Ich habe von Irving bisher nur "Witwe für ein Jahr" gelesen, war aber auch nicht so recht mein Fall...
So, fertig mit Sylvis Plaths "Die Glasglocke", dem im Jahr ihres Suizids verfassten Roman über die junge Collegestudentin Esther Greenwood, die in eine Existenzkrise oder auch eine schwere Depression fällt. Jahrelang schon schlich ich um dieses Buch herum, dementsprechend hoch waren die Erwartungen.
Auf jeden Fall las sich "Die Glasglocke" deutlich flüssiger und einfacher als vermutet. Der Roman ist nicht sperrig oder abstrakt, sondern sehr greifbar, der Schreibstil schlicht und auf das Nötigste reduziert, darum ist das Werk mit nicht einmal 300 Seiten recht schnell ausgelesen.
Nichtsdestotrotz hat "Die Glasglocke" eine bestimmte erzählerische Kraft, die Gedankengänge Esthers kennt wohl so ziemlich jeder, der schon einmal Depressionen hatte, ebenso die lähmende Bewegungslosigkeit, weil man nichts mehr zustande bringt und an der Sinnlosigkeit der simpelsten Aufgaben zweifelt.
Gleichzeitig ist der Roman natürlich auch das Porträt der damaligen Zeit und ihrer gerade für Frauen sehr einengenden Konventionen: Frauen sollen jungfräulich in die Ehe gehen, unbedingt heiraten und Kinder bekommen, was Esther für sich ablehnt. Heute ist die Situation eine andere, dafür fühlt man sich irgendwie an den heutigen Druck, früh sexuell aktiv zu sein und begehrenswert zu wirken, erinnert - die Gesellschaft hat sich gewandelt, aber nun gibt es andere Zwänge und Dynamiken, die vor allem Frauen nach wie vor einengen und objektifizieren.
Es macht traurig zu wissen, dass Plath selbst aus der Dunkelheit keinen Ausweg fand, während die Protagonistin der Glasglocke ihr Tief überlebt.