Genial, genialer, am genialsten - und die einzige Steigerungsform dazu ist David Mitchell. "Die Knochenuhren" habe ich dermaßen geliebt und verschlungen, wie es mir selten bei einem Roman passiert. "Der Wolkenatlas" war ebenfalls ein literarisches Erlebnis, wenn er für mich auch ein paar weniger faszinierende Passagen hatte, so war er doch ebenfalls ein Meisterwerk.
Und nun habe ich auch noch "Chaos" gelesen - die englische Originalausgabe trägt den ebenfalls sehr passenden Titel "Ghostwritten" - und bin wieder mal völlig "blown away" von Mitchells schriftstellerischer Brillanz. Wieder werden mehrere - in diesem Fall neun - Geschichten, die auf den ersten Blick völlig zusammenhangslos erscheinen, auf absolut gekonnte, geschickte, mysteriöse und faszinierende Weise miteinander verknüpft, sodass sich aus den losen Fäden am Ende ein stimmiges - wenngleich verwirrend-choatisches für sicherlich so manch Leser, einschließlich meiner Wenigkeit - Gesamtbild ergibt, eine Menschheitsgeschichte par excellence - ein Potpourri an großen Themen, die hier großartig zusammengeführt werden: Krieg und Frieden, der Fortschritt der Technik und die Bedrohung, die dies zeitgleich für unsere Zivilisation bedeutet, Gier und Verbrechen, Liebe und Hoffnung, Fanatismus und Geisterwesen, Sinnsuche und Elend.
Ob man hier eine alte Frau, die sich mit einem "Baum" am Heiligen Berg unterhält, begleitet, eine Kunstdiebin in Sankt Petersburg vor einem großen Coup, ein körperloses Wesen, das durch Berührungen seinen "Wirten" wechseln kann und auf Sinnsuche ist, oder der irischen Wissenschaftlerin Mo Muntervary, deren Entdeckungen zur Quantenkognition gegen ihren Willen für militärische Zwecke verwendet werden - Mitchell hat mit "Chaos" ein wahrlich unvergessliches Leseerlebnis geschaffen, für das ich nur eine unbedingte Empfehlung aussprechen kann.