Am Ende also hoffentlich viel Wind um nix.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich verstehe einfach nicht warum man ohne not einen gendefekt mitschleppen muss.
Es fallen auch immer gesunde Geschwister ohne diesen die die gleichen Eltern haben.
Nein, es fallen nicht immer Geschwister ohne den Gendefekt. Das ist nur statistisch richtig. In einem konkreten Wurf kann alles passieren: es können alle Welpen ohne den Defekt zur Welt kommen, es können alle Welpen Träger sein, es kann jede Verteilung zwischen diesen beiden Eckpunkten vorkommen. Erst bei sehr hohen Zahlen nähert sich das Ergebnis zuverlässig der 50/50-Aufteilung. Das einzige was bei der Verpaarung von Träger x Frei feststeht: es fallen keine kranken Welpen.
Wenn man nur ein einzelnes Problem betrachtet, dann könnte man natürlich trotzdem auf diese Weise anstreben, das Problem komplett zu eliminieren. Aber es gibt kein Lebewesen, das mit nur einem Gen auskommt. Es gibt kein Lebewesen, das nur einen Gen-Defekt hat. Die meisten potentiellen genetischen Probleme sind nicht bekannt. Eine etwas kleinere Gruppe von potentiellen genetischen Problemen ist zwar bekannt aber noch nicht testbar. Und eine ziemlich kleine Gruppe von potentiellen genetischen Problemen kann derzeit mittels Gen-Test überprüft werden.
Selbst diese ziemlich kleine, testbare Gruppe von genetischen Problemen ist größer als 1. Nehmen wir an, in einer Rasse gibt es mehrere mögliche Gentests für rezessiv vererbte Probleme. Nehmen wir weiter an, die Hündin hat in einem Fall ein krankes Allel und der Rüde hat ein potentiell problematisches Allel für eine andere Krankheit. Dann ist statistisch gesehen zu erwarten, dass die Hälfte der Welpen den einen und die Hälfte der Welpen den anderen Gendefekt hat. Wenn die Verteilung dieser Defekte auch nach Statistik-Lehrbuch klappt, dann hat die Hälfte der Welpen genau einen der beiden Defekte, ein Viertel der Welpen hat beide Defekte und ein Viertel der Welpen ist frei. Für einen konkreten Wurf mit statistisch gesehen winziger Welpenzahl ist wieder jede Kombination möglich. Schon bei zwei gesundheitlichen Problemen wird es also ziemlich kompliziert mit den Geschwistern ohne Defektgen. Je weiter die Forschung an den genetischen Krankheiten voranschreitet, umso mehr solcher Tests gibt es, umso komplizierter wird es. Nicht weil die Hunde immer kränker werden. Diese Überlegung gilt schon für den Fall, dass die schon lange vorhandenen Krankheiten immer besser und immer früher erkannt werden können.
Wenn man in relativ kurzer Zeit alle Träger aller bekannten Gendefekte aus der Zucht nimmt, dann kann man davon ausgehen, dass diese Krankheiten nicht mehr auftreten. Man kann aber auch davon ausgehen, dass wegen des noch mehr eingeschränkten Gen-Pools tatsächlich neue, bisher unbekannte genetische Erkrankungen häufiger vorkommen, für die man wieder Gentests braucht und die man wieder mühsam eliminieren soll, was wiederum den Genpool verkleinert und wieder bisher unbekannte Gendefekte zutage treten lässt ...
Gendefekte völlig aus einer Population zu eliminieren ist nur dann sinnvoll, wenn es keinen Nebeneffekt gibt. Es gibt z.B. dann ziemlich sicher keinen Nebeneffekt, wenn der Defekt so selten ist, dass man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit noch gar nicht entdeckt hat. Fazit: egal von welcher Seite man es betrachtet, alle Träger von bekannten Gendefekten aus der Zucht zu nehmen birgt viel mehr Risiken als es nützt.
Apropos fortschreitende Forschung: Bei Rassen, deren Zuchtvereine sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten schon Mühe gegeben haben, gibt es idR mehr Tests als in den Rassen, deren Zuchtvereine den Kopf in Sand gesteckt haben. Nun argumentieren einige, dass die Vereine ja nichts gemacht hätten und deshalb jetzt eine Regelung von oben her muss. Da bin ich sogar dabei. Dann soll es aber bitte genau die Vereine und Züchter treffen, die wirklich nichts verändert haben.
Aber jetzt wird es ganz fies: genau die Vereine, die sich schon seit Jahren um Verbesserung bemühen, die Gentests fordern und die Entwicklung solcher Tests unterstützt haben, die schon länger dafür sorgen, dass es keine betroffenen Hunde mehr gibt, DIE dürfen jetzt keine gesunden Träger mehr verpaaren. Die Vereine, die sich aus dieser Entwicklung rausgehalten haben, mögliche Studien nicht unterstützt haben, keine Gen-Tests zur ZZL vorschreiben, die nur phänotypisch nach Krankheiten schauen und nur die betroffenen Hunde aus der Zucht nehmen (sofern das rechtzeitig klappt), die dürfen weiterhin mit ihren ungetesteten Defektgen-Trägern und vollem genetischen Risiko züchten.
Das kann nicht richtig sein.