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Pubertät beim Hund: plötzlicher Reset im Gehirn

Von der optimalen Gehirnentwicklung zum Chaos im Kopf

Mit dem Heranwachsen unterliegt der Organismus des Hundes ständigen Veränderungen. Während der Prägephase des Junghundes werden wichtige Synapsen im Gehirn geschaltet: Die Verknüpfungen der Nerven sind die Voraussetzung zur Weiterleitung von Reizen und Informationen an das Gehirn. Dieses verarbeitet und bewertet sie, um die Anweisungen für eine angemessene Reaktion und das Verhalten zu liefern. Empfängt das Gehirn also das Kommando "Sitz", gibt es seinerseits den Befehl an den Bewegungsapparat, die entsprechende Haltung einzunehmen. Dies erreichen Sie über die Erziehung, die idealerweise bereits im Welpenalter beginnt. Jede positive Bestätigung führt dazu, dass Ihr Hund bereitwillig lernt und den gewünschten Gehorsam entwickelt, denn er verbindet etwas Angenehmes damit.


Ebenso lernt er, sich mit anderen Hunden zu verständigen, Umweltreize zu verarbeiten, sich auf Ihre Führung zu verlassen. Er lernt, welches Verhalten in welcher Situation von ihm erwartet wird. Die Vernetzungen der Nerven untereinander sowie mit dem Gehirn führen bei einer guten Sozialisierung auch dazu, dass sich der Hund in bisher unbekannten Situationen zurechtfindet, statt in Panik zu verfallen.

Umbaumaßnahmen in der Pubertät

Mit der Pubertät setzen neue neuronale Prozesse ein. Es findet ein regelrechter Umbau im Gehirn statt. Beim Welpen aufgrund der rasanten Entwicklung noch stark benötigte Gehirnbereiche werden nun weniger gebraucht und bilden sich daher zurück. Dafür erleben andere Gehirnbereiche einen Wachstumsschub, beispielsweise der sogenannte Mandelkern, der Emotionen verarbeitet und steuert. Ebenso entwickelt sich nun ein Bereich stärker, der den Lernprozess und die kognitiven Fähigkeiten betrifft.


Ging es beim Welpen vorrangig um allgemeinen Input und Orientierung, bereitet sich das Gehirn nun darauf vor, dass der Hund sich eigenständiger zurechtfindet. Das muss er, denn die Natur gibt mit der Geschlechtsreife vor, sich einen Partner zu suchen und Nachwuchs zu zeugen, der seinerseits aufgezogen, sozialisiert und auf das Leben vorbereitet werden muss. Diese Instinkte gab es zuvor nicht, sie erwachen erst mit der Pubertät und Geschlechtsreife. Können Sie sich vorstellen, dass das verwirrend für Ihren heranwachsenden Hund ist? Auf einmal haben die Gerüche um ihn herum eine ganz andere Wirkung auf ihn. Einerseits muss er nun lernen, sich in einer neuen Reizvielfalt zurechtzufinden, andererseits muss er sich selbst neu kennenlernen, denn er erlebt seine erwachende Sexualität und entwickelt neue Triebe.

Die Hormone fahren Karussell

Im Verlauf der pubertären Entwicklung werden vermehrt Dopamin, Testosteron und andere Hormone ausgeschüttet. Das führt, in Kombination mit den Veränderungen im Gehirn, die ja auch den emotionalen Bereich betreffen, oft zu Überreaktionen. Angst, Aggression, erhöhte Stressanfälligkeit und Nervosität sind häufige Begleiterscheinungen. Seien Sie ehrlich - in diesem Zustand soll sich Ihr Hund noch wie gewohnt auf Sie konzentrieren und in all dem Gefühls-, Geruchs- und Reizwirrwar "Sitz" machen?

Keine Sorge - das geht vorbei

Auch, wenn Ihr Hund in dieser Phase alles vergessen zu haben scheint, sich wie ein aufmüpfiger Halbstarker benimmt, zickig auf Artgenossen reagiert oder sie anpöbelt, seine Grenzen austestet oder überschreitet: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Er tut das nicht, um Sie zu ärgern. Er braucht Sie in dieser Zeit ganz besonders. Bleiben Sie konsequent, üben Sie weiter mit ihm, was einmal so gut funktioniert hat, und stellen Sie Regeln auf. Es mag vielleicht nicht den Anschein erwecken, aber damit helfen Sie Ihrem Hund. Er kann sich daran orientieren, hat im übrigen Chaos einen geordneten, sicheren Rahmen und eines Tages ist die pubertäre Phase abgeschlossen. Dann dürfen Sie feststellen, dass sich Ihre Bindung in der schwierigen Zeit, in der Sie dennoch für ihn da waren, nochmals verstärkt hat.


Die als Welpe erlernten Dinge überleben übrigens die Pubertät - wenn Sie dafür sorgen. Das Gehirn erkennt, dass einst verinnerlichte Verhaltensregeln noch immer , und baut sie in die neu entstehenden neuronalen Schaltkreise ein.

Wann beginnt und endet die Pubertät beim Hund?

Den Beginn erkennen Sie an veränderten Verhaltensweisen, die viele Gesichter annehmen können. Das Alter variiert mit der Rasse, Endgröße und individuellen Entwicklung: Bei dem einen ist es mit sechs Monaten so weit, bei anderen Hunden setzt die Pubertät erst nach einem Jahr ein. Es gibt Vierbeiner, die diese Entwicklungsphase weniger drastisch durchlaufen. Spätestens die Läufigkeit bei der Hündin zeigt Ihnen, dass es so weit ist. Rüden beginnen stattdessen ihr Bein beim Urinieren zu heben und zu markieren. Das Ende ist meist schleichend. Es ist möglich, dass Sie im Anschluss ein verändertes Wesen bei Ihrem Hund feststellen - ein ehemaliger Draufgänger kann sich auf einmal eher schüchtern und ein ehemals unsicherer Zeitgenosse auf einmal mutig und offensiv zeigen.


Wussten Sie, dass es eine weitere wichtige Entwicklungsphase im Anschluss gibt, die Adoleszenz oder auch "zweite Pubertät" genannt wird? Wiederum finden in dieser Phase Veränderungen statt, die ähnlich auffällig wirken können, wie in der eigentlichen Pubertät. Ihr Jungspund wird nun ganz erwachsen. Der Körperbau verändert sich nochmals geringfügig in den Proportionen und der Hund erreicht auch seine emotionale und geistige Reife. Der Zeitraum unterscheidet sich wiederum mit dem Hund: Manche werden mit eineinhalb, andere erst mit drei Jahren wirklich erwachsen.


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Bild: Adobe Stock © veronika7833

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