Starke Angst vor Knallen - Gewöhnung möglich?

  • Hi euch allen

    einige Tage vor der diesjährigen Silvesterknallerei hat Sean beschlossen, dass er ab sofort Schiß vor Knallerei jeder Art hat. Sobald in näherer oder auch ziemlich weiter Umgebung ein "Bumm!" zu hören ist, stemmt er die Beine in den Boden und will zurück. Gassi ist nicht. Lieber bleibt er den ganzen Tag in der Wohnung und kneift den Hintern zusammen.

    Es ist dabei egal, ob es wirklich ein übriggebliebener Silvesterkracher ist, eine Fehlzündung, eine zugeworfene Haustür oder ein Brett, das jemand draußen auf einen Sperrmüllhaufen wirft. Es ist auch egal, ob es ein wirklich lauter Knall oder eher ein ziemlich leises Geräusch in weiter Ferne ist.
    Sean will dann nicht mehr. Er hat wirklich Angst.
    Leider gibt es solche Geräusche draußen doch öfter als man denkt, und so finden unsere Spaziergänge seit letztem Dezember immer öfter ein schnelles Ende. Auch am nächsten Tag ist Sean noch nervös und bereit, sofort umzudrehen.
    Ich gehe trotzdem wenn möglich immer die gewohnte Runde, damit er irgendwann hoffentlich merkt, dass nichts Außergewöhnliches vorliegt. Bringt aber nichts, er ist dann ein Nervenbündel.
    Und manchmal ist wirklich nicht daran zu denken, mit ihm weiterzugehen. Ich müsste ihn mit aller Kraft vorwärtsschleifen, während er alle Viere in den Boden stemmt (Sean wigt 40kg). Macht ja auch keinen Sinn.

    Im letzten Jahr hat er zwar direkt am Silvester auch Angst wegen der Knaller gehabt, jedoch nur während der "Hauptzeit". Am nächsten Tag war alles wieder ok.

    Dieses Jahr waren wir Silvester auf einem Bauernhof auf dem Land, wo die nächste Knallerei gute zehn Kilometer entfernt stattfand. Trotzdem schiebt er seitdem ununterbrochen Panik.
    Wir können sein Verhalten an keiner schlechten Erfahrung festmachen.

    Nun überlegen wir, ob, wie und auf welche Weise wir ihn an die knallenden Geräusche gewöhnen können, die es im Alltag immer geben wird. Sean ist leider kein Held, er hat ein sehr dünnes Nervenkostüm, entsprechend behutsam müssten wir vorgehen.

    Ist das überhaupt möglich und ratsam?
    Ich kann ihn ja nicht den Rest seines Lebens mit Scheiß-egal-Pillen füttern (würde ich, wenn überhaupt, nur zu Silvester in Betracht ziehen).

  • Goggel mal nach Geräusche-CD, da gibt es einiges. Damit kann man mit viel Mühe den Hund schon ein wenig desensibilisieren.

    Allerdings muß man es richtig machen: Die CD wird anfangs eeeextrem leise abgespielt, so leise, daß der Hund noch gar nicht reagiert. Er sollte total entspannt sein. Du kannst ihm in dieser Zeit was leckeres zu kauen geben oder mit ihm was spielen, oder ihn einfach entspannt schlafen lassen. Wenn Du das Abspielgeräut auf Shuffle stellst, dann haben die Geräusche jedes Mal ne andere Reihenfolge und gewöhnt sich nicht an die Abfolge. Schaffst Du Dir unterschiedliche CDs an, kann das auch helfen... Nach einiger Zeit kannst Du dann die Lautstärke um eine Stufe höher stellen .. Das gleiche dann solange, bis die CD richtig laut abgespielt werden kann und Hund trotzdem total cool bleibt... Die Mini-Schritte sind extrem wichtig. Der Wuff sollte IMMER total cool und entspannt sein, darf nie Angst zeigen...

    Noch ne Möglichkeit könnte sein: Clickern anfangen und ihm mit dem Clicker beibringen, daß er selber Lärm macht. Also krams aufbauen und ihn dort hin clickern, bis er mit dem Kram was anstellt. Das dann auch steigern.. So kannst Du sein Selbstbewußtsein steigern. Nach und nach lautere Dinge nehmen: Dosen, die umfallen, runter fallen usw... Halt ganz vorsichtig...

  • Das mit der CD ist ne gute Idee. Vielen Dank!
    Ich werde das Abspielgerät nach draußen vor die Terrassentür stellen (wenn's Wetter mitspielt) und mal gaaaanz vorsichtig anfangen. Innen hätte es keinen Sinn. Mein Männe spielt öfter Konsolenspiele, wo's auch ordentlich kracht, das stört den Hund nicht die Bohne.
    Hoffentlich gibt's auch ne passende CD im Handel :-)

    Clicker kennt er und verknüpft er auch mit was Angenehmen.

  • Je nachdem wie schlimm es bei Deinem Hund ist, kannst Du auch mal versuchen gegen zu konditionieren..

    Bluey hatte mal ne Phase, in der er das Klackern der geschlossenen Badtür im Schloß, wenn das Fenster auf war und Wind gegangen ist, ganz schrecklich fand.

    ich habe mich dann mit Leckerli bewaffnet, habe das Klackern ausgelöst und wie beim Konditionieren vom Clicker pro Klackern Leckerlis gereicht. Innerhalb weniger Übungseinheiten war die Sache gegessen... Dafür darf die Angst bzw. Panik aber nicht allzu groß sein.

    Ähnlich habe ich es mit Automatik-Schirmen gemacht: Schirm mit paar Leckerlis gefüllt und aufgemacht. Sobald er aufging, fielen die Leckerlis raus. Wie gesagt: Geht nur, wenn die Angst nicht zuuuuu groß ist...

  • Hallo,

    oh je, noch so ein Kandidat :sad2:

    Zitat

    Goggel mal nach Geräusche-CD, da gibt es einiges. Damit kann man mit viel Mühe den Hund schon ein wenig desensibilisieren.


    Meine Meinung dazu ist, der Kauf lohnt sich nicht, denn die Hunde unterscheiden sehr wohl, ob die Knallerei aus dem Lautsprecher im Haus oder von draußen kommt.
    Ich denke, es gibt draußen ganz andere Zusammenhänge, Schwingungen, die die Hunde wahrnehmen, Gerüche, die die Knaller hinterlassen.

    Bei uns lief die CD rauf und runter; Dago hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt, doch draußen sah es ganz anders aus.

    Ich habe, dank eines Tipps von Corinna, begonnen, jeden Knall mit ganz großen Tamtam zu feiern, also so getan, als wäre es was ganz tolles und DAgo bei jedem Knall ein Leckerchen gegeben. Das allerdings habe ich erst kurz vor Silvester angefangen, also zu spät. Wobei er am Nachmittag auf die entfernten Böller nicht mehr so panisch reagierte
    Die Fortsetzung läuft jetzt, wenn ein Jäger schießt.

    Es ist sehr schwer, dem Hund mitzuteilen, dass die Knallerei nichts ist, wovor er Angst haben muss, deshalb habe ich Dago Silvester auch Eierlikör gegeben, der ihn etwas beruhigt hat

  • Wenn ein Hund NUR Streß mit den Silvester-Böllern hat, dann gebe ich Dir recht, da bringt die CD nicht so arg viel. Wie Du sagst, Schwingung usw...

    Aber der beschriebene Wuff hat ja nun mit allen möglichen Geräuschen Streß... Und da denke ich wiederum, daß so ne CD ganz gut helfen könnte...

    Ausprobieren könnte man es und so ne CD kostet ja nun wirklich nicht die Welt...

  • Zitat

    Versuch macht klug. Sicher kann man es ausprobieren.

    eine gute Möglichkeit wäre auch, regelmäßig an einem Schießplatz vorbei zu gehen.

    Hier ist auch ein Video, das kannst du mal abspielen

    https://www.dogforum.de/viewtopic.php?…er=asc&&start=0

    Danke für den Link!

    Das mit dem Schießplatz wäre jetzt absoluter Horror für den Hund. Damit warte ich lieber.
    Ich hab's in der Vergangenheit fleißig mit Konditionieren versucht (bei uns sind ja auch Jäger unterwegs).
    Immer wenn's geballert hat, den Hund mit Leckerlis und Übungen (Sitz, BitteBitte..) versucht, abzulenken. Eigentlich ist er extrem verfressen und läßt sich bei nem Futterangebot nicht lumpen.
    Aber beim Knallen interessiert ihn sogar das nicht mehr. da ist nur noch Panik im Blick.

    Ich schau mal, wie's funzt, wenn das Abspielgerät draußen auf der Terrasse Krach macht. Die Nachbarn werden mich wohl für meschugge halten, aber die sind schon einiges gewöhnt von uns. :lol:

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