Mein Hund und ich sind ein Team und ich bin die Chefin. Das Wort Team darf beliebig mit Rudel, Gruppe, Meute, Rotte, Schwarm, Schule, Familie, Gemeinschaft oder ähnlichem ersetzt werden. Finde die Diskussion, wie das Kind heißen darf/soll/kann eher müßig. Das tolle an der Hundehaltung ist doch, dass wir uns mit einer fremden Spezies zusammenschließen und mit ihr kommunizieren können, uns also in sie hinein versetzen müssen. Das finde ich spannend. Und so lange mein Hund mir und nicht irgendwelchen anderen Menschen hinterher läuft, fühlt er sich offenbar mir zugehörig, also sind wir ein Team/Rudel/etc. Ob er mich dabei nun für einen Wolf, Hund, Mensch oder ein Nilpferd hält, weiß ich nicht und ist mir auch wumpe.
Wenn sich das Wort "Rudel" an der Rangordnung und zugehöriger Unterwerfung aufhängt: Ja, ich hab in unserer Zweiergruppe das Sagen. Ich habe kein Bedürfnis, meinen Hund ständig unterzubuttern. Aber wenn mir gewisse Dinge gegen den Strich gehen, tue ich das auf jeweils angepasste Weise kund, wie ich es auch einem Artgenossen gegenüber tun würde. Bei massiven Regelverstößen würde ich auch Handgreiflichkeiten nicht ausschließen. Und ja, bei einem meiner drei Hunde ist die Rangordnungsfrage durchaus mal auf dem Tisch gewesen. Die habe ich damals tatsächlich mal auf den Rücken gelegt.
Ob man dass nun 1:1 übertragen kann, ist für mich persönlich irrelevant. Mir hilft es bei der Ausbildung, mich in die Rolle eines wölfischen Rudelführers hinein zu denken. Ich denke oft "Was würde ein Leitwolf jetzt tun?" Das gilt für's Belohnen, Beschützen, Begrüßen, Bestätigen ebenso wie für's Tadeln. Schließlich tut auch ein Leitwolf deutlich mehr für sein Rudel als nur die anderen ständig zu unterwerfen. Das ist für mich auch einfacher, als das Programm irgendeines Trainers zu studieren und umzusetzen. Das mag man als primitiv, rückständig und altmodisch bezeichnen, aber für mich sind bisher ganz tolle Hunde dabei heraus gekommen.