Heute war es soweit: Der große Showdown.
Wir sind mit Frieda, ihrem besten Hundekumpel und Jagdkollegen (Border Terrier) und einem jungen Westfalenterrier spazieren gegangen. Letzerer war seit jeher Friedas Erzfeind und bezog ständig Prügel, weil sie einfach der Meinung war, der gehöre nicht in die Gruppe. Der Hund selbst ist recht dickfellig und wir sind immer dazwischen gegangen, wenn sie ihn unbegründet angegriffen hat, insofern war das nie ein großes Problem. Frieda neigt aber grundsätzlich bei jungen und/oder schüchternen Hunden zu Ressourcenaggression (Ressource bin ich) mit viel Show, ohne ernsthafte Bisse. Das weiß ich und bei fremden Hunden wird das auch von Anfang an unterbunden, indem ich sie anleine. Sowohl der Besitzer des Border Terriers als auch der Besitzer des Westfalenterriers freuten sich quasi schon diebisch drauf, dass mit zunehmender körperlicher Reife, der Westfalenterrier zurückschlagen und Frieda mal ordentlich die Ohren tackern würde. Meine Theorie ist aber, dass Frieda sehr genau weiß, bei wem sie Rambazamba macht und bei wem man lieber schmollend Vorsicht walten lässt. Heute haben sie sich das erste Mal gesehen, seit der Westfale das Bein hebt. Der steht plötzlich im Garten, Frieda rennt raus, bevor ich irgendwas machen kann und schwupp - beide toben und spielen, als wären sie schon jahrelang beste Freunde.
So ging das den ganzen Tag. Problem gelöst. Madame ist halt schlau. Ist mir tausendmal lieber als die von den Jungs erwartete Beißerei.
Umgekehrte Reaktion vor einer Woche im Münsterland: Ich gehe nach der Arbeit noch eine Runde spazieren, bevor es auf die Autobahn geht. Da kommt ein Mann mit einem Labrador ohne Leine, ca. 40kg, Bürste von den Schultern bis zum Schwanzansatz, Kontakt zwischen beiden Hunden war aber gut und ich leinte Frieda ab und ging dann schon mal weiter. Als der Hund mit Frieda-Begrüßung fertig ist, dreht er ab und läuft frontal auf mich zu. Besitzer: "Passen Sie auf, der springt!" Aha. Irgendwie finde ich ja, dass es seine Aufgabe wäre, diesbezüglich aufzupassen. Ich war aber eh schon bedient, weil ich es nicht mag, wenn jemand seinen viermal größeren Hund einfach so auf uns zu laufen lässt, obwohl mein Hund angeleint ist.
Der Hund ist gerade noch 10 cm von meiner Hose entfernt, da kommt von hinten ein keifender dreifarbiger Blitz angeschossen und packt den Labbi von unten am Hals.
Ich war so perplex, dass ich nur noch laut "Frieda!" gebrüllt habe, was sie in dem Moment null interessierte. Der Labbi versuchte derweil nach ihr zu beißen, was aber nicht ging, weil sie außerhalb seiner Reichweite an ihm dran hing und knurrte wie ein tasmanischer Teufel. Glücklicherweise lief er aber gleichzeitig in Richtung seines Besitzers, woraufhin Frieda los ließ und sich mit stolz geschwellter Brust neben mich stellte, als sei sie Lassie oder Wolfsblut oder irgendein anderer Filmheld (der beim Waschen eingelaufen ist). Der Labbi-Besitzer sagte nur: "Oh, das hat Ihrem jetzt aber nicht gepasst, dass der Sie anspringen wollte." Und ich nur: "Ähm nein. Scheinbar nicht." (Wer bist du, kleines Monster, und was hast du mit meiner süßen kleinen Kuschelfrieda gemacht?) Der Labbi hatte nix, Hund und Herrchen hatten allerdings plötzlich sowohl eine Leine als auch anderweitige dringende Termine. So sehr mir das Verhalten meines Hundes unangenehm war, ein bisschen stolz war ich schon, fand allerdings auch, dass es wenigstens den richtigen getroffen hat. Beim nächsten Mal überlegt er vielleicht, ob es nicht einen Grund haben könnte, dass der andere Hund angeleint ist und reagiert entsprechend.