Eigene Erfahrung: Hündin aus dem TS Ungarn, wurde von einer Familie (!) mit 4/5 Monaten im TH abgegeben (Original Herkunft privater Vermehrer der mal Nachbars Vizsla rübergelassen hat) und dann in einen Hort und dann weiter auf eine erfahrene gute deutsche Pflegestelle gebracht. Hündin kommt zu zwei engagierten Menschen, eine Anfängerin, eine Erfahrung aber noch keinen eigenen Hund gehabt plus 11jähriger Sohn. Hat Giardien und Blasenentzündung. Alleinsein hat mit Hundegesellschaft bereits geklappt. Ist verunsichert und ängstlich bei Geräuschen und so aber neugierig.
Hört sich gut an, oder? Jung, kennt Familie mit Kindern, gute Pflegestelle?
Joa. Mittlerweile ist der Hund seit drei Jahren bei uns und es ist gut mit ihr. Aber. Das erste Jahr war echt, echt anstrengend. Das zweite nur noch anstrengend. Langsam wird es lockerer. Erstes halbes Jahr: wiederholt Giardien und wie flying-paws sagte kaputter Darm, mehrfach Medikamente, Wohnung ozonisieren (jedes Mal dauert das einen Tag!). Darm ist bis heute sensibel.
Dazu Privattrainerin, Physio und Orthopäde.
Spaziergänge den Feldweg hoch und zurück, 3x20min am Tag weil reizüberflutet. Alleine bleiben konnte sie aber auch nicht, also auch das minutenweise aufbauen. Alle paar Tage was neues einführen. Unser Leben hat um den Hund bauen müssen anfangs. Nach einem halben Jahr konnten wir dann mal alle zusammen baden gehen so 2-3h in einer Badebucht, DAS Highlight. Versteh mich nicht falsch, ich liebe den Hund und ich wusste, dass sowas sein kann. Ich hab auch gewusst, dass wir es IRGENDWIE schaffen, auch wenn wir heulend im Wald standen. Aber wenn man sich einen jungen Hund aus dem TS holt, muss man wissen: da kann genau sowas sein. Der Hund ist eine Wundertüte. Man kann vieles einschätzen ungefähr. Aber eben ungefähr. Wer bereit ist, sein Leben zumindest für Monate oder auch paar Jahre stark anzupassen (keine Wanderungen mit der ganzen Familie z.B., einer bleibt beim Hund, Besuch managen und Hund abtrennen…), der kann sowas gut machen. Aber zu einen System welches wenig flexibel ist (und das ist mit Kindern recht schnell der Fall), ist sowas einfach heikel.
Meiner Meinung nach, kann ein erwachsener Hund (so ab 3-4 Jahren je nach Rasse) der länger auf Pflegestelle ist deutlich besser eingeschätzt werden als ein Teenager der in einer ungünstigen Entwicklungsphase verpflanzt wird und weder sexuell noch jagdtrieblich noch charakterlich „fertig“ ist.
Überlegt euch, mit welchen Worst Cases ihr leben könnt. Die können ganz schön schlauchen. Und unerwartet sein. Mein Sohn zum Beispiel musste sich sicher 1/2-1 Jahr anhören, dass er auf Spaziergängen nicht rennen soll, keine Stöcke aufheben darf, keine Steine kicken usw. Miteinander plaudern auf dem Spaziergang? Unmöglich.
Und ja, inzwischen geht das alles und wir sind ein super Team. Mein Sohn liebt den Hund auch. Aber es kostete. Das muss man wollen und tragen können. Es muss nicht so schwierig werden, aber weil man es nicht ausschliessen kann bei einem jungen Hund, muss es einkalkuliert werden. Redet euch das bitte nicht schön.