch und den "Spielregeln" orientieren und einen "Halt" finden. Ich bin mir sicher ihr bekommt das hin, eure Hündin ist ja noch jung. :smile:

    Dinge wie Körperpflege usw. würde ich dem Hund auch spielerisch und ohne Druck näher bringen, damit er es nicht negativ auffasst. Soll der Hund z.B. gebürstet werden, lege ich die Bürste einfach auf den Boden und beachte sie nicht mehr. Ich baue die Bürste sozusagen Stück für Stück in den Alltag ein. Irgendwann wird der Hund dann entweder zur Bürste gehen und sie "abchecken" oder er beachtet sie nicht weiter. Dann kommt der nächste Schritt, ich nehme die Bürste in die Hand und fahre mir dabei im Sichtfeld des Hundes z.B. über mein Bein und tue so, als wäre es etwas ganz tolles. Wenn ich Glück habe, macht es den Hund so neugierig das er gucken kommt. Wenn er vor mir sitzt, strecke ich ihm die Bürste hin und lasse ihn kurz dran schnüffeln, danach bürste ich wieder über mein Bein. Je nach Bauchgefühl gehe ich dann einen Schritt weiter und bürste dem Hund langsam und mit dem Bürstenrücken über den Rücken. Er merkt, das nichts schlimmes passiert und wenn er dann immer noch ruhig vor mir sitzt, drehe ich die Bürste um und bürste den Rücken richtig. Dabei gibts es dann ein Leckerlie, verbale Bestätigung oder Krauleinheiten. Wichtig ist nur, das dem Hund alles neue spielerisch, zwanglos und locker beigebracht wird. Es soll für ihn ja etwas tolles sein, wenn sein Fell gebürstet wird und nichts schlimmes. Das funktioniert mit allem, auch mit der Spraydose. Da würde ich z.B. gucken ob euer Hund "Angst" vor dem Geräusch hat oder ob er sich erschreckt, weil es auf einmal an der Stelle kalt wird. Wenn er vor dem Geräusch angst hat, kann man das Geräusch des Sprühens in den Alltag einbauen. Man könnte z.B. eine Haarspraydose benutzen und ab und zu drauf drücken, damit der Hund das Geräusch registriert, es aber nicht mit etwas negativen verbindet und es irgendwann als normal betrachtet. Natürlich sollte man es so machen, das der Hund nichts vom Haarspray abbekommt. ;)

    Das wars spontan erstmal von mir, dem Laien. :D Andere haben sicherlich andere Vorschläge und Meinungen, suche dir aus allem das Beste heraus.

  • Erstmal vielen Dank für eure Meinungen und Tipps. Ich denke das Programm das wir durchziehen ist nicht so krass wie es anscheinend rübergekommen ist. (z.B. meinte ich mit Trainieren, dass wir beim Gassigehen am Abend nochmal 50m Fuss gehen, Sitz, Platz, nochmal den Rückruf und das wars dann auch). Trotzdem werde ich ab heute besonders darauf achten es nicht zu übertreiben!

    @ Tabina: Zu unserer Tagesbetreuung brauchst du eigentlich nichts schreiben. Nicht weil ich nicht hören will, sondern weil es aus meiner Sicht keine bessere Lösung gibt und sich nicht ändern lässt. Natürlich ist es für die Bindung optimaler wenn man den ganzen Tag für den Hund da ist, aber die Lebensumstände ändern sich manchmal. Die Betreuung bei unserer Tagespflege ist wirklich top. Wir werden diese Lösung noch ein paar Monate durchhalten müssen. Es ist aber mit Sicherheit besser als den Hund tagsüber alleine zu lassen.
    Aber was mich interssieren würde ist wie ich z.B. das Baden clickern kann. Im Moment hat sie noch Angst vor der Badewanne. Da es ja in der nächsten Zeit nicht so wichtig ist wäre es natürlich sinnvoll das Baden jetzt aufzubauen, dann könnte es ja im Herbst wenn es mal nötig ist schon klappen. Kannst du mir da einen Rat geben?

    Heute habe ich übrigens ein neues Spiel gefunden an dem die Maus richtig Spass hat. Verstecken spielen ist voll ihr Ding. Hab das schonmal vor ein paar Monaten probiert, da war sie wohl noch nicht so weit...

    Also: Nochmal danke, ich find das Forum toll und werd bestimmt noch öfter was schreiben!

  • Ich hab das Duschen nie geclickert, Sayah ist selbstreinigend und hat in ihren 3,5 Lebensjahren lediglich einmal Beine abduschen benötigt.
    Würde ich das Duschen erclickern wollen würde ich! vermutlich so oder ähnlich vorgehen:

    Hund und ich ins Bad, Tür zu.
    Clicker und Leckerlis dabei.
    Tür zur Dusche öffnen, kein Wasser anstellen.
    Gemütlich auf den Boden setzen, Ruhe ausstrahlen, abwarten.
    Den Hund sich der Duschkabine nach eigenem Tempo nähern lassen und jede Annäherung mit click bestätigen.
    Das ganze, über mehrere Tage, solange verfeinern bis Hund selbstständig in die Duschkabine geht.

    Danach die Handbrause auf den Boden der Kabine legen und auch die Annäherung an diese solange clickern bis der Hund völlig entspannt in der Dusche steht während die Brause dort liegt.

    Dann die Schritte wiederholen während ein bißchen Wasser angestellt ist.
    Zunächst ohne das der Hund mit dem Wasser in Berührung kommt, dann das ganze steigern.
    So lange bis die Berührung mit dem Wasserstrahl kein Problem mehr ist.

    Während dem duschen würde ich mit der intermediären Brücke arbeiten um dem Hund zu vermitteln "bleib so" (schmeiß mal in Googel, sehr interessant und wirkt oft ganz toll).

    Das ganze könnte bei uns so ablaufen.
    Aber eventuell auch ganz anders, je nachdem wie der Hund auf was genau reagiert.
    Musst halt mal schauen wo es klemmt und daran dann evt anders arbeiten (ist zB das fließende Wasser ein Problem kann man das auch prima draußen mit der Gießkanne trainieren).

    Und es setzt natürlich voraus das ihr a.) eine Duschkabine habt wo der Hund selbstständig einsteigen kann und das eure Hündin b.) den Clicker bereits kennt.
    Zweiteres würde sich ändern lassen, solltet ihr allerdings nur ne Wanne haben wirst Du ums einfach ohne großes Gedöhns reinheben nicht drumherumkommen.
    Da kannst Du dann nur versuchen ihr die Wanne schmackhaft zu machen indem Du das drinne stehen bestätigst und schönfütterst bis sie so gut es geht entspannen kann.


    Wie steht sie denn sonst so zu Wasser?
    Regen bäh nehm ich an aber geht sie rein in Seen oder Bäche?

  • huhu,

    Ich kann mich meinen Vorrednern anschliessen. Lass den Hund ein bisl mehr Hund sein. Ich stimme Tabina auch zu dass die Tagesbetreuung nicht so optimal ist fuer den Hund. Nun geht es bei Dir und den Lebensumstaenden nicht anders - das muss man akzeptieren.
    Du hast Recht - Ridgebacks sind aeusserst sensibel. Fuer mich macht Dein Geschriebenes den Eindruck als dass Eurer Ridgeback seine eine wichtige Bindungsperson noch nicht ausfindig machen konnte in dem "Programm" das er die Woche hat. Es ist ganz in der Tat bei den meisten RR so dass sie sich wirklich eine Person auserwaehlen. Auf mich macht es den Eindruck als sei Eurer RR in der Hinsicht konfus. Da Sicherheit und Vertrauen ganz eng mit der Bindung verwandt sind, wuerde ich auch die Ursache hier drin sehen.


    Uebrigens, ich kenne es von vielen RR Besitzer dass ihre Wautzels sich meistens selber aussuchen wann sie kuscheln und mit wem :D
    Unsere kuschelt nur mit mir oder Papa, wir muessen allerdings auch oefters hinnehmen dass es nach ein paar Minuten auch jut damit ist ;) Dann geht sie weg und legt sich in die Sonne :D

    Fuer mich das beste Szenario fuer Euch (auch wenn schwer durchfuerbar): einfach tagein tagaus Zeit miteinander verbringen, den total normalen Alltag. Nicht zuviel Programm, nicht zu wenig - praktisch Lebensrituale entwickeln.

    p.s. das Nagel-schneiden mochte Kuna am Anfang auch ganz und garnicht. Erst hab ich ihr ein Kommando beigebracht wie sie auf der Seite liegen muss. Zweitens; Ich hab sie ein bisl ueberredet mit ihrem groessten Liebling - der Sonne :D
    Nach einem anstrengendem Spaziergang, Futter und Wasser ihre Lieblingsdecke auf die Terasse in die knalle Sonne gelegt, damit war Madame gluecklich. Dann das Krallen-schneiden angefangen. Die Sonne hat sie sehr entspannt gestimmt und die Kommandos zwischendurch zur auf die Seite liegen ebenso. Nach wie vor findet Krallen-schneiden bei uns in der Sonne auf ihrer Decke statt und ist seither kein Problem mehr. Klickern ist natuerlich auch prima!!

  • Hallo,

    heute hab ich einen Bekannten mit zwei RRs (und jahrelanger Erfahrung) besucht. Wir haben die drei zusammen im Garten spielen lassen, ich hab meinen kleinen Raufbold ab und zu aus dem Spiel abrufen können (hat mich allerdings auch etwas gewundert... :???: )...
    Sie ich dann gekommen, hat ihren Kopf auf meinen Schoss gelegt und sich das Ohr kraulen lassen. Nach ein bis zwei Minuten ging es dann wieder ins Getümmel.

    Jedenfalls sagte mein Bekannter was ich denn überhaupt wolle, das würde alles seine Zeit dauern. Wenn man uns vor ein paar Monaten gesehen hat, hätten wir jetzt schon einen richtigen Schusekater. Ich soll das ganze mal einfach gelassener sehen und sich entwickeln lassen. Vielleicht hat es sogar recht.
    Ich werd euch auf dem Laufenden halten!

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!