Beiträge von Sus.scrofa

    Mein Hund und ich sind ein Team und ich bin die Chefin. Das Wort Team darf beliebig mit Rudel, Gruppe, Meute, Rotte, Schwarm, Schule, Familie, Gemeinschaft oder ähnlichem ersetzt werden. Finde die Diskussion, wie das Kind heißen darf/soll/kann eher müßig. Das tolle an der Hundehaltung ist doch, dass wir uns mit einer fremden Spezies zusammenschließen und mit ihr kommunizieren können, uns also in sie hinein versetzen müssen. Das finde ich spannend. Und so lange mein Hund mir und nicht irgendwelchen anderen Menschen hinterher läuft, fühlt er sich offenbar mir zugehörig, also sind wir ein Team/Rudel/etc. Ob er mich dabei nun für einen Wolf, Hund, Mensch oder ein Nilpferd hält, weiß ich nicht und ist mir auch wumpe.

    Wenn sich das Wort "Rudel" an der Rangordnung und zugehöriger Unterwerfung aufhängt: Ja, ich hab in unserer Zweiergruppe das Sagen. Ich habe kein Bedürfnis, meinen Hund ständig unterzubuttern. Aber wenn mir gewisse Dinge gegen den Strich gehen, tue ich das auf jeweils angepasste Weise kund, wie ich es auch einem Artgenossen gegenüber tun würde. Bei massiven Regelverstößen würde ich auch Handgreiflichkeiten nicht ausschließen. Und ja, bei einem meiner drei Hunde ist die Rangordnungsfrage durchaus mal auf dem Tisch gewesen. Die habe ich damals tatsächlich mal auf den Rücken gelegt.

    Ob man dass nun 1:1 übertragen kann, ist für mich persönlich irrelevant. Mir hilft es bei der Ausbildung, mich in die Rolle eines wölfischen Rudelführers hinein zu denken. Ich denke oft "Was würde ein Leitwolf jetzt tun?" Das gilt für's Belohnen, Beschützen, Begrüßen, Bestätigen ebenso wie für's Tadeln. Schließlich tut auch ein Leitwolf deutlich mehr für sein Rudel als nur die anderen ständig zu unterwerfen. Das ist für mich auch einfacher, als das Programm irgendeines Trainers zu studieren und umzusetzen. Das mag man als primitiv, rückständig und altmodisch bezeichnen, aber für mich sind bisher ganz tolle Hunde dabei heraus gekommen.

    Für einmalige Belastungen würde ich nicht zusätzlich füttern - auch nicht morgens, da meine dann sowieso nicht frisst (ist ganz das Frauchen, ich frühstücke auch nie :D ). Ich fange erst an, drüber nachzudenken, wenn die Belastung dauerhaft besteht, bzw. bei uns ist es umgekehrt. Frieda bekommt als 9-10kg-Hund die Futterration eines 15kg-Hundes - und zwar Dosen- und Trockenfutter mit richtig Schmackes (viel Protein, Fleisch), weil sie dauerhaft Dampf auf dem Kessel haben muss. Wenn ich eine Woche mal nur normale Gassirunden mit ihr machen muss, ändere ich daran noch nichts. Erst wenn wir länger mal zum "normalen Leben" übergehen, würde ich die Ration runter setzen und auch nur WENN das Gewicht sich nach oben bewegen würde. Sie dreht in solchen ruhigeren Phasen etwas am Rad, aber ich denke, das kann man auch irgendwo nicht verhindern, wenn der Hund sonst 6-9h am Tag durchgängig aktiv sein muss.

    Für mich fängt das da an, wo für die Leute auf krankhafte Art und Weise die Realität aufhört, wo also jemand mehr Tiere hält, als für ihn und die Tiere gesund und finanzierbar ist, derjenige aber nicht in der Lage ist, aufzuhören oder das Leid zu erkennen, was er den Tieren zufügt.

    Ein Zoodirektor ist ja auch kein Animal Hoarder. Manche private Kleintierhaltung mit vielen Tieren, die aber gut gepflegt und artgerecht untergebracht sind oder zum Beispiel auch Aquarianer mit zwanzig verschiedenen, aber gut gepflegten Becken, haben für mich nichts damit zu tun.

    Und nein, ich sehe mich selbst nicht als Animal Hoarder, aber mit einem Hund und zwei Aquarien bin ich wohl auch nicht unbedingt im Kreis der "Verdächtigen". :D

    Dann senfe ich hier noch mal der Vollständigkeit halber zum Cocker rein, auch wenn @naijra da eigentlich schon alles zu gesagt hat.

    Zum Jagdtrieb: In der Tat leicht händelbar, aus den von Naijra genannten Gründen. Ich hatte vorher zwei Irische Setter und fand die Ausbildung zum Nicht-Jagen deutlich aufwändiger. Kenne inzwischen auch einige Cocker, die bei Leuten ohne jagdlichen Hintergrund leben, die sich mit dem Thema Jagdtrieb nie wirklich beschäftigt haben, wo trotzdem keine nennenswerten Probleme auftreten. Meine geht sogar im Herbst mit zur Drückjagd, weiß also, wie das Jagen geht, kann aber trotzdem für den Rest des Jahres beim Spaziergang frei laufen.

    Wach- und Schutztrieb: Sagt bescheid, wenn was gruselig ist. Versteckt sich dann aber todesmutig hinter Frauchen. :D

    Die Cocker, die ich kenne, sind absolut verträglich mit allem und jedem. Die einzigen beiden roten Hündinnen, die ich kenne, sind etwas schwieriger, knurren z. B. wenn die Besitzer sie abtrocknen wollen oder wenn ihnen sonst was nicht passt. Es gab da mal Studien zu, dass einfarbige Cocker aggressiver wären als welche mit weiß, und die roten am aggressivsten. Hab das immer für totalen Quatsch gehalten, aber im Bekanntenkreis ist es eben tatsächlich so, dass die roten eher in diese Richtung ticken. Ein mir bekanntes Halterpaar ist sogar der festen Überzeugung, dass es an der Farbe liegt, sie haben wohl ähnliche Beobachtungen in ihrem Umfeld gemacht. Die "Cockerwut" soll damals ja auch von einem roten Rüden vererbt worden sein. Keine Ahnung, ob da was dran ist. Ich kenne meine Hündin und ihre bunte Verwandtschaft als fröhliche, verschmuste Gute-Laune Hunde, die allem und jedem freundlich begegnen.

    Freude an Nasenarbeit muss ich wohl nicht mehr erläutern.

    Wandertauglichkeit passt auch (wir machen bis 140 km in einer heftigen Arbeitswoche), Joggen kann ich mir eher weniger vorstellen, weil die doch gern mal länger irgendwo schnuppern und dann alles um sich rum vergessen - mir wär das zu doof, dann immer wieder rufen oder warten zu müssen. Da ich mir erfolgreich die Knie kaputt gejoggt habe, hab ich das aber mit dem jetzigen Hund auch noch nie ausprobiert.

    Insgesamt mag ich am Cocker, dass er 24h am Tag gute Laune hat und sowohl für die 8-Stunden-Drückjagd als auch für einen chilligen Tag auf dem Sofa zu haben ist. Und der "Will to Please" ist mir bei einem Hund ganz wichtig. Das passt einfach gut zu meinen Ausbildungsmethoden. Ein Terrier würde mir schnell auf der Nase rum tanzen. :pfeif:

    Ich kann nicht singen. :D

    Ich rede mir ein, die Gespräche mit dem Hund ("Meinst du, wir sollen hier schon hoch, oder ist das zu steil?", "Tja, Frieda, jetzt ist guter Rat teuer.", "Links oder rechts, was sieht besser aus?", "Sollen wir hier schon Pause machen?", "Beweg deinen haarigen Hundehintern, wir gehen jetzt zum Auto, Frauchen will duschen.") dazu dienen, Wildschweinbachen rechtzeitig zu warnen, damit wir gar nicht erst in brenzlige Situationen kommen.

    Aber Fakt ist, dass es im Hotel weitergeht. "Ich geh nur kurz duschen. Willst du so lange lieber ARD oder RTL gucken?" OK OK, manchmal, wenn ich mich ertappe, fange ich auch an, mich selbst zu veräppeln, aber in vielen Situationen kommt das automatisch, wenn man tagelang niemanden trifft, außer abends der Bedienung im Restaurant. :roll:

    Sorry, hab den Thread gerade erst gefunden.

    Ich bin so ähnlich wie du mit Hund unterwegs, allerdings arbeite ich alleine (ohne Team) und nur in Deutschland, muss also nicht fliegen. Bin Biologin und mache Kartierungen/Raumnutzungsanalysen/Befischungen, muss also auch bei jedem Wetter meine 8h durch die Pampa laufen und in Pensionen übernachten. Ich genieße es sehr, meinen Hund dabei zu haben. Man ist nicht so alleine und gerade im ländlichen Bereich habe ich auch mit Pensionen/Hotels nie Probleme gehabt. Meine hat Jagdtrieb, läuft aber trotzdem meist frei, da sie recht uneigenständig ist und sich gut abrufen lässt. In ganz heißen Ecken kommt man natürlich ums Anleinen nicht drumrum.

    Und das Regenmäntelchen ist selbst beim langhaarigen Hund bei uns zum treuen Begleiter geworden. Wenn's wirklich mal Dauerregen gibt und der Hund klatschnass über 15 Minuten ruhig sitzen muss, weil man gerade irgendwo was einmisst oder aufschreibt, kommt immer das große Zittern.

    Gefremdelt hat der Hund zum Glück nie. Nach der zweiten Pension war das für sie nichts neues mehr. Die wird eher wuschig, wenn ich zu Hause packe, weil sie jedes Mal Angst hat, ich könnte ohne sie loslegen. Sobald sie im Auto sitzt, ist ihr völlig wurscht, wo wir als nächstes hin fahren. Ich glaube, da ist viel Gewöhnung dabei.

    Insgesamt überwiegen für mich eindeutig die Vorteile, einen Hund dabei zu haben. Die Arbeit in immer wieder neuen Gebieten unter teilweise fiesen Bedingungen (Wetter, lange Tagesstrecken etc.) hat uns richtig zusammen geschweißt. Aber schrullig wird man. Ich fang ab dem zweiten Tag meistens an, ihr meine Suchstrategie oder die Routenwahl zu erklären. :ugly:

    Mich stört's nicht, dementsprechend reagiere ich auch meistens ziemlich gelassen.

    Eine Dame, die meine Setter kannte, meinte zu dem darauf folgenden Cocker, Frieda sei ein "grässlicher Hund - und dieses lange Fell!". Warum ich mir denn nicht wieder einen "richtigen Hund" gekauft hätte. Sie selbst führt einen total verfetteten Beagle, der seine Plautze wirklich fast über den Boden zieht. So lange das für sie offensichtlich schön ist, kann ich mit ihrem Urteil zu Frieda wunderbar leben. Ich hab nur lachend erwidert, dass ich Frieda aus Mitleid gekauft hätte, weil sonst niemand das hässliche Vieh haben wollte. :lol:

    Von Jägern kommen auch schon mal Sprüche zu dem kleinen Hund mit dem dödeligen Weichei-Gesicht ("Gilt das schon als Hund?", "Kann der auch noch was anderes, außer doof gucken?"). Die meisten verpacken es lustig und ich kann auch drüber lachen, weil mir letztlich ziemlich wurscht ist, was die anderen denken. Ein Terrier passt nunmal charakterlich nicht zu mir. Ich kaufe mir doch keinen Hund, nur um andere zufrieden zu stellen.

    Diejenigen, die es wirklich böse meinen, führen meist entsprechend auch Jagdhunde, die nicht nur als Jagdhelfer, sondern auch zur Verlängerung gewisser anatomischer Gegebenheiten dienen müssen. Da mir als Frau das entsprechende Teil fehlt, kann ich da nur drüber schmunzeln. Es ist ja wohl offensichtlich, dass ICH das nicht nötig habe.

    Mein Standardspruch ist inzwischen: "Mir ist beim Cocker nichts wichtiger, als die ausgeprägte Mannschärfe. Das ist gerade für uns wehrlose Frauen allein im Wald von enormer Bedeutung." :D Da gucken sie immer dumm aus der Wäsche. :lachtot:

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    Kann mir jemand sagen was das :ka: Foto ist schon älter, ungefähr im März

    Schädel mit Wirbelsäule und Hüfte vom Rot- oder Rehwild. Kann ich nicht hundertprozentig sagen, da ich die Größe nicht einschätzen kann. Die Beine, Rippen und Co fehlen in dem Zustand fast immer. Die Aasfresser (Füchse, Wildschweine, Bussarde) bauen das komplett auseinander.