Zuletzt gelesen: "Ich war keine Heldin", Autobiographie von Antonia Bruha
Antonia Bruha, geboren 1915 in Wien, engagierte sich vor und im zweiten Weltkrieg für die Sozialdemokratie und gegen die Nationalsozialisten. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie im österreichischen Widerstand tätig und setzte ihren Einsatz auch während ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes fort.
1941 wurde sie von der Gestapo festgenommen und verbrachte zunächst fast ein Jahr in Einzelhaft. Ihr Ehemann wurde aus Mangel an Beweisen freigelassen. Das gemeinsame Kind wurde in einer Pflegefamilie untergebracht, Bruhas Mann konnte aber mit dem Kind glücklicherweise den Kontakt halten.
Immer wieder wurde Antonia Bruha unter Druck gesetzt, ihre MitstreiterInnen zu verraten, sie blieb jedoch standhaft. Während ihrer Haft begegnete sie immer wieder anderen, ebenfalls festgenommenen Mitglieder aus der Widerstandsgruppe. Einige von ihnen wurden von den Nazis zum Tode verurteilt.
Antonia Bruha selbst wurde schließlich ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Dort musste sie unter unmenschlichen Bedingungen hausen, wovon sie in dem Buch mit erschütternder Ehrlichkeit erzählt. So gab es für die Gefangenen immer nur dürftige Portionen Steckrüben zu essen, dennoch mussten sie schwere körperliche Arbeit verrichten, wurden geschlagen und gedemütigt. Bruha bemühte sich selbst in dieser furchtbaren Lage, andere Frauen zu unterstützen. Sie berichtet in dem Buch von den Gräueltaten der Nazis, welche sie im KZ mitbekam: So wurden an manchen Gefangenen medizinische Experimente durchgeführt, Frauen, die den Roma und Sinti angehörten, wurden unter schlimmsten Schmerzen zwangssterilisiert, Krankheiten breiteten sich aufgrund der katastrophalen hygienischen Lage beinahe ungebremst im Lager aus.
In den letzten Tagen des Krieges gelang Bruha die Flucht, und schließlich kehrte sie nach Wien zurück.
Ihr Buch ist ein erschreckender und aufrüttelnder Zeitzeuginnen-Bericht. Bruha veröffentlichte "Ich war keine Heldin" bereits in den 80er-Jahren und ging als Zeitzeugin immer wieder auch an Schulen, um junge Menschen aufzuklären und politisches Bewusstsein zu erzeugen.
Ich bin sehr dankbar, dass unsere Volksschullehrerin immer wieder Zeitzeug*Innen an unsere Schule einlud, die zu uns Kindern sprachen. Antonia Bruha selbst habe ich leider nie kennengelernt, aber unsere Lehrerin erzählte uns (kindgerecht) ihre Lebensgeschichte, da sie selbst mit ihr vertraut war. Ich denke, gerade jetzt wäre es unglaublich wichtig, junge Menschen auf eine möglichst nicht trockene, nachhallende Art über das Grauen des Nationalsozialismus aufzuklären. Dafür eignen sich Einzelschicksale wie das der Antonia Bruha ganz besonders. Es wäre auf jeden Fall auch als Klassenlektüre geeignet. Nichtsdestrotrotz kann und sollte das Buch auch von Erwachsenen gelesen werden, es leistet einen ganz wichtigen Beitrag gegen das Vergessen.