Hund hat gebissen-> Lernerfahrung?

  • hej,

    dieses Thema reizt mich so, dass ich meinen Beitrag in zwei Teile schreiben werde.
    Der erste Teil geht nur um die Hantierung dieses Problems, der zweite Teil beinhaltet Kritik.
    Ich mache dies so, weil ich der Meinung bin, dass es schwer ist, etwas anzunehmen, wenn man sich auch angegriffen fühlt.

    Zu erst einmal würde ich empfehlen, mit beiden Hunden getrennt an diesem Problem zu arbeiten.
    Dies wird zwar nicht ein 100% Erfolg, weil verbellen eine Rudelfunktion ist aber es ist ein grosser Unterschied, ob einer oder beide noch ansprechbar sind oder nicht.
    Sind sie aber wegen dem Einzeltraining noch ansprechbar, dann kann man auch die Situation in Griff kriegen, wenn sie zusammen sind.

    Beim jungen Hund würde ich es mit flooting probieren.
    Dies bedeutet, so viel zu reizen, bis auf den Reiz nicht mehr reagiert wird.
    Junge Hunde können besser mit Stress umgehen und passen sich deshalb auch leichter neuen Situationen an.
    Bei der Problemstellung würde ich so vorgehen, dass ich versuchen würde herauszufinden, wo die beliebtesten Joggerruten sind, um mich dort mit dem Hund auf eine Bank zu setzen.
    Da der junge Hund nicht den Schutz vom grossen hat, wird er normalerweise viel besser ansprechbar sein und dann kann man ihn von den Joggern so ablenken, dass er desintressiertes Verhalten gegenüber denen als Erfolg erlebt.
    Wichtig dabei ist aber, dass man dem jungen Hund nie die Idee geben darf, man würde mitverbellen, deshalb, wenn er einen Jogger verbellen will, ihn einfach hinter sich nehmen, ohne Kommando etc.
    Dies sollte sehr schnell einen guten Erfolg geben.

    Entschuldigung, das reale Leben ruft, schreibe später weiter.

    Grüsse aus dem Norden

  • Ich denke, dass der Jogger nicht das Problem war, sondern, dass ihr auf dem Boden gesessen seid und dort länger verweilt habt. Damit wurde der Wald zum Revier des Hundes, das verteidigt wurde. Mit "komisch vorkommen" hat das nix zu tun. Da hätte auch ein Spaziergänger vorbeikommen können, dann wäre die Reaktion vermutlich genauso ausgefallen.

    Geht getrennt Gassi und arbeite mit beiden getrennt an der Problematik. Sonst schaut der Kleine sich schlechtes Verhalten ab. Außerdem, sorry, aber wie kann ein 5 monatiger Hund keine Jogger kennen? Gehst Du da, wo Dir nie einer begegnet? Dann machst Du in Sachen Prägung aber gravierend was falsch! Der Hund sollte in dem Alter bereits alles möglich an Situationen kennengelernt haben.

  • hej,

    wieder da,

    beim älteren Hund würde ich mit Desensibilisierung arbeiten.
    Dies bedeutet, dass man sich wieder so eine Route aussucht, wo es viel Jogger gibt, mich dann aber so weit davon entfernen, dass der Hund nicht mehr auf sie reagiert.
    Spätestens nach einer halben Stunde hat er sich dann so an diese Situation gewöhnt, dass man etwas näher heran kann.
    Wichtig dabei ist das Prinzip der Gewöhnung, man gewöhnt einen Hund an die Situation, wenn er sich noch richtig verhalten kann, deshalb ist es ein Rückschritt, wenn man während dem Training übertreibt, so dass der Hund sich "falsch" verhält.
    Es sollte Euch aber bewusst sein, dass ein Hund der einmal geschnappt hat, die Wahrscheinlichkeit sehr steigt, dass er es wieder tut.
    Deshalb würde ich jetzt wirklich aufpassen, dass dies nicht wieder geschieht.


    :veg: so nun zum Bösen Teil.
    Ich bin mit onyxvl vollständig einig, ihr verpasst die Gelegenheit vollständig, Euren jungen Hund umweltfest zu machen.
    Dies bedeutet dann später für ihn, dass er mit verschiedene Situationen nie umgehen gelernt hat und das heisst dann vielfach für ihn, dass man ihn nicht mitnehmen kann.
    Eine echte Herabsetzung der Lebensqualität für Euch alle, nach meiner Ansicht und deshalb finde ich das Schade.

    Ich weiss nicht, was Ihr vom Jogger erwartet habt, die Angst vor Raubtieren ist uns angeboren und wenn uns ein Hund anfällt, dann ist er ein Raubtier, für unser Empfinden.
    Wenn dann nicht ein grosser Stoss Adrenalin in den Körper abgegeben wird, sollte man zum Arzt.
    So Erschrocken kann aber niemand mehr sehr vernünftig reagieren, auf jeden Fall kann man dies nicht verlangen.
    Wie kommt ihr da auf die Idee, dass er die Entschuldigung annehmen müsste?

    Die Aggressionen die er hatte, kann ich auch gut verstehen.
    In dem Moment, als er angegriffen wurde, wurde ihm auch wieder bewusst gemacht, dass wir Menschen wirklich Schwierigkeiten haben, uns gegen einen angreifenden Hund zu wehren, wenn wir unbewaffnet sind.
    Das man in dieser Situation nicht einmal auf einen Kampf eingestellt ist, macht das ganze nur noch schlimmer.

    Lest doch vielleicht einmal dieses Thema:
    https://www.dogforum.de/der-hundefuhrerknigge-t128419.html
    Auch wenn niemand etwas dazu geschrieben hat, finde ich es doch sehr wichtig, dass wir Rücksicht auf die Umwelt nehmen.
    Tun wir es nähmlich nicht, wird es für uns ganz einfach immer wie schwerer einen Hund zu halten, weil mehr Verbote ausgesprochen werden (müssen).
    Deshalb ist für mich Rücksicht auf die Umwelt auch wichtig, wenn ich an meinen Hund denke.

    Dieser Jogger kann jetzt auf die Idee kommen, Euch und Euren Hunden direkt das Leben schwer zu machen, schliesslich wurde er Überfallen aber er kann auch auf die Idee kommen, dass man einen generellen Leinenzwang einführen sollte.
    Nichts von beidem finde ich wünschenswert.
    Nehmt doch etwas Rücksicht auf die Mitmenschen, so aufwendig ist es nicht.

  • Erstmal danke für all eure Antworten. Das mit der Überbewertung nur weil ein Jogger kommt merke ich mir. Am besten gehe ich wirklich mal zu einer beliebten Joggerroute und schaue was passiert.

    Aber ich bin grad sehr erstaunt... ich habe doch nie behauptet, dass ich den Jogger nicht verstehen kann. Ich habe mich auch nie beschwert, dass er die Entschuldigung nicht angenommen hat?! Komisch was hier reininterpretiert wird.


    Zitat

    sorry, aber wie kann ein 5 monatiger Hund keine Jogger kennen? Gehst Du da, wo Dir nie einer begegnet? Dann machst Du in Sachen Prägung aber gravierend was falsch! Der Hund sollte in dem Alter bereits alles möglich an Situationen kennengelernt haben.


    Such mal zwischen Dezember und März irgendwelche Jogger, abgesehen von den letzten 3 warmen Wochen. Es ist schwer einen Hund im Winter an ALLES zu gewönen... mittlerweile gibt es auch kaum noch Sachen, die auf der Strecke geblieben sind. Alles was im Winter möglich war haben wir auch gemacht.

    Ich finde es wirklich erstaunlich, wie schnell man hier als "schlechter Hundebesitzer" dargestellt wird, bevor man sich erstmal vergewissert was ich sonst an Umweltgewöhnung unternommen habe. Das anhand von nicht vorhandenen Joggern bei -10° bis 8°C auszumachen ist einfach super. :hust:
    Ich habe lediglich nach Tipps gefragt, wie ich demnächst mit meiner Hündin auf Jogger reagieren sollte. Kritik finde ich nicht schlecht, sie ist manchmal sogar sehr hilfreich. Aber sie sollte schon gerechtfertigt sein... das finde ich in diesem Fall nicht, weil nicht einmal die Frage kam was ich mit ihr an Umweltgewöhnung gemacht habe.

  • Zitat

    Wegen der Brut- und Setzzeit ab morgen werdet Ihr den nächsten Joggern im Wald ja eh nur angeleint begegnen :klugscheisser: - von daher würde ICH mir jetzt die nächsten Begegnungen daraufhin ansehen, ob der Jungspund dabei nennenswert aufgeregt ist. Von einmal "zuschauen" wird ein Hund nicht automatisch "doof" bei der Begegnung mit fremden Menschen, es ist mehr die Frage, wie Ihr zukünftig damit umgeht. Manchmal "weckt" man mit der Fütterei bei solchen Begegnungen auch erst recht schlafende Hunde, indem man diesen Situationen dadurch eine besondere Bewertung aufdrückt.

    Mit dem Jungspund würde ich also erstmal sichernd-beobachtend abwarten und dem Kumpel gehörig den Kopf waschen. ;)

    LG, Chris


    gaaaanz kurzes off topic
    wann ist immer nml brut und setzzeit..ich vergess das immer wieder ich dussel :headbash:

  • Also das der Hund, wenn er nicht jetzt und auf der Stelle ALLES an Umweltreizen kennenlernt, davor ewig Angst haben wird ist einfach blödsinn.
    Fakt ist lediglich, dass ein charaktersicherer Hund im Erwachsenen Alter besser mit neuen Reizen zurechtkommt (wie z.B Bus oder Bahn fahren) als ein Hund, der im Charakter eh unsicher ist.
    Wenn man wirklich alles in die Welpenzeit legen müsste, wäre alle mit Second-Hand-Hunden sowas von gelackmeiert.
    Solche Marathonprogramme überfordern den Welpen vielleicht sogar und deshalb hat er dann später Stress mit genau den Dingen, die er ja kennengelernt hat als Welpe...

  • Zitat

    Also das der Hund, wenn er nicht jetzt und auf der Stelle ALLES an Umweltreizen kennenlernt, davor ewig Angst haben wird ist einfach blödsinn.
    Fakt ist lediglich, dass ein charaktersicherer Hund im Erwachsenen Alter besser mit neuen Reizen zurechtkommt (wie z.B Bus oder Bahn fahren) als ein Hund, der im Charakter eh unsicher ist.
    Wenn man wirklich alles in die Welpenzeit legen müsste, wäre alle mit Second-Hand-Hunden sowas von gelackmeiert.
    Solche Marathonprogramme überfordern den Welpen vielleicht sogar und deshalb hat er dann später Stress mit genau den Dingen, die er ja kennengelernt hat als Welpe...

    :gut:

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