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Begegnungen mit anderen Hunden: Die regeln das nicht unter sich!

Den Hund verstehen

Trotz Domestikation und Anpassung an das Leben in menschlicher Gesellschaft verfügen Hunde noch über natürliche Instinkte. Beim einen sind diese mehr, beim anderen weniger ausgeprägt. Dazu zählen Nahrungsbeschaffung, die Eigensicherung sowie die des Rudels und der Sexual- oder Fortpflanzungstrieb. Das Rudel des Hundes sind die Menschen und gegebenenfalls Tiere im Haushalt. Der Lebensraum ist das Revier. Das betrifft den Wohnraum sowie Wege, auf denen Sie spazieren gehen und an welchen der Hund seine Duftmarken hinterlässt. Den Lebensraum und das Revier gilt es wie das eigene Leben und das des Rudels zu schützen. Bestenfalls gibt es für einen Hund keinen Grund dazu, da sein Mensch das übernimmt.

Sozialverhalten üben oder Begegnungen meiden?

Besuchen Sie eine Welpengruppe, eine Hundeschule oder einen Auslaufplatz, um Ihrem Hund soziale Kontakte zu ermöglichen? Einerseits ist das sinnvoll: Ihr Hund lernt Artgenossen verschiedener Rassen und Größe kennen und erfährt, dass es Hunde mit Hängeohren und andere mit Stehohren gibt, sie bei einigen die Augen unter langem Fell nicht sehen können und manche ohne Rute unterwegs sind.


Das ist wichtig, denn Hunde kommunizieren vielfältig mit dem gesamten Körper. Nun stellen Sie sich einen Mops vor, der einen anderen Hund mit seinen großen Augen anstarrt oder eine französische Bulldogge mit starkem Überbiss, die einem anderen Hund unaufhörlich die Zähne zeigt. Beides kann durchaus als Bedrohung aufgefasst werden und zu entsprechenden Reaktionen führen. Vielen Hunden wurden die natürlichen Kommunikations- und Ausdrucksmöglichkeiten schlicht weggezüchtet. Um Missverständnissen vorzubeugen, ist es daher hilfreich, wenn Ihr Hund weiß, dass es unterschiedliche Artgenossen gibt und lernt, sich mit diesen zu verständigen.


Andererseits ist es für Hunde völlig unnormal, jeden anderen Hund bei Begegnungen zu begrüßen und mit ihm zu "spielen". Dies entstammt einer rein menschlichen Denkweise.

Begegnungen aus Hundesicht

Sie sind mit Ihrem Hund unterwegs und begegnen anderen Hund-Mensch-Teams. Die Hunde kennen sich nicht. Es wäre aus Hundesicht unhöflich und provokativ, nun frontal auf den anderen zuzugehen. Selbstverständlich gibt es unter Hunden variable Charaktere, darunter auch Draufgänger. Das aber kann für den Gegenüber zu einem enormen Konflikt führen: Er müsste beschwichtigen oder Paroli bieten. Aus Hundesicht ist es richtiger, in einem Bogen aneinander vorbeizugehen. Idealerweise werden die Hunde dabei an der einander abgewandten Seite geführt, denn das bringt für sie deutlich zum Ausdruck, dass ihre Menschen die Situation im Griff haben.


Ohne menschliche Begleitung würden sich einander fremde Hunde entweder von vornherein ausweichen oder aber in einiger Entfernung voneinander stehenbleiben, um den Gegenüber abzuchecken: Ist er freundlich gesonnen, eher auf Abwehr oder auf Angriff aus? Haben wir die gleiche Wellenlänge? Ist alles im grünen Bereich, würde eine langsame, respektvolle Annäherung erfolgen. Dabei senden die Hunde durch ihre Körpersprache unaufhörlich Signale. Sind sich beide schließlich einig, kann es durchaus zu einem näheren Kennenlernen und Spiel kommen. Es kann aber auch zu einer Rauferei kommen. Ohne menschlichen Einfluss würden vermutlich beide entscheiden, dass sie einander ausweichen und getrennte Wege gehen, es sei denn, es besteht eine Paarungsabsicht.

Die regeln das unter sich?

Oft bleibt Hunden gar nichts anderes übrig, als sich mit ständig anderen Artgenossen Nase an Nase auseinanderzusetzen: Ihre Menschen sind der Annahme, so könnten sie sich austoben und miteinander spielen. Was für Menschen wie Spiel aussieht ist jedoch häufig ganz klar eine Verfolgung des einen durch den anderen Hund. Ein überlegener Hund kann einen unterlegenen unterdrücken, während der unterlegene verzweifelt versucht, zu beschwichtigen, um mit heiler Haut davonzukommen. Können Sie sich vorstellen, wie sehr ein solcher Hund auf seinen Menschen angewiesen ist? Der Mensch wäre in der Verantwortung, ihn aus dieser Situation herauszuholen, besser noch, ihn gar nicht erst einem derartigen Stress auszusetzen.


Hunde sind wahre Meister in der Anpassung, verfügen über ein ausgeprägtes Sozialverhalten, sofern es ihnen nicht abtrainiert oder aberzogen wird und meiden Stress oder Konflikte, wenn sie es dürfen. Werden sie ständig in Konfrontationen mit anderen Hunden gedrängt, gehen sie auch damit auf ihre Weise um - es bleibt ihnen schließlich nichts anderes übrig. Folglich ist die Aussage "die regeln das unter sich" zutreffend, aber nur, weil Hunde von ihren Menschen dazu gezwungen werden. Selbst würden sie sich nicht in Situationen stürzen, in denen sie ständig etwas zu regeln hätten.


Gehen Sie mit jedem Menschen auf der Straße sprichwörtlich auf Tuchfühlung und umarmen ihn oder beginnen einen Streit?

Wie verhalten Sie sich richtig?

Am besten ist es natürlich, wenn Sie Ihren Hund verstehen und ebenso einen beliebigen Hund, der Ihnen begegnet: Was drückt der andere Hund aus? Wie ist seine Stimmung? Wie interagiert er mit dem Menschen an seiner Seite?


Machen Sie sich bewusst, dass jeder Hund eine Individualdistanz hat, seine sichere Zone, die niemand Fremdes unterschreiten darf. Auch der Leinenradius ist als Privatsphäre des Hundes zu schützen. Erweisen Sie sich als souveräner Begleiter Ihres Hundes, der das respektiert.


Im Laufe der Zeit lernen Sie sicher andere Menschen und Hunde kennen, bei welchen die Chemie stimmt. Gemeinsame Spaziergänge mit den Hunden, bei denen beide Halter zunächst eine gewisse Distanz einhalten, sind eine gute Gelegenheit für alle, sich näher kennenzulernen. Dann steht später auch einem unbeschwerten, echten Spiel zwischen den Hunden nichts mehr im Wege - und es gibt nichts, was die Hunde unter sich regeln müssten.


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Bild: Adobe Stock © SAJ

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