abends vom Liebling zum Werwolf

  • Hallo alle!

    Wir sind seit genau einem Jahr stolze Besitzer eines Tierheim-Hundes (Labrador-Schäferhund-Mischling). Mal davon abgesehen, dass er noch einen ziemlichen Dickkopf hat und grade knietief in der Flegelphase steckt, wird er abends mir (also Frauchen) gegenüber zum Werwolf :barb: . Aber erst sobald es dunkel wird! Da wird selbst das Animieren zum letzten Gassi gehen zur Mutprobe. Unser Hund legt also die Ohren an, senkt den Kopf, bekommt ganz große, dunkle Augen und fletscht. PROBLEM!!! Da ich oft abends und nachts mit dem Hund alleine bin, müssen wir dringend daran arbeiten. Nur die Frage ist - wie???? Ich habe es mit Ignoranz versucht, auf eine Ebene begeben, uswusw...... Da ich in dieser Hinsicht mit meinem Latein am Ende bin, bin ich froh um jeden Ratschlag...... :hilfe:
    Viele Grüße und einen schönen Tag!

  • Hallo,

    verstehe ich es richtig, dass dein Hund dich anknurrt und die Zähne fletscht, wenn du in der Dunkelheit mit ihm herausgehen möchtest?
    Nur bei dir?
    Wie verhält er sich gegenüber anderen, wenn diese mit ihm gehen wollen?

    Was bedeutet, du hast dich mit ihm auf eine "Ebene" begeben?
    Bist du in die Hocke gegangen?
    Du hast es mit Ignoranz versucht?
    Muss ich es so verstehen, dass du ihm Halsband/Leine, trotz Warnungen, angelegt hast und losmarschiert bist?
    Oder bist du dann nicht mit ihm gegangen?

    Wie alt ist er genau?
    Was ist über seine Vorgeschichte bekannt?
    Wie lange zeigt er dieses Verhalten?
    Ist in der Dunkelheit mal etwas Negatives vorgekommen?
    Kann der Hund gut sehen?

    Beschreibe bitte die ganze Situation etwas genauer.
    Wann genau fängt dieses Verhalten an?
    Wie nahe stehst du vor ihm?

    Was heißt "ziemlichen Dickkopf"?
    Woran machst du das aus?

    Gruß
    Leo

  • Hallo Leo,

    vielen Dank für Deine Nachricht. Dickkopf bezieht sich darauf, dass er noch nicht so 100% hört, sich beim Gassi gehen auch mal auf eigene Pfade begibt ( durch den Wald fegt und mal 5-10 Min weg ist), mal hört, mal nicht.
    Leider zeigt er das "Werwolf"-Verhalten bei meinem Freund nicht. Es fängt immer an wenn es dunkel wird. Und nicht mal unbedingt, wenn man nur mit ihm raus will. Auch in seine Nähe kommen wird da schwierig. Komischer Weise auch nur wenn er irgendwo liegt. Wenn er hinter mir in der Küche steht z.B. ist alles ok, aber liegen geht überhaupt nicht :/ . Leider wissen wir nichts über seine Vorgeschichte. Eben nur, dass er bei einer Familie mit Kindern war und 2 Jahre alt ist. Er war bis wir ihn geholt haben dann bei einer Mitarbeiterin des Tierheims in einem Hauszwinger mit 5 anderen Hunden untergebracht. Anfangs war alles gut. Das Verhalten zeigt er mir gegenüber eigentlich erst seit einer OP mit Vollnarkose an der Pfote.

    Wenn ich mit ihm raus will (abends, egal wie spät) und er mich anknurrt, versuche ich ihn mit Leckerchen aus dem Körbchen zu locken. Wie gesagt, wenn er da raus ist und steht, ist alles ok. Aber wehe wir kommen wieder rein und ich habe das Halsband nicht ab bevor er sich hinlegt, geht der Zores wieder los. Ich bin also am Anfang dann auch garnicht mit ihm gegangen und habe ihn einfach liegen gelassen und auch nicht mehr beachtet. Man versucht ja so einiges um dem Hund zu zeigen, dass man ihm nichts böses will. Ich hab mich also auch schon vor das Körbchen gesetzt und nichts gemacht damit er sieht, dass nichts schlimmes passiert wenn ich zu ihm komme.
    Er sieht im Dunkeln sehr gut und beschützt mich draussen auch wenn ich ihn mal soweit habe.

    Ich habe also schon verschiedenste Varianten ausprobiert und hoffe nun weiter auf Hilfe. Irgenwie muss der Hund ja zu "knacken" sein. Bei Herrchen geht's ja auch......

    LG
    Natascha

  • :???:


    Irgendwie liest es sich für mich so,
    als ob Du sein Verhalten unbewußt und unwillkürlich bestärkt hast.
    Du bist auf ihn eingegangen, hast ihn quasi "belohnt".
    Und jetzt scheint Ihr beide in diesem Verhaltensmuster festzustecken.

    Könntest Du eventuell so eine Art Hausleine an ihn dran machen?
    So in dem Zeitraum herum, wo er noch "normal" auf Dich reagiert,
    kurz bevor es Abend wird?

    Wenn Du dann mit ihm rausmußt,
    dann ruf ihn,
    nimmt die Hausleine auf und geh damit in den Flur, zur Haustür, in die Diele,
    oder wohin auch immer Du gehen mußt.

    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Zitat

    Hallo Leo,

    Dickkopf bezieht sich darauf, dass er noch nicht so 100% hört, sich beim Gassi gehen auch mal auf eigene Pfade begibt ( durch den Wald fegt und mal 5-10 Min weg ist), mal hört, mal nicht.

    :D Welcher Hund gehorcht 100%ig?
    Aber das sind nicht alles Dickköpfe, es gibt für einen Hund oft interessantere Dinge als Frauchen.
    Da benötigt der Hund schon viel Motivation, um auf Abruf zu kommen, einen hohen Anreiz.
    Du solltest ihn an der Schleppleine + Geschirr führen, den Rückruf trainieren.
    Zumindest sollte er vorerst auch keinen Erfolg mit Abhauen haben.
    Rufe ihn nur einmal, kommt er nicht, rufe keine fünf Mal, so lernt er nur, dass er nicht unbedingt kommen muss.
    Belohnst du ihn mit guten Leckerlies, wenn er kommt, also bitte kein langweiliges Trockenzeug?!
    Nimm Käse oder Fleischwurststückchen.
    Sobald er in deine Richtung läuft, spornst du ihn noch etwas an, indem du schneller läufst, dich seitlich drehst (quasi rückwärts).
    Schnalze dabei mit der Zunge, klopfe auf die Oberschenkel und sporne ihn in höchsten Tönen an.
    Üben!
    Ein freilaufender, unkontrollierter Hund kann im Wald eine Menge Ärger verursachen, manch' ein Jäger versteht da keinen Spaß.

    Zitat

    Leider zeigt er das "Werwolf"-Verhalten bei meinem Freund nicht.

    Was macht er anders?


    Zitat

    Es fängt immer an wenn es dunkel wird. Und nicht mal unbedingt, wenn man nur mit ihm raus will. Auch in seine Nähe kommen wird da schwierig. Komischer Weise auch nur wenn er irgendwo liegt. Wenn er hinter mir in der Küche steht z.B. ist alles ok, aber liegen geht überhaupt nicht :/ .

    Eine Annäherung bei Dunkelheit, wenn er liegt, würde ich nun wochenlang aussetzen.
    Diese Verhaltenskette würde ich zunächst unterbrechen.


    Zitat

    Das Verhalten zeigt er mir gegenüber eigentlich erst seit einer OP mit Vollnarkose an der Pfote.

    Wann war das?
    Kannst du dich an irgendetwas Konkretes erinnern?
    Hast du ihn in der Dunkelheit vom Tierarzt abgeholt, hatte er Schmerzen, die er mit dir verknüpft?


    Zitat

    Wenn ich mit ihm raus will (abends, egal wie spät) und er mich anknurrt, versuche ich ihn mit Leckerchen aus dem Körbchen zu locken.

    Das solltest du auf keinen Fall mehr machen.
    So könnte eine Verhaltenskette entstanden sein bzw. noch entstehen.

    Hund knurrt, du lockst ihn mit Leckerlie...
    Damit bestätigst du sein Knurren.
    Er lernt: Knurren > Frauchen lockt mich - Leckerchen.

    Zitat

    Wie gesagt, wenn er da raus ist und steht, ist alles ok. Aber wehe wir kommen wieder rein und ich habe das Halsband nicht ab bevor er sich hinlegt, geht der Zores wieder los.

    Notfalls nicht abmachen!

    Zitat

    Ich bin also am Anfang dann auch garnicht mit ihm gegangen und habe ihn einfach liegen gelassen und auch nicht mehr beachtet.

    Wie lange hast du das durchgezogen?
    Gar nicht mal so verkehrt.


    Zitat

    Man versucht ja so einiges um dem Hund zu zeigen, dass man ihm nichts böses will. Ich hab mich also auch schon vor das Körbchen gesetzt und nichts gemacht damit er sieht, dass nichts schlimmes passiert wenn ich zu ihm komme.

    Und wie lange hast du das geübt?
    Wie reagierte er darauf?

    Zitat

    Er sieht im Dunkeln sehr gut und beschützt mich draussen auch wenn ich ihn mal soweit habe.

    Der Hund soll dich in Zukunft beschützen oder macht er das jetzt schon?
    Das hört sich immer toll an, wenn ein Hund einen beschützen würde, aber im Grunde ist es kein wirklich wünschenswertes Verhalten (wirklich nicht), dazu müsste ein Hund speziell ausgebildet werden.
    Das soll aber nicht Thema sein.

    Hast du wegen dieser Verhaltensweisen schon mal einen Hundetrainer kontaktiert?

    Natascha, wie du siehst, löst man ein Problem nicht von heute auf morgen.
    Noch gibt es jede Menge Fragen dazu.

  • Vielen lieben Dank für die Antworten. Die Tipps fürs Gassi-gehen werde ich in jedem Fall umsetzen. Momentan "arbeiten" wir mit Meatballs die er total klasse findet, aber wir werden mal wieder variieren.

    Ich finde eine Hausleine garkeine schlechte Idee.

    Ich würde ihn ja auch gerne ignorieren wenn er mich abends anknurrt und ich raus will. Gehe ich aber nicht mehr mit ihm, schmeisst er mich nachts raus. Auch nicht wirklich wünschenswert.

    Als es nach der OP angefangen hat, hat die H-Trainerin gesagt ich soll ihn ignorieren und einfach an ihm vorbeilaufen (wenn er z.B. vor dem Couchtisch liegt und knurrt). Da war es teilweise wirklich schlimm. Er hat die Narkose überhaupt nicht vertragen und hat sich dann auch fletschend vor mich gestellt. Das ist wie gesagt vorbei. Unser Problem ist wirklich nur der Abend/ die Nacht. Ich weiss ehrlich gesagt nicht was mein Freund anders macht. Der Hund leibt ihn einfach abgöttisch und ist auch eifersüchtig wenn mein Freund mich z.B. abends in den Arm nimmt. Vielleicht ist das auch der Knackpunkt? Aber dann müsste es ja auch tagsüber so sein, oder?!

    LG

  • Hallo,

    könnte es sein, daß der Hund Schmerzen gehabt hatte,
    und diese dann einfach mit Dir in Verbindung gebracht hat,
    weil Du (ständig) an ihm vorbeilaufen "mußtest"?


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Natascha,

    versuche folgendes:

    Wenn du abends mit ihm herausgehen möchtest, rufe ihn zu dir, das kannst du belohnen (wenn er kommt)
    Gehe nicht auf den liegenden Hund zu.
    Stelle dich in den Raum, nimm die Leine in die Hand, ziehe die Jacke an und rufe ihn.
    Kommt er nicht, gehe ohne Hund heraus.

    Sollte er knurren, drehe dich um, ignoriere es und gehe auch dann ohne Hund, aber mit Leine, für 10 Minuten raus.
    Dann kommst du wieder und ignorierst ihn.

    Du gehst erst mit ihm, wenn er freiwillig kommt und nicht knurrt, wiederhole das "Spiel".
    Mehrfach am Abend.
    Wann geht ihr das letzte Mal VOR der "Dunkelheit-Runde" heraus?

    Verlege diese Runde so spät wie möglich, es bleibt nun länger hell.

    Sollte das Herausgehen ohne Knurren nicht klappen (wie oben beschrieben), ignoriere sein nächtliches Wecken.
    Weckt er nur dich oder auch deinen Freund?

    Zitat

    Der Hund leibt ihn einfach abgöttisch und ist auch eifersüchtig wenn mein Freund mich z.B. abends in den Arm nimmt. Vielleicht ist das auch der Knackpunkt? Aber dann müsste es ja auch tagsüber so sein, oder?!

    Hunde lieben nicht.
    Das ist ein menschl. Gefühl.
    Egal.
    Unwichtig.
    Wenn dein Freund dich in den Arm nimmt, hat der Hund zwischen euch nichts zu suchen :D
    Entweder er lässt sich schon zuverlässig aus diese Situationen schicken oder ihr povoziert es und bindet den Hund vorher an seinem Platz an, wenn er dort nicht zuverlässig bleiben kann (auf Kommando).
    Er schiebt sich in den Mittelpunkt, da unterbindet ihr ab heute ;)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!