Uff... Das ist echt heftig. Also, wie schnell jetzt alles geht meine ich.
Dein Threadtitel "Eine Adoption muss gut überlegt sein" widerspricht dem, was jetzt hier passiert für mein Gefühl komplett.
Ich möchte Dir mal ein bisschen was von mir und meinem Hund erzählen. Vielleicht hilft es Dir ja irgendwie 
Ich habe einen Hund, der irre ist. Ist einfach so, da gibts nichts zu beschönigen. Ich weiß nicht, wieviel Schweiß und Tränen ich wegen ihm bereits vergossen habe. Versteh mich nicht falsch: Ich liebe ihn über alles, aber ich war mehrfach kurz davor, ihn ins Tierheim zu bringen (oder einfach die Leine abzumachen und ihn laufen zu lassen
).
Die Vorgeschichte war die, dass er in einer Familie mit 5 Kindern aufgewachsen ist. Ich habe ihn über ebay Kleinanzeigen gefunden. Lt. der Besitzerin ist sie 2x am Tag mit ihm Gassi gegangen, er würde andere Hunde kennen, wäre regelmäßig beim Tierarzt gewesen und sei einfach "etwas zu stürmisch" für die Familie, weswegen er nun auf den Balkon ausquartiert worden wäre, damit mit den kleinen Kindern nichts passiert.
Der Hund war bei der Besichtigung 10 Monate alt, sehr aktiv, nicht leinenführig und sah nicht gut gepflegt aus. Ich hatte Mitleid, ich habe mich in seine Augen verliebt und mir war klar: Dieser Hund wird bei uns einziehen. Es wird Arbeit, aber das wird schon nicht so schlimm werden. Das kriegen wir (damals war ich noch verlobt) schon hin!
Mein Traum war es, einen Hund zu haben, den ich überall mit hinnehmen kann. Der mit mir zu meinen Stammtischen kommt, sich dort von meinen Freunden/Bekannten knuddeln lässt und dann unterm Tisch einschläft. Der auf Mittelaltermärkten immer an meiner Seite ist, das Lager bewacht, aber ansonsten unauffällig ist. Der mit mir ohne Leine durch den Wald streift und immer schön in meiner Nähe bleibt.
Im Endeffekt sieht es nun so aus, dass wir zig Trainerstunden hinter uns haben, oft beim Tierarzt waren (Schilddrüse, viele kleine Verletzungen, Hausbesuch einer Osteopathin), ich alleine mit dem Hund lebe (Verlobung aufgelöst) und die letzten 4 Jahre beinahe täglich mit dem Hund überfordert war.
Mein Hund selbst war lange mit allem draußen überfordert. Er ist sehr auf optische Reize fixiert und hat lange alles von der Hummel bis zum LKW gejagt. Er hat im Freilauf einen riesigen Radius (mehrere 100m) und jagt auch da alles was sich bewegt. Leinenführig ist er auch jetzt nach 4 Jahren nur bedingt, in fremden Umgebungen gar nicht (und damit meine ich gar nicht! 24kg, die dauerhaft ziehen, sind kein Spaß!). Draußen kommt er nicht zur Ruhe, selbst auf Märkten braucht er Stunden, bis er halbwegs abschalten kann und er ist beim kleinsten Reiz wieder voll da. Andere Hunde sind meistens ein rotes Tuch, er reagiert vollkommen überzogen in seinen Maßregelungen, wenn andere Hunde ihm zu Nahe kommen. Menschen überfordern ihn und er will draußen nichts mit ihnen zu tun haben, lasse ich zu, dass sie ihm zu nahe kommen, schnappt er nach ihnen.
Seine Überforderung äußert sich in kreiseln, fiepen, bellen, schreien, in die Leine beißen, in meine Hand/meinen Ärmel beißen, kopfloses ziehen, kurz gesagt: durchdrehen.
Im Nachhienein stellte sich nämlich heraus, dass mein Hund von Anfang an in der Familie auf dem Balkon gelebt hat. Er war nicht durchgeimpft, kannte keine anderen Hunde, keine Leine, keine Spaziergänge, kein Auto fahren, keine Stadt und alles, was er tun konnte, war gucken (deswegen die intensive Prägung auf die optischen Reize).
Mir wurde (entschuldigung) kackendreist ins Gesicht gelogen. Absolut ohne Hemmungen.
Wir haben uns in den letzten 4 Jahren zusammengerauft. Ich habe mich schlau gelesen, immer weiter informiert, Dinge ausprobiert und wieder verworfen, (Einzel)Trainerstunden genommen, seine Ernährung angepasst, immer wieder die Schilddrüse kontrollieren lassen und einfach nur wahnsinnig viel Zeit, Energie und Geld in diesen Hund gesteckt.
Und warum? Weil ich die Adoption nicht gut überlegt habe. Ich, als Hundeanfängerin, hätte diesen Hund NIEMALS zu mir nehmen dürfen und ich habe die Tatsache, dass ich es getan habe, sehr oft bereut.
Es hat sich in den 4 Jahren viel getan, aber er wird niemals so sein, wie ich es mir gewünscht habe. Das ist frustrierend und ich glaube, Du kannst Dir nicht mal im Ansatz vorstellen, wie schlimm es ist, wenn man diese Träume hat und sie dann auch nach 4 Jahren wirklich harter Arbeit noch nicht wahr geworden sind. Wenn man mit seinem Hund immer und immer wieder dieselbe 15Minuten Runde um den Block gehen muss, weil ihn alles andere überfordert. Wenn man tolle Dinge erlebt und der Hund zu Hause bleiben muss, weil ihn das überfordern würde. Wenn man Nachts mit dem Hund rausgeht, damit er möglichst wenig Reize wahrnehmen muss und er trotzdem so durchdreht, dass man ihn irgendwo anbinden, weggehen und seine Aggressionen an einem Baum auslassen muss.
Das kannst Du Dir nicht vorstellen und ich hoffe sehr, dass Du niemals in so eine Situation kommen musst, weil Du Dir das mit der Adoption wirklich gut überlegt hast.