Unterwolle beim Hund - Schutz gegen Kälte, Wärme und Nässe

Unterwolle und Deckhaar

Das Hundehaar wächst aus kleinsten Öffnungen in der Haut. Bei Hunden mit Unterwolle wachsen aus derselben Öffnung Haare mit unterschiedlicher Konsistenz - das längere Deckhaar und das kürzere, feinere Unterhaar. Das Deckhaar mit der festeren Struktur schützt unter anderem vor Verletzungen, das wolligere Unterhaar sorgt für den isolierenden Effekt gegenüber Kälte und Wärme, bietet aufgrund der Talgproduktion der Haut Schutz vor Feuchtigkeit und ist auch in gewissem Maß Schmutz abweisend. Hunde ohne oder mit nur gering ausgeprägter Unterwolle gehen daher eher nicht so gerne ins kühle Wasser oder im Regen spazieren und benötigen im Winter oft einen Kälteschutz. Im Sommer dösen sich selbst überlassene Hunde in südlichen Gefilden bevorzugt an geschützten schattigen Plätzen vor sich hin; sie sind von sich aus nur in den kühleren Morgen- und Abendstunden oder auch nachts aktiv.

Fellwechsel - das Haarkleid passt sich den Jahreszeiten an

Über die Zirbeldrüse registriert der Hund die saisonalen Änderungen der Tages- und Nachtlänge und steuert entsprechend den Biorhythmus, gibt dem Organismus aber auch das Signal, sich auf die wärmere oder kältere Jahreszeit vorzubereiten. Ebenso tragen sukzessive steigende oder fallende Temperaturen dazu bei. In der Folge verdichtet sich die Unterwolle in den Herbstmonaten, während das Deckhaar dünner wird. Im Frühjahr findet der umgekehrte Prozess statt. Im Winter sorgt das Unterfell dafür dass der Körper nicht auskühlt, im Sommer schützt die luftigere isolierende Konsistenz vor Überhitzung.


Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie Ihren Hund bedenkenlos übermäßiger Hitze aussetzen dürfen, denn anders als Menschen schwitzt er nicht über die Haut, was einen kühlenden Effekt hat, sondern verfügt nur über wenige Schweißdrüsen und hechelt zum Temperaturausgleich. Das geht mit einem Feuchtigkeitsverlust einher und der kühlende Effekt, den das Hecheln vor allem über das Nasensekret auf das Gehirn hat, ist begrenzt. Die Unterwolle bietet also einen gewissen Schutz vor Überhitzung durch sommerliche Wärme, dennoch sollten Sie Aktivitäten bei höheren Temperaturen einstellen und Ihrem Hund neben ausreichend frischem Wasser ein Schattenplätzchen gönnen.

Bürsten, trimmen, scheren

Insbesondere während des Fellwechsels, aber auch regelmäßig zwischendurch, ist die Fellpflege wichtig. Sie trägt maßgeblich dazu bei, dass das Haarkleid seine Aufgaben richtig erfüllen kann. Einigen Hunderassen wird nachgesagt, sie würden nicht haaren. Zutreffend ist, dass diese weniger Fell in der Umgebung hinterlassen. Die ausfallenden Haare bleiben stattdessen im Fell hängen. Das Bürsten oder Trimmen dient dazu, sie zu entfernen, damit die Hautfunktion nicht beeinträchtigt wird. Hier können sich andernfalls Keime ansiedeln, die Haut kann nicht mehr atmen und wird durch die eigene Talgproduktion zusätzlich verstopft. Das kann Juckreiz und Entzündungen zur Folge haben.


Das Scheren ist bei einigen Hunderassen üblich. Die dichte, oft wellige oder lockige Struktur und die Länge des Fells verhindern, dass sich lösende Haare abfallen können und auch mit Bürsten sind sie während des Haarwechsels oft schwer zu entfernen. Durch das Scheren erfolgt eine Kürzung, die Fellpflege gestaltet sich einfacher, die Haut profitiert ebenfalls davon. Beim korrekten Scheren wird aber stets eine gewisse Haarlänge beibehalten, damit auch Unterwolle und Deckhaar ihre Aufgaben noch erfüllen können und die natürliche Schutzfunktion behalten.

Vorsicht bei der Kurzhaarfrisur

Wird die Unterwolle kurz geschoren, sind der Organismus und die Haut nicht mehr ausreichend vor Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen geschützt. Sie würden beispielsweise Ihrem Berner Sennenhund oder Yorkshire Terrier keinen Gefallen tun, ihm in der warmen Jahreszeit das Fell möglichst kurz zu scheren, sondern das Gegenteil bewirken. Da das Deckhaar in den Sommermonaten nicht in der Wachstumsphase ist, die Unterwolle jedoch im Herbst wieder fülliger wird, kann sie länger als das Deckhaar werden, was zu einer flauschigen Fellstruktur führt. Verfilzungen werden begünstigt und Hauterkrankungen sind nach einer solchen radikalen Sommerschur keine Seltenheit.


Bürsten Sie Ihren Hund dagegen auch außerhalb des Fellwechsels regelmäßig, fördert das die Durchblutung der Haut, abgestorbene Hautschüppchen lösen sich ebenso wie lose Haare entfernt werden, die Haut wird besser belüftet und kann atmen und die Unterwolle behält ihren schützenden, isolierenden Effekt. Daher ist das Bürsten auch für kurzhaarige Hunde mit wenig oder gar keiner Unterwolle ein nicht zu unterschätzendes Wellnessprogramm.


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