Hab letztens eine im Wald getroffen: Hübsche junge Frau, schlank, dazu Klamotten mit denen sie in jedem Modekatalog komplett mit Frisur, Make-Up, Schuhen und Tasche einfach so ohne Änderungen hätte übernommen werden können. Und dazu ein junger Viszla an kurzer Leine. Da muss ich sagen, ist mir auch gleich die Schublade "Leute, die ihren Hund zum Outfit auswählen" aufgegangen. Aber ist halt auch unfair. Vielleicht kam sie geade vom Bewerbungsgespräch und musste zwischendurch den Hund kurz mal ausführen, ist extra dafür in den Wald oder ähnliches.
Dennoch hab ich zu diesem Anlass auch noch mal drüber nachgedacht, wie viele Leute ich im Bekanntenkreis habe, die sich Jagdhunde aufgrund ihres Aussehens geholt haben, die sich aber null Gedanken über Ausbildung, Erziehung und Auslastung gemacht haben. Das sind einige. Manche kriegen die Kurve und holen sich einen guten Trainer. Bei anderen fristet der Hund ein Leben als Wohnungshund - und wenn es mal raus geht, immer nur an der Leine, weil anders nicht möglich.
Ich kannte einen Gordon Setter seit der Welpengruppe. Auf die Frage, warum diese Rasse, kam die Antwort: "Wir haben in einem Hundebuch geblättert und die haben uns am besten gefallen." Ohne rot zu werden! Da ich wusste, was kommen würde, wenn der Hund "reift", habe ich sie eingeladen, zusammen mit mir und meinem roten Setter zu trainieren (Grundkommandos, Abruf, Impulskontrolle, Radius einhalten, Vorstehen etc.). Nach zwei Versuchen hieß es, sie hätten ja auch noch drei Kinder und daher keine Zeit "für so'n Kiki". Der Hund wurde völlig verhaltensgestört. Er rannte herum wie eine gesengte Sau, kläffte alle Leute an, die er traf, wurde dann zunächst zum Leinendauerknast verurteilt und später gar nicht mehr ausgeführt und nur noch im Garten gehalten. Und als wir uns nach Jahren noch mal trafen, fiel dann der Satz: "Beim nächsten Mal kaufen wir uns auch so einen Roten. Ihrer ist ja doch viel ruhiger als unserer." Da fiel mir echt nichts mehr ein, außer: Entschuldigen Sie mich bitte, ich geh nur kurz Kotzen.
Ich hätte noch mehr Beispiele. Jedenfalls sind längst nicht alle Hunde, die als "Püppchen" oder Accessoire herhalten müssen, die klassischen Schoßhunde oder Kleinsthunde. Bei den Jagdhunden fällt's mir in den letzten Jahren besonders stark negativ auf.