Zuletzt gelesen: "Sea of Tranquility" von Emily St. John Mandel
Meine Leseflaute hat scheinbar ein Ende, denn "Sea of Tranquility" war auf fast hypnotische Weise mitreißend und zutiefst bewegend. Ich liebe es, wenn es Romanen gelingt, unser ganzes vermeintliches Wissen in Frage zu stellen und zu tiefgehendem Nachdenken anzuregen. Und das tut dieser Roman, in dem auf unaufgeregte und dennoch bis ins Innerste vordringendste Weise, große Überlegungen aufgeworfen werden: Was ist Raum? Was ist Zeit? Was ist, wenn das Raum-Zeit-Kontinuum Anomalien aufwiese? Wenn Zeitreisen möglich wären? Warum handeln wir, wie wir handeln? Was macht uns menschlich? Was ist Realität? Woher wissen wir, was echt ist und was nicht?
Dabei ist "Sea of Tranquility" für jede*n gut lesbar, da die Autorin sich auf den menschlichen Aspekt der Geschichte konzentriert. Es ist also kein tiefergehendes Verständnis für Physik und Mathematik notwendig, um sich von dieser Lektüre in den Bann ziehen zu lassen.
Erzählt werden mehrere Geschichten, mehrere menschliche Schicksale bilden das Herzstück des Werks, sie alle sind stärker miteinander verwoben, als zunächst anzunehmen wäre, obwohl sie sich zu ganz unterschiedlichen Zeiten der Menschheitsgeschichte ([ferne] Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart) zutragen.
Obwohl ich meist ein großer Fan dicker Schmöker bin, gefiel mir hier gerade das Minimalistische, die Sogwirkung, die der Roman trotz seiner nicht einmal 250 (recht groß bedruckten) Seiten entfaltete.
Ich mochte Filme bzw. Serien wie "Interstellar", "The OA", "Dark" und Bücher wie David Mitchells "Chaos" und "Die Knochenuhren", teils auch Kate Atkinsons "Die Unvollendete", wem solche Kreationen gefallen, der wird vermutlich auch Gefallen an "Sea of Tranquility" finden. Eindeutig nicht der letzte Roman, den ich von dieser ungewöhnlichen Autorin gelesen haben werde!