@wiejetztich So, ichbin durch mit Mitgutscha "Zwei Leben und ein Tag".
So ein Ausnahmewerk wie "Die Züchtigung" ist das Buch jedoch nicht. Thematisch ähnelt es der "Ausgrenzung", einem anderen sehr gelungenen Werk der Autorin!
Worum geht's also? Edith blickt, alt und krank, zurück auf ihre Vergangenheit, geprägt von der schwierigen Beziehung zu ihrem ehemaligen Lebensgefährten, und von der Liebe zu und Sorge um ihren Sohn Gabriel, der sehr eigen ist, ein Außenseiter, der sich in der Welt nur mühsam zurechtfindet (angedeutet wird ein Hirnschaden bei der Geburt, wenn ich mich recht erinnere - sein Verhalten weist aber auch autistische Züge auf und ähnelt ab und zu dem des Protagonisten in "Ausgrenzung").
Erzählt wird das Buch vor allem aus der Perspektive Ediths, die nicht abgeschickte Briefe an ihren Expartner verfasst.
Ein weiterer Handlungsstrang erzählt von Gabriel nach dem Tod seiner Mutter. Er hat kaum soziale Kontakte, wird oft ausgenutzt, ist ein leichtes Opfer.
Eingearbeitet in das Buch ist die Lebensgeschichte des "Moby Dick"-Autoren Herman Melville und mir war es eindeutig "too much Melville" in diesem Roman! Zwar ist seine Lebensgeschichte sehr interessant, von daher hab ich diese Passagen auch alle gelesen, aber für mich nahm dieser Strang der Geschichte einfach zu viel Raum ein. Am Ende fühlte sich die Geschichte für mich etwas unvollständig an.
Mitgutsch schreibt wie immer sehr gekonnt, aber dem Buch fehlt die "Wucht" anderer ihrer Werke.