Zitat
Den Unterschied sehe ich nicht in der Angstreaktion, sondern im auslösenden Ereignis. Der an Silvester angstauslösende Lärm ist in dieser Form im Jahr einmalig und man kann den Hund dem auch nicht entziehen, was es unmöglich macht, den Hund diesbezüglich schrittweise auf den Hund abgestimmt zu desensibilisieren.
Jupp, da hast du recht. Gerade die Sylvesterböllerei ist natürlich schwer nur so zu dosieren, dass man vernünftig arbeiten kann. Da muss der Hund im Zweifel einfach durch, aber das gilt auch für andere mehr oder weniger alltägliche Situationen.
Zitat
Außerdem kommt der Lärm auch scheinbar von überall und nirgendwo. Bei den meisten alltagsgeräuschen kann ich den Hund vermitteln, "schau da kommt der Lärm her, aber es passiert nix" oder ich entferne mich einfach weiter von der Lärmquelle bzw. führe den Hund nur schrittweise heran. Das ist bei der Silvesterkracherei so nicht ohne weiteres möglich.
Nah dann gehen wir da tatsächlich verschieden vor, denn ich zeige meinem Hund die bedrohliche Situation nicht. Es ist mir völlig egal, warum er Angst hat und das mein ich auch so
Ich finde es nicht schlimm, wenn er Angst hat, denn das ist ja eine völlig natürliche Reaktion, die im Zweifel lebensrettend sein kann. Daher empfinde ich Angst im Prinzip auch nicht als etwas Schlimmes, das man abtrainieren muss. Mir ist es wichtig, das mein Hund weiß, was er tun kann, wenn er sich ängstigt und genau das Wissen darüber, dass er immer die Möglichkeit hat sich in Sicherheit zu bringen, macht ihn selbstsicherer und weniger ängstlich.
So sehe ich natürlich eine besonders hohe Belastung für den Hund, wenn er einer Situation ausgesetzt ist, die ihn über die Maße ängstigt, daraus würde sich aber von meiner Seite aus keinen Unterschied in meinem Handeln ergeben.
Zitat
Wie gesagt, grundsätzlich - also in alltäglichen "Angststituationen - handhabe ich es eigentlich genauso, wie Susami sagt, teilweise sogar nur mit Ignorieren ohne irgendwie auf die Situation einzugehen.
Hm, ich gebe meinem Hund schon so viel wie er eben benötigt. Meist ist das einfach Nähe und Körperkontakt und genauso würde ich auch an Sylvester verfahren. Wenn mein Hund sich ängstlich an mich kuscheln würde, dann würde ich ihn mit Sicherheit beruhigend streicheln und ihn nicht einfach ignorieren oder gar aufstehen und andere "wichtige" Dinge tun. Aber das ist für mich eine völlig normale Reaktion und nichts, was ich an Sylvester speziell so tun würde.
Zitat
Genauso, würde ich es auch bei einer übermäßigen Angstsituation an Silvester machen, obwohl man das ja als bestärkende Handlung auffassen könnte. M.E. spielt das aber in einer solchen Situation nur eine untergeordnete Rolle, weil man die Angst wohl kaum noch wird steigern können und es wohl mehr darum geht, den Hund wieder "zurückzuholen".
Bei Alltagssituationen würde ich aber wahrscheinlich so nicht vorgehen, da ich hier - meistens - andere Möglichkeiten habe, daran zu arbeiten.
Nein, das Fixieren und Streicheln ist keine bestärkende Handlung, oder
Das Fixieren ist, denke ich, zunächst einmal sogar eher als bedrohlich anzusehen, ebenso das zwangsweise streicheln oder massieren. Es dient ja auch in erster Linie dazu den Hund vor sich selbst zu schützen, wenn er nur noch panikt.
Ist der Hund noch aufnahmefähig, dann würde ich eine solche Reaktion egal in welcher Situation als völlig unnötig unter Umständen sogar als völlig verkehrt bezeichnen. Denn einen Hund, der sich ängstigt, aber noch gut weiß, was er tut oder zu tun hat, den würde ich niemals zwangsweise (eng) festhalten und zum Körperkontakt zwingen.
Solange der Hund noch nicht völlig entrückt ist, dann lässt sich wunderbar mit den Dingen, die er selbst anbietet an seiner Angst arbeiten.