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Ruuuuuhhhhig Brauner... Also mal ehrlich, was ist das hier für ein Umgangston? Hier wird diskutiert und es werden Meinungen dar geboten. Wenn DU das nicht tolerieren kannst, bist Du leider falsch in einem Forum!
Gut, vielleicht reagiere ich manchmal etwas heftig. Allerdings habe ich mich bestimmt nicht im Umgangston vergriffen, das sähe dann ganz anders aus. Eine Meinung als Quatsch zu bezeichnen ist jedoch weder eine Beleidigung noch eine Provokation sondern lediglich erstmal meine Meinung zu den Dingen. Insbesondere dann, wenn ich sie im Folgenden noch begründe! Also erstmal gaaanz ruhig!
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Übrigens sind die Argumente von Kuschelwuschel nicht wirklich verkehrt. Im Gegenteil.
Das ist deine Meinung, meine ist, wie geschrieben, eine andere. Ich weiß auch, dass meine Meinung konträr zu vielen momentanen Lehrmeinungen steht, allerdings auch nicht zu allen. Meiner Meinung nach wird momentan viel zu sehr die Dominanzschiene gefahren und das kann ich gerade in Bezug auf das Tier, mit dem wir es zu tun haben, dem Pferd, überhaupt nicht verstehen. Ich gehe seit 20 Jahren meinen eigenen Weg mit meinen Pferden und vielen anderen Pferden (häufig Problempferden) und kann viele der Dinge, die ich von verschiedenen Pferdeausbildern einfach nicht nachvollziehen, weil das was ich täglich erlebe bzw. täglich erlebt habe etwas ganz anderes ist.
Das als kleine Erklärung dafür, warum ich bei diesem Thema schnell etwas heftig reagiere, was von mir aber nie und in keinster Weise böse oder abwertend gemeint ist.
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Zu Deiner Meinung, das die Leitfunktion nichts mit Dominanz zu tun hat, möchte ich sagen das Du da meiner Meinung nach etwas daneben liegst.
Ich selbst habe auch Erfahrung mit Pferden und dem Verladen jener. Es gibt Pferde die haben tatsächlich keine Angst. Aber sie "verar****" einen auch nicht, so wie wir diesen Begriff definieren.
Ich sagte ja schon, ein Pferd, welches keine Angst hat wird immer freiwillig auf einen Hänger gehen, wenn der Verstärker interessant genug ist. Warum geht ein Pferd nicht auf einen Hänger um seinen Hafereimer abzuholen? Warum läuft es aber zielstrebig zu diesem, wenn der Eimer nicht im Hänger steht? Welchen Sinn hätte ein solches Verhalten, wenn der Mensch in dieser Situation völlig in den Hintergrund tritt?
Es ist einfach zu sagen, dass das Pferd keine Angst hat, wenn es doch sonst in den Hänger geht. Tatsache ist aber, viele Pferde gehen in den Hänger, obwohl sie sich vor dem Hänger oder auch nur der Situation fürchten. Tja, und hier kommt das Vertrauen bzw. auch die Dominanz ins Spiel, vertraut mir ein Pferd, so wird es trotz seiner Angst einsteigen, wenn ich ihm die Richtung weise. Nun könnte man einwenden, dass doch kein Pferd einem wildfremden Menschen vertrauen kann, aber doch immer wieder ängstliche Pferde mit ihnen wildfremden Menschen auf den Hänger gehen. Aber auch wenn das augenscheinlich paradox ist, so gibt es dafür einen ganz einfachen Grund. Vertrauen hat nur bedingt etwas damit zu tun, wie lange und wie intensiv mir etwas bekannt ist, zwar kann langjährige Verlässlichkeit das Vertrauen erhöhen, grundsätzlich vertraut man jedoch umso mehr je zielstrebiger, je sicherer und je überzeugender das Gegenüber auftritt.
Vertrauen benötigt jedoch keinesfalls Dominanz, denn Dominanz schließt, wie du ja auch schon bemerkt hast, aus, dass sich der Dominierte gegen die "Regeln" entscheidet. Für den Dominierten stellt sich die Frage nicht danach was die beste Entscheidung ist, dem Dominierten ist die Entscheidung bereits vorgegeben. Natürlich lässt sich das auch nett verpacken. Kennst du den Spruch: "Arbeite so mit deinem Pferd, dass es denkt, dass die Idee von ihm kam."? Dass ist sicherlich nicht die schlechteste Art mit einem Pferd zu arbeiten, dem Pferd bleibt aber trotzdem keine Wahl. Es wird dominiert.
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Aber "testen" und "Anzweifeln" liegt in diesem Fall ganz dicht beisammen. Hat ein Pferd gewisse Lebensabschnitte durchlaufen, dann testet es natürlich ob es nicht in der Lage ist "aufzusteigen", gerade weil es in diesem Moment vielleicht zweifelt dass der bisherige "Herdenchef" in der Lage ist, ihm Schutz zu geben.
Nein, da widerspreche ich und genau da liegt auch der eklatante Unterschied zwischen dem, was du unter "testen" verstehst und ich unter "anzweifeln". Du bist der Meinung, dass ein Pferd testet um zu schauen, ob der Chef noch "fit" ist oder ob es an der Zeit ist, dass es selbst als "fitterer" seinen Platz einnimmt. Dabei unterstellst du dem Pferd, dass es bestrebt wäre seinen Platz in der Rangordnung der Herde zu verbessern.
Ich sage aber, ein Pferd ist froh, wenn es keine Verantwortung übernehmen muss. Es ist liebend gern nicht Herdenführer, WENN, ja wenn es einen besseren für diesen "Posten" gibt. Jemanden, dem es sein Leben anvertrauen kann. Kein Pferd wird freiwillig einem anderen Pferd folgen bei dem es sich nicht sicher fühlt. Das meine ich mit "anzweifeln", das Pferd übernimmt nicht die Führung, weil es bestrebt ist diese Aufgabe auszufüllen, sondern es übernimmt diese Aufgabe gezwungenermaßen, weil niemand besseres zur Verfügung steht.
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Nun zur Dominanz: Es wird keine Stute zur Leitstute wenn sie nicht Dominant ist. Dominanz, Konsequenz, Cleverness, Behendigkeit, Wachsamkeit sind Bausteine für die Funktion der Leitstute.
Dominanz hat aber auch nichts mit (physikalischer) Stärke zu tun.
Es wird immer das Pferd zum Führer, dem die anderen folgen und folgen tun Pferde dem, dem sie vertrauen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder von einem willkürlich unter beengten Zuständen zusammengeschmissenen Pferdehaufen auf die Rangordnung geschlossen wird. Insbesondere meint man erkennen zu wollen, dass ein Pferd der "Chef" ist, weil es andere Pferde vom Heu vertreibt. Das aber sind Futterrangordnungen. Rangordnungen, die etwas damit zu tun haben wie Ressourcen verteilt werden. Ein natürlich gehaltenes Pferd kennt aber gar keine Ressourcen, alles was dem Pferd fürs Überleben wichtig ist steht im gleichen Maße allen zur Verfügung. Viel interessanter ist die Frage, welches Pferd wichtige Entscheidungen trifft. Welches Pferd "entscheidet" wann und wo gefressen wird, wann man zur Tränke wandert, wann gedöst wird, wann man flüchten muss? Zu welchem Pferd drehen sich die Köpfe, wenn eine Gefahr bemerkt wurde? Auch lässt sich beobachten, dass es Pferde gibt, denen die anderen stetig folgen, während das bei anderen in dem Maße nicht zu beobachten ist.
Diese Dinge haben viel mehr etwas damit zu tun, welchen Status das einzelne Pferd in der Herde hat, als eine völlig unnatürliche "Futterrangordnung".
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Ich könnte Dir eine Stute vorstellen, da würdest Du mit Deiner Einstellung zu diesem Thema völlig daneben liegen. Und sie ist kein sogenanntes "Problempferd"... sie ist lediglich eine charakterstarke Stute, die das Vermögen hat innerhalb 2-3 Tage in einer neuen Herde Cheffin zu sein... und das tut sie auch, obwohl sie es doch in dieser gefestigten Gemeinschaft einfacher haben könnte...
Natürlich gibt es solche Pferde, auch ich kenne und kannte solche Pferde. Jedoch sind genau diese Pferde meist nicht die, die ich unter "echten" Leitstuten verstehe bzw. kennengelernt habe. Meist sind es Pferde, die gut gelernt haben sich den, sich ihnen bietenden Bedingungen anzupassen. Ressourcen nehmen in der Pferdehaltung, wie sie häufig praktiziert wird, einen hohen Stellenwert ein und je besseren Zugriff das Pferd auf die Ressourcen hat, desto vorteilhafter lebt es sich. Aber wie sieht es mit den "echten" Leitstutenqualitäten aus? Folgen die anderen Pferde diesen Pferden wirklich oder orientieren sie sich eher anders? Je dominanter eine Leitstute auftreten muss, desto schwächer ist auch ihr Führungsanspruch!
Interessant ist in diesem Zusammenhang ist auch, dass diese Pferde deutlich ausgeglichener, zufriedener und ruhiger werden je unbegrenzter die Ressourcen zur Verfügung stehen. Eine sinnvoll zusammengestellte Herde, die über Jahre zusammenwachsen kann, tut da ihr übriges.
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Mhhh widerspricht sich da nicht etwas?
Wenn Du einem Pferd die Wahl lässt, brauchst Du es gar nicht erst verladen.
Warum darf ich denn mein Pferd nicht mehr verladen? Es könnte doch durchaus möglich sein, dass meine Pferde auf den Hänger gehen, obwohl sie die Wahl haben. :^^:
Im Übrigen würde ich ja grundsätzlich immer an diesem Problem arbeiten, allerdings eben mit dem Pferd und für das Pferd (schließlich hat ja auch das Pferd das Problem :^^: )
Wie gesagt, Methoden kenne ich viele ein Pferd auf den Hänger zu bekommen. Ich wende sie jedoch aus Überzeugung nur im Notfall an.