Ich greif das mal raus, denn dieses "sich bewertet fühlen" kommt ja nicht von ungefähr. Als Hundehalter hat man Träume, wie so das Zusammenleben mit Hund sein soll, wie gut erzogen der Hund sein soll etc.
Und dann ist es natürlich so, wenn was nicht so klappt, der Hund einfach nichts von den Vorstellungen hält, deutliche mehr Temperament hat, deutlich mehr eigene Interessen, es sich schon wie die erste Kritik an den eigenen Fähigkeiten anfühlt. Denn man macht und tut und ist wirklich bemüht und trotzdem wird's nix....
Kommen dann noch Aussagen wie "Schuld ist immer der Mensch", "es liegt immer am anderen Ende der Leine" ---- das nagt dann nur noch mehr an dem Selbstvertrauen (was man aber braucht), aber auch an der Motivation.
Manche Dinge bei manchen Hunden brauchen erstmal ein verdammt stabiles Fundament, um das eigentliche Problem überhaupt in Angriff nehmen zu können.
Und das kann durchaus heißen, erstmal 1-2 Jahre an solchen Dingen wie Abrufbarkeit von Futter, Orientierung an der Leine und im Freilauf, akurater Aufbau von selbstständiger Umorientierung, absolut sicherer Aufbau von nem Abbruch bedeuten, bevor man dann tatsächlich in die Situationen geht, wo der Hund eine verdammt schwere Aufgabenstellung bereit gehalten hat.
Dafür braucht es Geduld. Viel Geduld. Und manchmal eben auch die Einsicht, dass man mit genau diesem Hund nicht die 100% erlangen kann und das 80% wirklich das sind, was Hund und Halter erreichen können.
Manche Hunde machen es einem leichter als andere, bei manchen muss man echt lange basteln, viele einzelne kleine Schritte gehen und viele kleine Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammenfügen.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Vertrauen. Ist das erstmal weg, stellt es sich nicht einfach auf Knopfdruck wieder ein. Das Gehirn merkt sich leider lieber negative Erlebnisse...
Mit Erbse hab ich echt lange gebastelt, sie geht auf Spur und auf Sicht. Von schreiend durch den Wald laufen bis zum entspannten Freilauf waren ein weiter Weg, dennoch wird sie nie die 100% Freilauf erreichen, wie z.B. andere meiner Hunde und dementsprechend bleibt da einfach mal auch die Leine dran.
Mitm Eggman hab ich jetzt 2 Jahre gebastelt, davon das letzte Jahr noch mal wirklich sehr intensiv, dass der mir keine Passanten mehr stellt. Die Arbeit war aber nie in der Situation selbst, sondern ich hab an den ganzen vielen anderen Stellschrauben gebastelt, die für ihn zum 100% gedreht werden mussten.
Hat sich ausgezahlt. Wenn er jetzt die nächsten 2 Testtrainings genauso absolviert, dann braucht er keine Leine mehr.
Gegen diese Arbeit war das Thema Jagen bei ihm wirklich pippifax.
Das ging innerhalb von wenigen Wochen.
Man steckt halt nicht drin und kann immer nur mit dem arbeiten, was der Hund gibt.